Sabrina Netflix

„Sabrina“ // Deutschland-Start: 20. November 2018 (Netflix)

So früh schon die eigenen Eltern zu verlieren, das ist hart. Zwar findet Vanya (Richelle Georgette Skornicki) bei Tante Maira (Luna Maya) und Onkel Aiden (Christian Sugiono) ein liebevolles Zuhause. Doch das ändert nichts daran, dass sie ihre Mutter so wahnsinnig vermisst. Nicht einmal ihre heiß geliebte Puppe Sabrina, die sie von Aiden bekommen hat, kann daran etwas ändern. Und so lässt sie sich nur allzu gern davon überzeugen, eine Partie Charlie Charlie zu spielen, mit dem der Kontakt zu Verstorbenen hergestellt werden kann. Das gelingt ihr auch ganz gut, plötzlich kann sie ihre geliebte Mama wiedersehen! Doch das ist nicht das einzige, was sie sieht: Immer wieder kommt es im Haus zu seltsamen Vorkommnissen.

Und weiter geht’s mit der indonesischen Horrorflut auf Netflix. Erst durften wir dank Das dritte Auge einen Blick in die Zwischenwelt bekommen, bekamen es im Anschluss in Kuntilanak mit einem mythischen Wesen zu tun, bevor in Der Teufel soll dich holen ein dämonischer Pakt eine Familie ins Unglück stürzt. Nun steht mit Sabrina bereits der vierte Schocker in wenigen Wochen an, der aus dem fernöstlichen Inselstaat kommt. Und erneut sind die schockierenden Elemente nicht die regelmäßigen Jump Scares. Vielmehr verstört das Spin-off der Reihe The Doll durch seine atemberaubend miese Qualität.

Aus zwei macht eins
Zunächst konnte sich Rocky Soraya, der hier Regie führte und der mit der Geschichte für den Film ankam, nicht so recht entscheiden, was er drehen wollte. Nimmt er das beliebte Prinzip, dass jemand spielerisch Dämonen beschwört, die er anschließend nicht wieder los wird, wie es beispielsweise Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel und Verónica – Spiel mit dem Teufel getan haben? Oder soll er sich lieber an dem erfolgreichen Puppenhorror von Annabelle orientieren? Die Antwort: sowohl als auch. Er wärmt einfach beides auf, schmeißt die Zutaten zusammen, ohne sich dafür zu interessieren, wie er die zwei Bestandteile sinnvoll kombinieren kann. Wird schon irgendwie funktionieren. So die Annahme.

Tut es aber nicht. Wo die Puppe bei der Konkurrenz integral für die Geschichte ist, liegt Sabrina meistens nur in der Gegend herum, darf manchmal die Augen bewegen oder an einem anderen Ort auftauchen als zuletzt gesehen, wird eine ganze Weile auch komplett vom Drehbuchteam vergessen. Man hätte sie sogar komplett weglassen können, ohne dass es einen nennenswerten Unterschied gemacht hätte. Es ist nicht einmal so, dass sie tatsächlich furchterregend wäre. War der bloße Anblick von Annabelle bereits Stoff für Albträume, ist die unfassbar hässliche Kollegin hier mit ihren riesigen Augen eher Anlass für schallendes Gelächter.

Ich weiß, was du tun wirst
Das gilt aber auch für andere „Einfälle“. Wie schon in Das dritte Auge lässt Soraya bei nahezu jedem Erscheinen dämonischer Heimsuchungen pünktlich ein Gewitter losbrechen. Ein Gewitter, das immer dann vorbei ist, wenn auch der Spuk vorbei ist, so als wollten die Wettergötter selbst ein bisschen mitspielen. Das ist ebenso wenig subtil wie die dramatische Musik, die schon im Vorfeld jegliche Chancen auf Spannung zunichtemacht. Denn hier geschieht nichts, das sich nicht frühzeitig ankündigt, Überraschungen sind nicht vorgesehen – von einem letztendlich folgenlosen Twist mal abgesehen.

Positive Merkmal müssen hier dann auch mit der Lupe gesucht werden. Das Haus der Familie ist beispielsweise ganz schön. Es gibt gegen Ende ein paar nette visuelle Spielereien. Der Einsatz einer Geisterapp auf dem prominent in die Kamera gehaltenen iPad ist zumindest kurios. Am ehesten hat man hier noch seinen Spaß, wenn man sich an den vielen unfreiwillig komischen Szenen erfreuen kann, an den grotesken Masken, mit denen die Dämonen zurechtgemacht wurden, am genretypisch dämlichen Verhalten der Protagonisten. Ansonsten droht entweder Langeweile oder Verärgerung. Wirklich furchterregend an dem billig zusammengeklauten Sabrina ist nur die Aussicht, dass Netflix noch mehr Indonesien-Importe geplant haben könnte. Dass es mit diesem Quartett des Grauens noch nicht getan ist.

Sabrina
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Sabrina
Man nehme beliebte spielerische Dämonenbeschwörungen und kombiniert diese mit Puppenhorror. Das Ergebnis: ein furchtbares Beispiel für billig zusammengemischte Genrekost aus Indonesien. Die Geschichte ist langweilig, die Jump Scares plump, die Puppe meistens unwichtig und zudem lächerlich designt. Wer Glück hat, kann über diesen Trash lachen. Der Rest sollte seine Zeit für etwas anderes nutzen.
2von 10

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