Inhalt / Kritik

To All The Boys Always And Forever Netflix

„To All The Boys: Always And Forever“ // Deutschland-Start: 12. Februar 2021 (Netflix)

Die Schulzeit nähert sich ihrem Ende, das bedeutet für Lara Jean (Lana Condor) und Peter (Noah Centineo), dass es an der Zeit ist, Pläne für die Zukunft zu schmieden. Dass sie für immer zusammenbleiben wollen, das wissen sie natürlich schon. Beim Drumherum bleiben aber Unsicherheiten. Nicht nur dass es in den Familien der beiden zu einigen Veränderungen kommt. Es gilt auch die richtige Schule zu finden, damit sie nicht getrennt sein müssen. Und ausgerechnet das stellt sich als wirklich schwierig heraus. Denn kaum haben sie sich für ein gemeinsames College entschieden, funkt ihnen das Schicksal dazwischen. Und so müssen sie erneut überlegen, welche Zukunft ihre Beziehung hat …

Ein Liebesbrief mit Folgen

Von den vielen Liebesgeschichten rund um junge Menschen, die Netflix in den letzten Jahren erzählt hat, war die von Lara Jean und Peter einer der beliebtesten und charmantesten. Los ging es 2018 mit To All the Boys I’ve Loved Before, in dem alte Liebesbriefe von Lara Jean nicht ganz geplant bei ihren ursprünglichen Adressaten landeten, viele Jahre später. Das sorgte für jede Menge Chaos, führte über Umwege aber auch dazu, dass sie mit ihrem ehemaligen Schwarm Peter zusammenkam, erst nur vorgetäuscht, später wirklich. Im zweiten Teil To All the Boys: P.S. I Still Love You ging es darum, wie eine solche frische Liebe nun in den Alltag integriert werden muss, was vor allem die chronisch unsichere Protagonistin überforderte.

Nun liegt To All The Boys: Always And Forever vor, der dritte und zumindest mutmaßlich letzte Teil der Reihe. Aus den Teenagern werden langsam junge Erwachsene, die entscheiden müssen, was sie – vom gegenseitigen Anhimmeln einmal abgesehen – eigentlich mit ihrem Leben anfangen wollen. Einige der schönsten Szenen kommen dabei gleich zu Beginn, wenn die Halbkoreanerin Lara Jean im Rahmen eines Familientrips das Land ihrer Mutter besucht, das ihr nicht zuletzt aufgrund fehlender Sprachkenntnisse aber fremd ist. Das passt gut zu dem immer wiederkehrenden Thema der Selbstfindung und Identitätssuche. Zwei Filme lang geschah dies vor allem im Kontext der Liebe. Dieses Mal darf das alles etwas komplexer sein.

Es geht voran!

Das tut dem Film gut. Nachdem die Figur in To All the Boys: P.S. I Still Love You zu sehr auf der Stelle trat, hat man jetzt endlich das Gefühl, dass das Leben vorangeht und Lara Jean sich weiterentwickeln darf. Vor allem als sie ihre studentische Laufbahn und ihre Beziehung unter einen Hut bekommen muss, was sie zu einer Entscheidung zwingt, macht sie ein paar überfällige Schritte in Richtung eines selbstständigen und selbstbestimmten Lebens. Das bedeutet umgekehrt aber auch, dass Peter erneut in Richtung Nebenrolle gedrückt wird. Zwar darf er dieses Mal eine eigene kleine Geschichte haben, als sein Vater erneut in sein Leben tritt. Ansonsten ist das hier aber Lara Jeans Film.

Das muss jedoch nicht verkehrt sein. Romantik spielt natürlich noch immer eine größere Rolle, mehr sogar als beim zweiten Teil. Gerade zum Ende hin, wenn sich der Film ungeniert dem Kitsch hingibt, darf man auf klinisch reine Weise vom Glück träumen. To All The Boys: Always And Forever hält dabei die Waage zwischen Alltag und Märchen, zeigt reale Probleme auf, mit denen sich die Zielgruppe identifizieren kann, gern jedoch in idealisierter Form. Schließlich soll die Adaption von Jenny Hans Roman trotz allem aufbauend sein und das Publikum daran glauben lassen, dass am Ende alles gut werden kann, so schwierig der Weg dorthin auch manchmal erscheint.

Versöhnlicher Abschluss

Das darf man dann natürlich für die Mutlosigkeit belächeln, den Unwillen, auch tatsächlich mal ein bisschen tiefer zu gehen. Hinzu kommt: Mit einer Laufzeit von knapp zwei Stunden ist To All The Boys: Always And Forever viel zu lang, da stimmt die Relation zum Inhalt nicht. Auf Humor braucht man eh nicht zu hoffen, der Komödienteil wurde noch einmal mehr reduziert. Zum Teil macht dies der Charme von Lana Condor wieder wett, die erneut das beste Argument für den Film ist. Dann und wann wird zudem wieder deutlich, weshalb die zwei zusammen ein so einnehmendes Paar waren, welches den ersten Teil zu einem Überraschungshit machte. Dennoch, so richtig gebraucht hätte es die Fortsetzungen nicht, zumindest nicht in dem Umfang. Obwohl die Reihe immer wieder gute Ideen hatte und sich der Realität annäherte, am Ende blieb das doch alles zu schwammig.

Credits

OT: „To All The Boys: Always And Forever“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Michael Fimognari
Drehbuch: Katie Lovejoy
Vorlage: Jenny Han
Musik: Joe Wong
Kamera: Michael Fimognari
Besetzung: Lana Condor, Noah Centineo, Janel Parrish, Anna Cathcart, Ross Butler, Madeleine Arthur

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To All The Boys: Always And Forever
„To All The Boys: Always And Forever“ schließt die Reihe um zwei verliebte Jugendliche ab, nicht aber ohne noch einmal ein paar Hindernisse in den Weg zu legen. Das Paar selbst ist wie immer charmant, zudem gibt es diesmal tatsächlich eine Entwicklung. Wirklich konsequent ist die aber nicht, stattdessen will der überlange Filme im Zweifel lieber träumen anstatt nachzudenken.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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