Kritik

Dash and Lily Netflix

„Dash & Lily“ // Deutschland-Start: 10. November 2020 (Netflix)

So richtig viel gemeinsam haben Dash (Austin Abrams) und Lily (Midori Francis) eigentlich nicht. Während er ein einzelgängerischer Zyniker ist, der keine großen Erwartungen an die Welt hat, ist sie ein unverbesserlicher Weihnachtsjunkie und Träumerin. Eine Gemeinsamkeit gibt es aber schon: ein rotes Notizbuch in einem Buchladen. In diesen halten die zwei Hinweise fest, wer sie sind, und stellen sich gegenseitig kleine Aufgaben, die sie zu erfüllen haben. Nach und nach kommen sie sich auf diese Weise näher, sind fest davon überzeugt, Seelenpartner zu sein – obwohl sie sich noch nie begegnet sind. Doch dieses Spiel hat auch seine Grenzen, wie sie bald feststellen müssen, denn das Leben da draußen ist deutlich komplizierter als das, was sie in dem Buch ausleben …

Weihnachten kommt mit großen Schritten näher. Und auch wenn keiner so genau sagen, wie das Fest der Liebe in dem Jahr der forcierten sozialen Distanz aussehen wird, so gibt es doch zumindest auf dem Fernseher passende Titel, die fest in der Tradition vergangener Weihnachten sind. Netflix ist in der Hinsicht besonders fleißig, beginnt immer schon Anfang November mit der Bescherung. Die ersten beiden Beiträge dieses Jahr, die romantischen Komödien Holidate und Alles Gute kommt von oben, waren jedoch nur wenig beglückend. Abgesehen davon, dass die Festtagsthematik dort ziemlich übergestülpt war, fehlte es an echten Gefühlen. Vom Unterhaltungsfaktor ganz zu schweigen.

Alles wie früher mal
Da ist der dritte Anlauf, die Serie Dash & Lily, schon eine massive Steigerung. Dabei hat sich im Grunde gar nicht viel getan. Erneut geht es um zwei Menschen, die scheinbar völlig gegensätzlich sind und im Laufe der Feiertage zueinander finden. Zumindest im Hinblick auf die Liebesgeschichte ist die Adaption einer Romanreihe von David Levithan und Rachel Cohn daher alles andere als ambitioniert. Es gibt die üblichen Hindernisse und Missverständnisse, zwischendurch auch dramatische Zuspitzungen, die bei einer solchen Romanze irgendwie immer auftreten. Das Ergebnis ist eine streng genormte RomCom, die zum Ende hin auch kein Problem damit hat, den richtig großen Kitsch auszupacken.

Dash & Lily beweist aber, dass selbst innerhalb dieser inhaltlich nur mäßig spannenden Kopiermaschine Unterschiede möglich sind. Ein Punkt, welcher der Serie deutlich mehr Charakter verleiht, als es in dem Segment üblich ist, das ist diese eigentümliche Schnitzeljagd der beiden Jugendlichen. Die Vorstellung, dass im Jahr 2020 noch ganz altmodisch zwei Menschen durch anonyme Nachrichten in einem Buch  den Kontakt suchen, ist zwar keine besonders glaubwürdige. Aber es hat doch etwas wohlig Nostalgisches, verbunden mit einer süßen Schrulligkeit. Auch wenn die beiden Titelfiguren ganz andere Weltanschauungen haben und aus unterschiedlichen Kreisen kommen, sie sind auf ihre Weise beide doch irgendwie nerdige Außenseiter.

Ein sympathisches Paar
Das ist dann auch die zweite Stärke der Serie: Dash und Lily sind einfach ein sehr nettes, sympathisches Paar – selbst wenn sie keines sind. Die Art und Weise, wie sie durch New York stolpern, auf der Suche nach Hinweisen und einander, ist charmant, manchmal tatsächlich auch witzig. Und sie sind toll besetzt: Austin Abrams (Puzzle, Unsere verlorenen Herzen) und Midori Francis (Good Boys) geben ein ungemein charismatisches Duo ab, dem man einfach gern zusieht, selbst in den banalsten Momenten. Wobei zumindest manchmal auch Szenen dabei sind, die tatsächlich etwas überraschen, was meistens mit den im Notizbuch festgehaltenen Mutproben in Verbindung steht. Denn hier geht es nicht nur darum, die große Liebe zu finden, sondern über sich hinauszuwachsen. Wie immer.

Das ist dann streng genommen alles nichts Besonderes. Ein bisschen ärgerlich ist zudem, dass die Serie impliziert, dass es eine „richtige“ Art und Weise zu leben gibt. Es geht hier weniger darum, einen eigenen Weg zu finden, auch wenn das als solcher verkauft wird. Wer das alles aber gar nicht braucht, sondern lieber nur etwas Bestätigung will, sowohl in Hinblick auf Liebe und Weihnachten wie auch ganz allgemein: Dash & Lily bietet genau das. Lobenswert ist zudem, wie hier wie bei so vielen Netflix-Produktionen Diversität kein bloßes Lippenbekenntnis ist. Im New York der Träume findet jeder seinen Platz, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Sexualität. Man muss nur vorher den entscheidenden Hinweis gefunden haben.

Credits

OT: „Dash & Lily“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Brad Silberling, Pamela Romanowsky, Fred Savage
Drehbuch: Joe Tracz, Carol Barbee, Lauren Moon, Harry Tarre, Rachel Cohn
Vorlage: David Levithan, Rachel Cohn
Musik: Dan the Automator
Kamera: Eric Treml
Besetzung: Austin Abrams, Midori Francis, Dante Brown, Troy Iwata

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Dash & Lily – Staffel 1
In „Dash & Lily“ starten zwei Jugendliche mittels eines Notizbuches eine skurrile Schnitzeljagd durch das weihnachtliche New York. Die Liebeskomödie ist dabei recht geradlinig, zumindest was die Entwicklung der jugendlichen Romanze angeht. Doch das charismatische Paar und ein paar schrullige Einfälle tragen dazu bei, dass die Serie deutlich gelungener ist als vieles, was in diesem Segment so veröffentlicht wird.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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