Wer einmal lügt Stay Close Netflix
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Wer einmal lügt

Inhalt / Kritik

Wer einmal lügt Stay Close Netflix
„Wer einmal lügt“ // Deutschland-Start: 31. Dezember 2021 (Netflix)

Eigentlich war es längst an der Zeit, den Bund der Ehe einzugehen. Seit 17 Jahren ist Megan Pierce (Cush Jumbo) schließlich schon mit Dave Shaw (Daniel Francis) liiert, sie sind glückliche Eltern. Doch kurz bevor die zwei endlich Nägel mit Köpfen machen wollen, taucht Lorraine (Sarah Parish) auf und erinnert sie an das Leben, das sie früher einmal führte, damals unter dem Namen Cassie. Auch der Polizist Mike Broome (James Nesbitt) ist mit einer lang zurückliegenden Vergangenheit beschäftigt. Genauer ist es der Fall um den verschwundenen Stewart Green, der ihm nicht aus dem Kopf geht – umso mehr, da ein junger Mann namens Carlton Flynn vermisst wird und die Gemeinsamkeiten frappierend sind. Ausgerechnet dieser junge Mann findet sich auf einer Aufnahme des Fotografen Ray (Richard Armitage), der selbst auf der Suche nach Antworten ist …

Ein Bestseller-Autor im Dauerfeuer

Für Fans von Harlan Coben führt seit einer Weile schon kein Weg an Netflix vorbei. Schließlich haben der US-amerikanische Autor und der Streamingdienst eine Vereinbarung getroffen, die vorsieht, innerhalb von 5 Jahren 14 Romane des Schriftstellers zu adaptieren. Entsprechend hoch ist die Schlagzahl, die bei dieser Kooperation vorgelegt wird. Alle paar Monate erscheint eine weitere Serie, die auf einem der Bücher basiert. Bemerkenswert ist, dass diese aus den unterschiedlichsten europäischen Ländern kommen. Nachdem zuletzt Polen (Das Grab im Wald), Spanien (Kein Friede den Toten) und Frankreich (Kein Lebenszeichen) auf dem Programm standen, geht es jetzt wieder nach England. Dort wurde bereits Ich schweige für dich produziert, der erste Titel dieser Zusammenarbeit. Und noch aus einem anderen Grund bedeutet Wer einmal lügt eine Rückkehr, spielte doch in beiden Serien Richard Armitage eine Hauptrolle.

Vor allem aber inhaltlich gibt es diverse Gründe, warum einem die neue Serie so bekannt vorkommt. Coben ist ein Vertreter der Autorenzunft, die sich vor allem daran gefallen, möglichst viele Wendungen einzubauen und für Überraschungen sorgen zu wollen. Je verwinkelter die Geschichte, so die Annahme, umso besser ist es. Fans werden sich daher bei Wer einmal lügt wie zu Hause fühlen. Schon die erste der acht Folgen, welche die Miniserie ausmacht, ist vollgestopft mit plötzlichen Entwicklungen und Erkenntnissen. Bei den späteren ist es nicht anders: Die Wahrheitssuche rund um verschwundene Männer und falsche Identitäten führt über so viele Kurven, dass einem schon mal schwindlig werden kann. Da heißt es an mehreren Stellen besser Augen zu und durch.

Bitte nicht weiter nachdenken!

Alternativ darf man natürlich auch einfach das Gehirn ausschalten. Zum Teil sollte man das vermutlich sogar besser. Von Anfang an gibt es Gründe, ein bisschen skeptisch zu sein, ob das mit rechten Dingen vor sich geht. Das ergibt alles nicht so sonderlich viel Sinn. Vereinzelt wird sich das ändern, wenn die Spurensuche zu neuen Antworten führt. Die sind jedoch nicht unbedingt immer befriedigend. Wer einmal lügt macht es sich da mehrfach schon sehr einfach, da wird irgendwie vor sich hingewurschtelt, ohne darüber nachzudenken, ob das plausibel ist. Es wird auch gar nicht alles beantwortet, da fehlt oft irgendetwas. Richtig befriedigend ist die Serie deshalb nicht. Am Ende des wirren Getümmels hat man das Gefühl, dass da aus verschiedenen Puzzles was zusammengeklaubt wurde. Material zum Beschäftigen gibt es daher genug. Ein schlüssiges Gesamtbild sieht aber anders aus.

Spaß haben darf man damit natürlich trotzdem. Wem die bisherigen Serien aus der Feder Cobens gefallen haben, der dürfte auch dieses Mal auf seine Kosten kommen. Schließlich treffen Kritikpunkte wie Unglaubwürdigkeit und generell schlampig angelegte inhaltliche Konzepte auf die meisten Titel zu, die auf den US-Amerikaner zurückgehen. Besser fährt, wer dabei mit etwas Humor an die Sache rangeht und gar nicht erst erwartet, dass das hier sinnvoll ist. Zumindest bei dem gnadenlos überzeichneten Killerpaar, welches Erinnerungen an jenes von The Umbrella Academy weckt, ist das angebracht, ein bisschen drüber lachen zu können. Tatsächlich spannend ist die groteske Serie aber nur im Hinblick darauf, dass man bei den vielen Wendungen schon wissen möchte, was das nun alles zu bedeuten hat. Ein tatsächliches Gefühl der Bedrohung stellt sich hingegen weniger auf, trotz der vielen vermissten und toten Personen, da man nie so wirklich Teil ihrer Realität wird.

Credits

OT: „Stay Close“
Land: UK
Jahr: 2021
Regie: Daniel O’Hara, Lindy Heymann
Drehbuch: Danny Brocklehurst, Mick Ford, Charlotte Coben, Victoria Asare-Archer
Vorlage: Harlan Coben
Musik: David Buckley, Luke Richards
Kamera: Giulio Biccari
Besetzung: Cush Jumbo, James Nesbitt, Richard Armitage, Sarah Parish, Eddie Izzard, Jo Joyner, Youssef Kerkour, Daniel Francis

Bilder

Trailer

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„Wer einmal lügt“ ist eine typische Serie nach Harlan Coben, wenn es hier Wendungen im Minutentakt gibt und an jeder Ecke ein dunkles Geheimnis wartet. Das kann Spaß machen, wenn man sich auf den Irrsinn einlässt und gar nicht den Anspruch hat, eine auch nur irgendwie plausible oder durchdachte Geschichte zu sehen. Ansonsten wartet bei dem schlampig zusammengesetzten Turbo-Puzzle eine Mischung aus Frust und Verwirrung.
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