Rilakkuma und Kaoru Netflix

„Rilakkuma und Kaoru – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 19. April 2019 (Netflix)

Aufregend ist das Leben von Kaoru nicht gerade. Jeden Tag geht sie fleißig zur Arbeit in einem Büro, wo sie für ihre Zuverlässigkeit geschätzt, jedoch nicht unbedingt gemocht wird. Und das mit ihrem Privatleben ist ohnehin so eine Sache. Ihre Freundinnen haben kaum noch Zeit für sie, das mit der Liebe will nicht klappen – obwohl sie durchaus ein Auge auf den süßen Hayate geworfen hat, der ihnen immer wieder die Pakete liefert. Immerhin zu Hause findet sie genügend Zuwendung, schließlich teilt sie sich die Wohnung mit den beiden Bären Rilakkuma und Korilakkuma und ihrem Haushuhn Kiiroitori.

Japan hat bekanntlich eine ganz eigene Beziehung zu Maskottchen. Wo bei uns berühmte Figuren oft ihren Ursprung in Serien oder Büchern haben, da werden sie im Land der aufgehenden Sonne gern entworfen, noch bevor es ein Einsatzgebiet bekommt. Die auch im Westen populäre Katze Hello Kitty beispielsweise tauchte erstmals als Verzierung auf einer Geldbörse auf, damit diese etwas süßer und leichter zu verkaufen ist. Auch Unternehmen und sogar Behörden setzten auf die Wirkung niedlicher Charaktere, meist aus dem Tierbereich.

Ein Geheimtipp kommt groß raus
Neben Sanrio, die Urheber von Hello Kitty, ist gerade San-X recht erfolgreich darin, immer neue Figuren auf den Markt zu werfen, die in erster Linie auf den kawaii-Faktor setzen – so der japanische Ausdruck für „niedlich“. So erfolgreich, dass dem Unternehmen sogar das Potenzial zugesprochen wird, den großen Kollegen zu überholen, zumindest daheim. Denn dort ist Rilakkuma tatsächlich eine große Nummer. Der große etwas träge Bär, entworfen von Aki Kondo, zählt in Fernost zu den beliebtesten Charakteren überhaupt, ist auf zahlreichen Merchandising-Produkten zu finden.

Nun gibt es auch die an und für sich lange Animationsserie, dem Ausland sei Dank: Wie schon letztes Jahr bei Aggretsuko schnappte sich Netflix die Lizenz eines populären Maskottchens und gab eine Serie in Auftrag. Dieses Mal standen jedoch keine klassischen 2D-Zeichnungen an, für die Japan eigentlich bekannt ist. Stattdessen durfte sich das Animationsstudio dwarf der klassischen Stop-Motion-Technik annehmen. Die ist in Japan wie in den meisten anderen Ländern inzwischen eine absolute Nische, Filme wie Chieri and Cherry sind absolute Ausnahmen, die man allenfalls im Rahmen von Festivals bewundern darf.

Die ganze Welt in einer Wohnung
Was schade ist, denn wie bei den Kollegen auch ist Rilakkuma und Kaoru eine mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltete Serie. Die Settings sind eher überschaubar, viele der 13 Folgen spielen entweder in der Wohnung oder dem Büro von Kaoru. Zu sehen gibt es dort aber genug: Von Postern über Einrichtungsgegenstände bis zu herumliegenden persönlichen Objekten, die Designteams durften sich hier richtig austoben. Dabei achteten sie jedoch auf Realismus, die Serie ist in vielerlei Hinsicht durch und durch japanisch – was natürlich in einem Kontrast zu den Figuren steht. Gewöhnlicher Bürotrott und alltägliche Sorgen auf der einen Seite, große Bären, die in kleinen Wohnungen hausen auf der anderen. Weder Kaoru noch die anderen Menschen scheinen sich jemals darüber zu wundern, dass die Tiere sich etwas untypische Behausungen gesucht haben. Sie sind einfach da, als wäre es das Normalste der Welt.

Allgemein ist die Stimmung sehr entspannt, passend zur Hauptfigur: Rilakkuma setzt sich aus dem englischen Wort „relax“ und dem japanischen Wort „kuma“ (Bär) zusammen. Selbst wenn in der Serie mal ein bisschen mehr passiert, etwa bei einer Entführung durch den Nachbarsjungen oder der Begegnung mit Außerirdischen, hier lässt sich niemand aus der Ruhe bringen. Es ist nicht einmal so, dass es große Gags gäbe und die an und für sich witzige Konstellation ausgenutzt würde. Manchmal ist Rilakkuma und Kaoru schon amüsant, wenn beispielsweise das Hühnchen Kiiroitori mal wieder Hausputz macht und sich über die faule Bande beklagt. Der Reiz liegt jedoch weniger in klassischen Witzen als vielmehr den Interaktionen der Figuren und ihren sehr speziellen Beziehungen. Trotz der spärlichen Dialoge – keines der Tiere kann reden – haben sie alle ausgeprägte Persönlichkeiten, der Umgang miteinander ist ebenso unterhaltsam wie herzerwärmend. Das richtet sich in erster Linie an ein jüngeres Publikum. Doch die relaxte Atmosphäre und einige schöne Alltagsbeobachtungen machen die Serie auch für Erwachsene zu einem Geheimtipp.



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Rilakkuma und Kaoru – Staffel 1
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Rilakkuma und Kaoru – Staffel 1
Eine Büroangestellte teilt sich ihre Wohnung mit zwei Bären und einem Huhn, das klingt schon ziemlich verrückt. „Rilakkuma und Kaoru“ setzt aber weniger auf klassische Gags, auch wenn das Szenario natürlich durchaus amüsant ist. Der Reiz der Stop-Motion-Serie liegt aber vielmehr in den entspannten und doch treffenden Alltagsbeobachtungen und den detailverliebten Ausgestaltungen.
7von 10

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