Der Ursprung der Welt L’origine du monde
© Laurent Champoussin

Der Ursprung der Welt

Inhalt / Kritik

Der Ursprung der Welt L’origine du monde
„Der Ursprung der Welt“ // Deutschland-Start: 11. Januar 2022 (Netflix)

Es ist ein ziemlicher Schock für Jean-Louis (Laurent Lafitte), als er eines Tages feststellt, dass sein Herz zu schlagen aufgehört hat. Eigentlich müsste er also tot sein. Und doch fühlt er sich gut, zumindest nicht schlechter als sonst. Sein bester Freund Michel (Vincent Macaigne) kann ihm da auch nicht weiterhelfen, seine Kenntnisse als Tierarzt reichen für das Phänomen nicht aus. Jean-Louis’ Frau Valérie (Karin Viard) beschließt daraufhin, ihren Gatten mit zu ihrer Lebensberaterin Margaux (Nicole Garcia) zu schleppen. Die weiß immer Rat. Tatsächlich hat sie eine Idee, was hinter dem Ganzen stecken könnte. Doch dafür muss sich der Herzlose endlich jemandem stellen, der ihn sein Leben lang verfolgt: seine Mutter (Hélène Vincent) …

Ein komisches Debüt

Als Schauspieler hat Laurent Lafitte so manches erreicht. Er war Mitglied der prestigeträchtigen Comédie Française, spielte in dem provokanten Thrillerdrama Elle ebenso wie in dem Kassenschlager Mama gegen Papa. Aber wie das so ist, wenn die schauspielerische Laufbahn schon eine ganze Weile erfolgreich ist, man liebäugelt mit einem Wechsel auf den Regiestuhl. Und so versuchte er sich bei der Komödie Der Ursprung der Welt das erste Mal an der Aufgabe, einem Film auch zu inszenieren. Ursprünglich hätte das Debüt schon 2020 bei den Filmfestspielen von Cannes gezeigt werden sollen. Stattdessen verschob es sich mehrfach, kam dann im September 2021 in die französischen Kinos. Bei uns wurden die Lichtspielhäuser gleich ganz übersprungen, stattdessen landete der Film bei Netflix.

So richtig großes Potenzial sah man beim Streamingdienst aber wohl nicht. Zumindest nicht genug, um den Film auch synchronisieren zu lassen, wie es zumindest bei französischen Titeln fast immer üblich ist. An der Qualität des Films liegt das jedoch nicht unbedingt. Tatsächlich ist Der Ursprung der Welt deutlich besser als viele selbsternannte Komödien, die Netflix immer wieder aufs Publikum loslässt und bei denen man sich im Anschluss fragt, wo genau das jetzt gerade komisch gewesen sein soll. Das ist hier anders. Komische Szenen gibt es zuhauf, allerdings im doppelten Sinn des Wortes. Da sind Momente dabei, die tatsächlich witzig sind. Andere sind dafür einfach nur eigenartig. Als wäre das Szenario nicht schon seltsam genug, kommen danach noch diverse andere Einfälle, die einen verblüffen.

Ein Theater um die Mutterliebe

Ausgedacht hat sich dieser Lafittes Landmann Sébastien Thiéry. Den kennt man hierzulande eigentlich ebenfalls eher als Schauspieler, beispielsweise in Nicht ohne Eltern. Er schreibt aber auch ganz gern, gerade Theaterstücke. Auf einem solchen basiert Der Ursprung der Welt dann auch. 2013 wurde die Geschichte um einen herzlosen Mann, der auf der Suche nach einer Erklärung für sein besonderes Leiden ist, erstmals aufgeführt. Dass der Film seinen Ursprung auf der Bühne hatte, merkt man ihm durchaus an. So gibt es hier nur wenige Figuren. Auch die Zahl der Schauplätze ist recht gering, vieles spielt sich in der Wohnung des Paares ab. Richtig viel Handlung ist auch nicht drin. Stattdessen wird umso mehr geredet, manchmal auch gestritten. Wie das so ist, wenn man kein Herz, dafür aber ein schwieriges Verhältnis zur Ehefrau und der Mutter hat.

Das erinnert natürlich an den deutschen Kultfilm Ödipussi, gerade auch bei den jeweiligen Traumszenen rund um die störende Mama. Anders als Loriot, der den Film aber in erster Linie nutzte, um anderthalb Stunden lang einen Sketch an den anderen zu reihen, viele völlig ohne Zusammenhang, da ist Lafitte konzentrierter. Es gibt hier tatsächlich eine Entwicklung und eine Geschichte, selbst wenn diese nicht immer sonderlich viel Sinn ergibt. Aber darin liegt eben auch der Unterhaltungswert von Der Ursprung der Welt: Der Film erfreut sich am absurden und findet für ein bizarres Problem eine noch bizarrere Lösung. Über die darf man viel nachdenken und diskutieren, gerade unter einem psychologisch-symbolischen Blickwinkel. Alternativ kann man sich aber auch zurücklehnen und den immer stärker werdenden Wahnsinn genießen. Gerade zum Schluss hin überschlägt sich das hier alles auf verblüffende Weise, wenn die Suche nach einer Heilung Wahrheiten hervorbringt, nach denen nichts mehr so ist, wie es mal war.

Credits

OT: „L’origine du monde“
IT: „The Origin of the World“
Land: Frankreich
Jahr: 2021
Regie: Laurent Lafitte
Drehbuch: Chloé Rudolf
Vorlage: Sébastien Thiéry
Kamera: Axel Cosnefroy
Besetzung: Laurent Lafitte, Karin Viard, Vincent Macaigne, Hélène Vincent, Nicole Garcia

Bilder

Trailer

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In „Der Ursprung der Welt“ stellt ein Mann eines Tages fest, dass sein Herz nicht mehr schlägt. Die Lösung für das Phänomen soll in dem problematischen Verhältnis zur Mutter liegen. Die Adaption eines Theaterstücks beginnt mit einem seltsamen Szenario und wird mit der Zeit immer absurder. Das lädt zum Diskutieren ein. Man kann sich aber auch einfach an der zunehmend eskalierenden Situation erfreuen.
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