„Crazyhead“, UK, 2016
Regie: Al Mackay, Declan O’Dwyer; Drehbuch: Howard Overman; Musik: Stuart Hancock
Darsteller: Cara Theobold, Susan Wokoma, Arinze Kene, Lewis Reeves, Riann Steele, Tony Curran

Crazyhead Staffel 1Wir alle sehen manchmal Dinge, die nicht da sind, bilden uns seltsame Dinge ein. Bei Amy (Cara Theobold) nimmt dies jedoch mittlerweile bedrohliche Ausmaße an. Wortwörtlich. Immer wieder verwandeln sich Menschen vor ihren Augen in teuflische Gestalten. Wird sie langsam verrückt? Nicht, wenn es nach Raquel (Susan Wokoma) geht. Denn die behauptet doch allen Ernstes, dass die Gesellschaft von Dämonen unterwandert wird, die sich bloß als Menschen ausgeben. Nein, Amy ist nicht einmal ansatzweise versucht, ihr diese durchgeknallten Theorien abzunehmen. Bis zu jenem Tag, als sie von einem dieser Dämonen verfolgt wird und plötzlich auch ihre beste Freundin Suzanne (Riann Steele) besessen ist.

Es ist doch immer wieder dasselbe. Der Protagonist macht seltsame Beobachtungen, die kein anderer teilt. Außer dem Zuschauer vielleicht, der zum mitleidenden Mitwisser wird und ja am liebsten als Zeuge auftreten würde – doch, die Dämonen sind alle echt! Bei Crazyhead ist das nicht ganz so eindeutig. Nicht weil die Serie einer dieser Paranoiathriller ist, bei dem durch die Unsicherheit über Realität und Einbildung Spannung erzeugt wird. Dafür ist sie zu lustig. Und die Figuren zu komisch, in mehr als nur einer Hinsicht.

Unheimlich lustig
Insgesamt wandelt die von Howard Overman (Misfits) kreierte Serie an der Grenze vom Unheimlichen zum unheimlich Lustigen. Düster ist Crazyhead natürlich, das gibt allein schon das Thema vor. Ständig tauchen irgendwelche Dämonen auf, die meistens auch nicht Besseres zu tun haben, als die beiden Heldinnen töten zu wollen. Manchmal dürfen auch andere Menschen dran glauben, wer auch immer das Pech hatte, gerade zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

Als Zuschauer ist die Netflix-Produktion jedoch ein Glücksfall. Die beiden Heldinnen wider Willen sind sympathisch, auch weil sie so gar nicht wissen, was sie bei der teuflischen Gefahr eigentlich machen müssen. Ebenfalls witzig sind die diversen Kontraste zwischen Menschen- und Dämonenwelt, welche hier immer wieder auftauchen. Vergleichbar zu den Sensenmännern in Dead Like Me oder den Animekollegen von The Devil Is A Part-Timer! müssen nämlich auch die Höllenfürsten einem geregelten Leben nachgehen. Tarnung ist alles, vor allem wenn man insgeheim etwas richtig Fieses plant.

Aus Spaß wird tödlicher Ernst
Das ist vor allem zu Beginn der sechs Folgen dauernden Serie ein großer Spaß, wenn in erster Linie die durchgeknallten Figuren und diverse absurde Szenen das Geschehen bestimmen. Wie es nun mal so vorkommt, wenn irdische und teuflische Befindlichkeiten unter einen Hut gebracht werden müssen. Neben den beiden prächtig harmonierenden Hauptdarstellerinnen hat hier besonders Lewis Reeves als plappernder und nicht ganz heimlich verliebter Kollege von Amy die Lacher auf seiner Seite.

Mit der Zeit wagt sich Crazyhead jedoch in ernstere Gefilde vor, will dann eben doch mehr sein als „nur“ eine übersinnliche Comedy. Der Part ist der weniger überzeugende. Vor allem ist er der weniger originelle. Da wird dann doch die eine oder andere Konvention brav abgearbeitet. Dennoch, Spaß macht die durchgeknallte Serie. So viel Spaß, dass hoffentlich doch noch eine zweite Staffel folgen wird, genügend Potenzial hat sie. Aber selbst wenn dies nicht geschehen sollte, lohnt sich die Sichtung – umso mehr, da hier ausnahmsweise mal auf Cliffhanger verzichtet wurde und die sechs Folgen tatsächlich in sich rund und abgeschlossen sind.

Crazyhead – Staffel 1
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Crazyhead – Staffel 1
Stell dir vor, du siehst überall Dämonen. Verrückt, oder? Noch verrückter ist aber, wenn diese Halluzinationen tatsächlich wahr sind. „Crazyhead“ nimmt dieses Szenario und bastelt daraus eine tatsächlich unterhaltsame Horrorkomödie, die von absurden Situationen und kauzigen Figuren lebt. Trotz eines konventionell ernsten Endspurts, Spaß macht diese etwas andere Dämonenjagd.
7von 10

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