Inhalt / Kritik

Red Blood Sky Netflix

„Blood Red Sky“ // Deutschland-Start: 23. Juli 2021 (Netflix)

Eigentlich waren die schwer kranke Nadja (Peri Baumeister) und ihr Sohn Elias (Carl Anton Koch) auf dem Weg in die USA, wo sie sich Hilfe bei einem Arzt erhoffen. Doch dummerweise haben sie sich dafür den falschen Flug ausgesucht. Eine Gruppe von Männern, angeführt von dem skrupellosen Berg (Dominic Purcell), hat das Flugzeug unter seine Kontrolle gebracht und die Airs Marshalls getötet. Ziel ist es eine schöne Stange Geld zu erpressen, zu diesem Zweck gehen sie sogar über Leichen. Was die Männer nicht ahnen: Nadja ist gar nicht so leicht zu töten. Anstatt unter Leukämie zu leiden, wie sie vermuten, ist sie in Wahrheit ein Vampir. Und sie schreckt ebenso vor nichts zurück, um Elias und die anderen an Bord zu schützen …

Die Gefahr über den Wolken

Auch wenn nach den Ereignissen am 11. September 2001 die Sicherheitsvorkehrungen an Flugzeugen noch einmal massiv gesteigert wurden, die Angst vor einer Entführung oder anderen terroristischen Anschlägen an Bord ist immer noch da. Eine Angst, die dann und wann in Filmen aufgegriffen wird. Während aber beispielsweise der Echtzeitthriller 7500 Wert auf eine größtmögliche Authentizität legte, gerade auch im Hinblick auf das Prozedere, da machte Non-Stop ein völlig überzogenes Spektakel mit Krimianleihen daraus. Die Geschichte eines Air Marshalls, der anonyme Drohnachrichten von einem Mitreisenden bekommt, war so absurd, dass man meinen konnte, das wäre nicht mehr zu toppen.

Der Netflix-Film Blood Red Sky belehrt einen aber eines Besseren. Denn als wäre das nicht schon gefährlich genug, wenn skrupellose und blutrünstige Männer Crew und Passagiere terrorisieren, holt Regisseur und Co-Autor Peter Thorwarth (Nicht mein Tag, Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding) noch eine Vampirin hinzu. Mehr noch, er macht sie zur Heldin. Wo die Gäste sonst mit nur einer Gefahr zu kämpfen haben, da geraten sie hier quasi zwischen die Fronten. Denn auch wenn Nadja zu den Guten gehört, wie der Film von Anfang an klar macht: Eine Bestie mit Lust nach Menschenblut ist dann vielleicht doch nicht unbedingt die Kavallerie, die man sich wünschen würde.

Ein ernst gemeinter Blödsinn

Dass das Szenario völlig bescheuert ist, versteht sich von selbst. Aber das muss ja nicht verkehrt sein, wie der zum Kultfilm avancierte Snakes on a Plane vormachte. Hauptsache man hat Spaß. Leider hapert es bei Blood Red Sky aber genau in dieser Hinsicht ziemlich. Ein Kardinalfehler, den der Actionhorror hier begeht: Er nimmt sich selbst ziemlich ernst. Anstatt den Wahnsinn und die Absurdität der Geschichte auszukosten, versuchte Thorwarth, deutlich mehr draus zu machen. Das bedeutet nicht nur, dass er sich vereinzelt zu gesellschaftlichen Kommentaren hinreißen lässt. Er baut zudem noch eine Vorgeschichte ein, welche Nadja zu einer tragischen Figur machen sollen, die lange gegen das Monster in sich ankämpft.

Zwar ist es nicht grundsätzlich verkehrt, der Hauptfigur eines Horrorfilms mehr Tiefe verleihen zu wollen. Bei Blood Red Sky geht dieser Plan aber so gar nicht auf. Nicht nur dass es dem Film nicht gelingt, sie auf diese Weise zu einem interessanten Charakter zu machen. Er bremst sich zudem selbst unnötig aus, weil die Geschichte immer wieder durch Flashbacks unterbrochen wird. Überhaupt ist die Erzählstruktur recht umständlich. An Stelle einer geradlinigen Erzählung, wie es angemessen wäre, nutzt Thorwarth eine Rahmenhandlung, in der Elias die Hauptgeschichte nacherzählt, die wiederum von den Flashbacks unterbrochen wird. Das funktioniert jedoch nicht, da die Ereignisse praktisch nie aus Elias’ Perspektive erzählt werden. Der Film selbst wird auf diese Weise auch noch deutlich zu lang: Mehr als zwei Stunden hätte es bei dem dünnen Inhalt dann wirklich nicht gebraucht.

Ein durchschnittliches Chaos

Dabei hat der Horrorstreifen, der auf dem Filmfest München 2021 Premiere feierte, durchaus auch seine Stärken. So ist das Design der Vampirin, welches an Nosferatu erinnert, eine wohltuende Abwechslung von den oft eher auf schön getrimmten Versionen, welche eine ganze Zeit lang das Genre dominierten. Auf reizvolle Weise perfide ist zudem, dass es während des Flug zu ständigen Machtverschiebungen kommt. Schließlich ist noch ein Merkmal, das jeder Vampir hat: Er kann andere in Vampire verwandeln. Auf diese Weise versinkt das alles mit der Zeit immer mehr im Chaos, Blood Red Sky nimmt bei aller Vorhersehbarkeit auch ein paar schöne Wendungen. Nur reicht das nicht, um den Film über den Durchschnitt hinaus zu hieven. Zwischenzeitig ist das hier einfach zu zäh.

Credits

OT: „Blood Red Sky“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Peter Thorwarth
Drehbuch: Peter Thorwarth, Stefan Holtz
Musik: Dascha Dauenhauer
Kamera: Yoshi Heimrath
Besetzung: Peri Baumeister, Dominic Purcell, Alexander Scheer, Kais Setti, Carl Anton Koch, Kai Ivo Baulitz

Bilder

Trailer

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Blood Red Sky
In „Blood Red Sky“ nehmen Terroristen ein Flugzeug als Geisel, ahnen dabei aber nicht, dass sich eine Vampirin an Bord befindet. Das Szenario ist schön absurd und nimmt später ein paar nette Wendungen. Der Film ist aber insgesamt zu lang, zu umständlich erzählt und nimmt sich vor allem viel zu ernst, anstatt einfach mal Spaß zu machen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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