Skyggen i mit øje Schatten in meinen Augen Netflix
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Schatten in meinen Augen

Skyggen i mit øje Schatten in meinen Augen Netflix
„Schatten in meinen Augen“ // Deutschland-Start: 9. März 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Dänemark, 1945: Noch immer ist das Land von den Deutschen besetzt, seit einigen Jahren schon. Doch es finden sich mehr und mehr Menschen, die dem nicht tatenlos zusehen wollen. Ein geheimer Widerstand hat sich formiert, der einen erbitterten Kampf gegen die Besatzer führt. Die wiederum reagieren mit aller Härte, wollen die Aufsässigen um jeden Preis kleinhalten. Während die Widerständler auf Hilfe durch die Alliierten hoffen, wird der Junge Henry (Bertram Bisgaard Enevoldsen) Zeuge eines schrecklichen Vorfalls, der ihn schwer traumatisiert. Seine Mutter beschließt daraufhin, ihn nach Kopenhagen zu schicken, wo ihre Schwester lebt und er in Folge viel Zeit mit seiner Cousine Rigmor (Ester Birch) und der jungen Eva (Ella Josephine Lund Nilsson) verbringt, mit denen er zur Schule geht. Währenddessen macht die Ordensschwester Teresa (Fanny Bornedal), die aufgrund des Krieges in einer Sinnkrise steckt, die Bekanntschaft des Gestapo-Offiziers Frederik (Alex Høgh Andersen) …

Die regulären Opfer des Krieges

Wie verheerend ein Krieg für die Zivilbevölkerung sein kann, wird uns die Tage durch die russische Invasion in der Ukraine wieder schmerzhaft vor Augen geführt. Da kämpfen eben nicht nur Panzer gegen Panzer, Soldaten gegen Soldaten. Die Wohnungen der unbeteiligten Menschen werden zerbombt, die Versorgung der Menschen wird immer schwieriger. Die Bilder der von den Russen zerstörten Krankenhäuser gehen durch die Medien, ebenso die der Flüchtlinge, die im restlichen Europa Schutz suchen. Dass ausgerechnet in dieser Umbruchsphase der dänische Netflix-Film Schatten in meinen Augen erscheint, ist bemerkenswert. Denn auch hier geht es maßgeblich darum, wie die einfache Bevölkerung von dem Krieg getroffen wird, darunter viele Frauen und Kinder.

Tatsächlich sehen wir gleich zu Beginn, wie Henry eine traumatische Erfahrung macht: Ein ganz gewöhnliches ziviles Auto wird von einem Flieger unter Beschuss genommen, alle darin sterben noch auf der Stelle. Der Junge ist im Anschluss so zerstört, dass er kein Wort mehr hervorbringt, oft nicht ansprechbar ist und eine Phobie entwickelt, unter freiem Himmel unterwegs zu sein. Mit dem Ausgang des Krieges hat das natürlich nichts zu tun. Es gibt auch keinen direkten Bezug zum Widerstandskampf der Dänen und Däninnen. Schatten in meinen Augen nimmt sein Schicksal aber, um exemplarisch aufzuzeigen, welche Auswirkungen der Krieg hat. Dass in dieser Zeit mehr kaputt geht als bloße Gebäude, Straßen oder Fahrzeuge, die Erfahrungen alle dauerhafte Folgen haben.

Kaleidoskop des Schreckens und des Schmerzes

Das ist grundsätzlich natürlich keine neue Erkenntnis. Aber es gelingt Regisseur und Drehbuchautor Ole Bornedal (Small Town Killers, Possession – Das Dunkle in Dir) doch ganz gut, ein Kaleidoskop des Schreckens und des Schmerzes anzulegen. Dazu verzichtet er auch darauf, eine eindeutige Hauptfigur zu etablieren. Vergleichbar zu Die Schlacht um die Schelde, einem weiteren Netflix-Film im Zweiten Weltkrieg, gibt es hier eine Reihe von Handlungssträngen, die parallel erzählt werden, und sich nur vereinzelt mal treffen. Das historische Drama will eine Mischung aus individuellen Schicksalen und allgemeiner Situation. Das macht den Einstieg etwas schwieriger, da es dauert, bis man die Figuren zuordnen kann. Es hat außerdem zur Folge, dass in Schatten in meinen Augen nicht alles wirklich bis zum Schluss auserzählt wird. Mehr als Bruchstücke sind nicht drin.

Dennoch ist der Film sehenswert, sofern man sich auf die grausamen Szenen einlassen kann. Vor allem das Ende wird bei vielen großen Eindruck hinterlassen: Bornedal erzählt hier die Geschichte einer realen Tragödie, welche viel Ambivalenz mit sich bringt. Der Versuch, das Leid der Menschen zu beseitigen, kann mitunter zu weiterem Leid führen. Collateral Damage, wie es die US-Amerikaner euphemistisch bezeichnen. Die Frage, ob es das wert ist, schwingt dabei unweigerlich mit. Ob es moralisch vertretbar ist. Schatten in meinen Augen gibt darauf keine eindeutige Antwort, verzichtet auf ein „richtig“ und ein „falsch“. Zurück bleibt die Trauer, bleibt das Entsetzen. Und ein leiser Appell, Kriege ganz zu vermeiden, da am Ende niemand wirklich gewinnen kann, selbst wenn größenwahnsinnige Despoten aus ihrem sicheren Bunker heraus dieser Ansicht sein mögen.

Credits

OT: „Skyggen i mit øje“
Land: Dänemark
Jahr: 2021
Regie: Ole Bornedal
Drehbuch: Ole Bornedal
Musik: Marco Beltrami, Buck Sanders, Ceiri Torjussen
Kamera: Lasse Frank Johannessen
Besetzung: Bertram Bisgaard Enevoldsen, Ester Birch, Ella Josephine Lund Nilsson, Malena Lucia Lodahl, Fanny Bornedal, Alex Høgh Andersen, Alban Lendorf, James Tarpey, Casper Kjær Jensen, Danica Curcic

Trailer

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Schatten in meinen Augen
Fazit
„Schatten in meinen Augen“ erzählt von einer Tragödie, die sich 1945 im besetzten Dänemark zutrug. Anstatt dieses Ereignis in den Mittelpunkt zu stellen, folgen wir jedoch einer Reihe separater Handlungsstränge, die sich nur manchmal treffen und die verdeutlichen, welche Auswirkungen der Krieg auf die einfache Bevölkerung hat. Das geht mit moralisch schwierigen Fragen und einigen harten Szenen einher, selbst wenn im Chaos einiges unerzählt bleibt.
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