Kritik

Self Made Das Leben von Madam C J Walker Netflix

„Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker“ // Deutschland-Start: 20. März 2020 (Netflix)

Lange genug hat sie Wäsche für andere Leute gewaschen, für Sarah Breedlove (Octavia Spencer) steht fest: Sie will etwas eigenes auf die Beine stellen! Eigentlich wäre sie gern mit Addie Munroe (Carmen Ejogo) eine Partnerschaft eingegangen, als Verkäuferin ihrer Haarprodukte. Als die jedoch unmissverständlich klar macht, dass sie und nur sie allein der Boss ist, heißt es für Walker Abschied nehmen. Anstatt sich weiterhin von anderen abhängig zu machen, träumt sie davon, eigene Fabriken zu öffnen, ein ganzes Haarpflegeimperium zu gründen und allen schwarzen Frauen zu helfen! Das wiederum will Addie nicht so ohne weiteres zulassen. Aber auch privat kriselt es: Je erfolgreicher die Unternehmerin wird, umso mehr fühlt sich ihr Ehemann Charles (Blair Underwood) vernachlässigt und im Stich gelassen …

Frauen, die sich ein eigenes Unternehmen aufbauen und Millionärin werden, das hat nach wie vor Seltenheitswert. Umso erstaunlicher war der Erfolg von Madam C. J. Walker, geboren Sarah Breedlove. Nicht allein, dass ihr das Kunststück vor über hundert Jahren schon gelang. Sie war zudem Afroamerikanerin, sogar das Kind ehemaliger Sklaven. Ihr Wunsch, anderen schwarzen Frauen mittels diverser Haarprodukte zu Schönheit zu verhelfen, stieß auf jede Menge Gegenliebe. Ihre Zielgruppe, erstmals frei und selbstbestimmt – im Rahmen der damaligen Verhältnisse zumindest – nutzte die Gelegenheit beim Schopf und gab reichlich Geld dafür aus, als Zeichen der Selbstbestimmung.

Ein historisches Beispiel und aktuelles Vorbild
Inzwischen dürfte der Name nur noch wenigen etwas sagen, das von ihr gegründete Unternehmen schloss vor bald 40 Jahren schon seine Pforten. Und doch ist die Netflix-Miniserie Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker nicht allein ein Blick in die Vergangenheit. In Zeiten, in denen Frauen noch immer für ihre Gleichberechtigung kämpfen müssen und der Rassismus gegenüber Schwarzen ungehindert weiter wuchert, ist das historische Beispiel von einer unbestreitbaren Leuchtkraft. Ein inspirierendes Vorbild, das sich der eigenen Bedeutung auch ohne Zweifel bewusst ist, weshalb es immer wieder betont motivierende Reden gibt, die weniger den Figuren als vielmehr den Menschen da draußen vor den Bildschirmen gewidmet sind.

Subtil ist das Ganze natürlich nicht. Auch an anderen Stellen tut man sich in der Hinsicht manchmal etwas schwer oder hat schlichtweg kein Interesse. Dass Addie Munroe als eindeutige Antagonistin hingestellt – anders als deren reales Vorbild Annie Malone –, ist zum Beispiel nicht ganz so glücklich. Denn ihre Situation ist noch einmal spannender als die der Titelfigur: Als Mischling ist sie dem Rassismus der Weißen ausgesetzt, gilt aber auch bei den Schwarzen als Außenseiterin. Angesprochen wird das zwar, Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker gibt sich aber wenig Mühe, das auszuarbeiten. Auch Walkers Vernachlässigung ihrer eigenen Familie wird immer mal wieder relativiert, so als würde man sich nicht trauen, aus der Heldin eine ambivalente Figur zu machen.

Viele Themen, wenig Tiefgang
Spannend sind die Themen aber trotz Vereinfachungen und Umschreibungen. Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker spricht unter anderem den Bereich der kulturellen Identität an, macht ähnlich zum Film Alte Zöpfe Haare zu einem Symbol der Selbstbestimmung, auch das Verhältnis der Geschlechter wird angesprochen. Wenn Charles empört ist, dass seine Frau nicht mehr für ihn kocht, oder Sarah sich anhören muss, dass schwarze Frauen nicht mehr als schwarze Männer verdienen dürfen, dann bekommt die Miniserie eine kaum zu übersehende feministische Note. Am Ende der Reise ist sogar noch ein bisschen Platz, um der LGBT-Community etwas Entgegenkommen zu zeigen, so von einer Minderheit zu einer anderen.

Außerdem ist da ja noch Octavia Spencer. Die durch diverse Nebenrollen bekannt gewordene Schauspielerin durfte letztes Jahr schon im Thriller Ma – Sie sieht alles zeigen, dass sie problemlos Mittelpunkt einer Geschichte sein kann. Das beweist sie hier erneut, sowohl in den Wohlfühlmomenten wie auch in den ernsteren Szenen, mit einer ungeheuren Energie und Kraft kämpft sie sich durch die Geschichte. Die Kehrseite der Medaille: Neben ihrer Präsenz kann kaum jemand bestehen, allenfalls Carmen Ejogo kann als verschlagene Gegenspielerin zum Teil dagegen anspielen. Da auch die Ausstattung des historischen Setting einiges fürs Auge bietet, Kostüme und Frisuren sowieso, vergehen die knapp drei Stunden von Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker ausgesprochen schnell.

Credits

OT: „Self Made: Inspired by the Life of Madam C. J. Walker“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Kasi Lemmons, DeMane Davis
Drehbuch: Nicole Jefferson Asher, Janine Sherman Barrois, Elle Johnson
Vorlage: A’Lelia Bundles
Musik: Larry Goldings
Kamera: Kira Kelly
Besetzung: Octavia Spencer, Tiffany Haddish, Carmen Ejogo, Blair Underwood, Garrett Morris, Kevin Carroll

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Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker
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Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker
„Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker“ erzählt die Geschichte einer Afroamerikanerin, die vor über hundert Jahren mit Haarpflegemitteln speziell für schwarze Frauen zur Millionärin wurde. Die Miniserie hat dabei einiges zu gesellschaftlich relevanten Themen zu sagen, darunter Rassismus und Geschlechtergerechtigkeit, auch wenn das nicht unbedingt immer subtil ist, an manchen Stellen der Tiefgang fehlt.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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