Ein amerikanischer Albtraum American Nightmare Netflix Streamen online
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Ein amerikanischer Albtraum

Ein amerikanischer Albtraum American Nightmare Netflix Streamen online
„Ein amerikanischer Albtraum“ // Deutschland-Start: 17. Januar 2024 (Netflix)

Inhalt / Kritik

True Crime Doku ist True Crime Doku? Nicht ganz. Zwar behandeln diese Produktionen immer wahre Verbrechen. Sie tun das zum Teil aber auf sehr unterschiedliche Weisen und verfolgen andere Ziele. So vertrauen einige auf den Mystery-Faktor, wenn das Publikum daheim vor den Bildschirmen miträtseln soll, wer das Verbrechen denn nun begangen hat. Bei anderen ist es das Verbrechen selbst, das in den Mittelpunkt rückt. Das ist dann oft der Fall, wenn es sich um ein besonders brutales oder bizarres handelt. Dann und wann sollen sich die Zuschauer und Zuschauerinnen aber auch einfach darüber empören, was da getrieben wurde. Bei Netflix sind aktuell zwei Beispiele dafür zu sehen. Bitconned: Der Betrug mit der Cryptowährung Centra war vor zweieinhalb Wochen ein solcher Fall, wenn wir von den dreisten Betrügereien erfahren. Und auch Ein amerikanischer Albtraum ist dazu geeignet, dass man sich nach Herzenslust aufregen kann.

Eine Entführung mit unglaublichen Folgen

Das betrifft jedoch nur zum Teil den Fall an sich. So erzählt die dreiteilige Serie von Denise Huskins, die von Unbekannten entführt wurde. Für die Betroffene ist das ohne jeden Zweifel eine traumatisierende Erfahrung. Das sind Entführungen praktisch immer. Richtig schlimm wird es aber zum Ende ihrer Gefangenschaft, als die Männer auf perfide Weise die junge Frau auch darüber hinaus zu einem Opfer machen wollen. Wenn sie erzählt, was sie über sich ergehen lassen musste, kann es einem eiskalt den Rücken hinunterlaufen. Bei Ein amerikanischer Albtraum mag es zwar nicht um Mord und Todschlag gehen wie bei einigen anderen Netflix True Crime Dokus. Seelische Wunden hat Huskins aber sicherlich von dieser Zeit davongetragen.

Was ist die meisten aber von der Serie zurückbehalten dürften, ist die Reaktion der Polizei. Denn die war der Ansicht, dass es sich bei der ganzen Geschichte offensichtlich um eine Lüge handelt und es überhaupt kein Verbrechen gab. Warum sich Denise und ihr Freund Aaron Quinn das Ganze ausdenken sollten, wird nicht gesagt. Vermutlich der Aufmerksamkeit wegen. Das große Pech der beiden war wohl, dass der Film Gone Girl – Das perfekte Opfer während der Zeit herausgekommen war, der von einer fingierten Entführung erzählte. Immer wieder wird in Ein amerikanischer Albtraum darauf Bezug genommen, so als würde das eine durch das andere erklärt werden. Ein paar Sachen mögen einem bei dem Fall seltsam erschienen haben. Dennoch wird nicht wirklich deutlich, warum die Polizei so misstrauisch war.

Grotesk und reißerisch

Das tatsächlich Schockierende: Es wurde erst gar nicht wirklich ermittelt. Zumindest ist das der Eindruck, den die Doku hinterlässt. Den die Doku auch hinterlassen will. Ein amerikanischer Albtraum betont den Skandal, will zu jeder Zeit aufzeigen, wie unglaublich das alles doch ist. Das funktioniert. Immer wieder werden solche True Crime Dokus zum Anlass, um die polizeiliche Arbeit zu kritisieren. Vergleichbar zu Victim/Suspect werden hier Opfer zu Tätern gemacht und sollen dafür bestraft werden, dass sie Verbrechen gemeldet haben. Es brauchte schon jede Menge Druck und Beweise, um bei der Polizei ein Umdenken zu bewirken. Daraus hätte man ganz grundsätzliche Fragen und Überlegungen ableiten können. Ganz so groß waren die Ambitionen aber nicht, in die Tiefe geht das nicht.

Das Publikum darf beim Anschauen ein Wechselbad der Gefühle durchmachen. Da sind Ärger und Entsetzen dabei, dazu Mitgefühl für Denise, wenn sie sich an ihr Martyrium erinnert. Manchmal wird es aber auch so grotesk, dass man fast lachen möchte. Vor allem als die tatsächlichen Entführer sich einschalten, weil es sie empört, dass ihr Verbrechen als Scherz abgetan wird, wird es schon so absurd, als handele es sich um eine Komödie. Ein amerikanischer Albtraum hat also schon einiges zu bieten, wofür sich das Einschalten lohnt. Man darf sich aber nicht an der tendenziell reißerischen Art stören, die auch gern mal etwas voyeuristisch wird.

Credits

OT: „American Nightmare“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Felicity Morris, Bernadette Higgins
Drehbuch: Felicity Morris, Bernadette Higgins
Musik: Jessica Jones
Kamera: Stefano Ferrari

Bilder

Trailer

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Ein amerikanischer Albtraum
fazit
„Ein amerikanischer Albtraum“ erzählt von einem Entführungsfall, der noch groteske Folgen nach sich zog. Die True Crime Dokuserie hat dabei einiges zu bieten, wofür es sich einzuschalten lohnt. Man darf aber nicht erwarten, dass die angesprochenen Themen vertieft würden. Das hier ist schon eher reißerisch gehalten.
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