Inhalt / Kritik

Immer für dich da Firefly Lane Netflix

„Immer für dich da – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 3. Februar 2021 (Netflix)

Als die Teenagerinnen Tully Hart (Ali Skovbye) und Kate Mularkey (Roan Curtis) sich kennenlernen, werden sie bald zu besten Freundinnen, die zusammen durch dick und dünn gehen. Trotz diverser Turbulenzen hat diese Freundschaft bis heute gehalten. Aus den Jugendlichen sind Frauen mittleren Alters geworden. Sehr viel ruhiger ist ihr Leben dadurch aber nicht geworden. Während aus Tully (jetzt: Katherine Heigl) eine erfolgreiche Talk Show Moderatorin geworden ist und eine Affäre mit dem deutlichen jüngeren Max Brody (Jon Ecker) anfängt, versucht Kate (jetzt: Sarah Chalke) nach einer längeren Auszeit wieder einen Fuß in den Journalismus zu bekommen. Einfach ist das jedoch nicht. Zum einen ist dort nur wenig Platz für Frauen in ihrem Alter. Zum anderen macht sie gerade eine Scheidung mit ihrem Mann Johnny (Ben Lawson) durch, dem Produzenten von Tullys Sendung …

Die Geschichte einer langen Freundschaft

Freundschaften aus Kindheitstagen oder dem Jugendalter haben oft eine ganz eigene Qualität. Wer das Glück hat, eine solche Freundschaft bis ins Erwachsenendasein zu retten, der findet darin oft ein Fundament, das in schwierigen Zeiten viel wert ist. Der muss einander auch nicht viel erklären, weil man gemeinsam so viel durchgestanden hat, im Positiven wie im Negativen, dass da eine Grundvertrautheit herrscht. Die Netflix-Serie Immer für dich da erzählt von eben einer solchen Freundschaft, von den Anfängen in den 1970ern als Jugendliche über erste Schritte ins Erwachsenenleben in den 80ern bis zu den Ereignissen in den 00er Jahren, quasi die Gegenwart der Geschichte.

Die Basis für Immer für dich da bildet dabei ein Roman von Kristin Hannah, den Maggie Friedman zu einer Serienfassung ausarbeitete. Das Besondere dabei ist die Erzählstruktur, die auf den drei verschiedenen Zeitebenen arbeitet. Rückblicke auf die Vergangenheit sind in Dramen über Freundschaften natürlich keine Seltenheit. Irgendwelche Flashbacks sind da immer drin. Bei Netflix ging man jedoch noch ein paar Schritte weiter. So werden die drei Handlungsstränge mehr oder weniger parallel erzählt, alle paar Minuten wird vom einen zum nächsten gesprungen. Geht es im einen Moment noch um die Schwierigkeiten bei der aktuellen Arbeitsstelle, sehen wir im nächsten, wie Tully und Kate gemeinsam zur Schule gehen.

Der willkürliche Sprung zwischen den Zeiten

Ungewöhnlich ist dabei, dass die Übergänge nur vereinzelt auch mal inhaltlich begründet sind. Während Flashbacks sonst oft zum Einsatz kommen, um ein aktuelles Ereignis weiter zu vertiefen und Grundlagen aufzuzeigen, da springt Immer für dich da oft willkürlich hin und her. Damit das Publikum trotz der Sprünge nicht den Überblick verliert, wurde an klar zu unterscheidenden Looks gearbeitet. Das bedeutet neben einem Austausch von Kleidung, Frisuren und Ausstattung – 70er, 80er und 00er sahen nun einmal anders aus – auch der Einsatz einer unterschiedlichen Beleuchtung. Letzteres war gut gemeint, um Verwirrungen zu vermeiden, führt aber dazu, dass ein Großteil der Serie sehr künstlich und gestellt aussieht. Man hat hier praktisch nie das Gefühl, Teil einer „echten“ Geschichte zu sein.

Nicht dass diese tatsächlich interessant wäre. Dann und wann ist da zwar schon etwas dabei, weshalb es sich lohnt einzuschalten, wenn es etwa darum geht aufzuzeigen, wie sehr lange zurückliegende Ereignisse einen prägen oder wie sich manche davon mehrfach wiederholen, ohne dass es einem immer bewusst ist. Auch die Frage zu Geschlechterbildern und Erwartungen an Frauen sind natürlich immer wieder ein dankbares Thema. Immer für dich da führt vor Augen, wo es in den vergangenen Jahrzehnten Fortschritte gegeben hat und wo nicht. Während beispielsweise in den 00er Jahren Frauen leichter in den Journalismus kommen als noch in den 80er Jahren, so sind manche Klischees doch geblieben – etwa dass Männer keine Sendungen sehen wollen, in denen sich Frauen unterhalten.

Für Fans von Seifenopern

Doch diese beobachteten Klischees gehen mit jeder Menge eigener einher. Im Grunde ist Immer für dich da auch nicht mehr als eine reguläre Seifenoper, inklusive düsterer Geheimnisse, heißen Affären, traurigen Schicksalsschlägen und der einen oder anderen Intrige. Bei den Figuren ist ebenfalls nicht viel zu holen, da sie entweder Stereotype oder völlig überzogen sind, die einen langweilen, die anderen nerven. Das macht nicht unbedingt Lust, so viel Zeit mit ihnen zu verbringen. Immerhin: besser als das unsägliche Virgin River ist das hier schon. Zwar führt die sprunghafte Struktur dazu, dass nicht jede Wendung Wirkung zeigt, da zu oft etwas vorweggenommen wird. Als Langzeitstudie von Menschen, deren Leben miteinander verbunden sind, ist die Serie aber akzeptabel.

Credits

OT: „Firefly Lane“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Peter O’Fallon, Anne Wheeler, Vanessa Parise, Fred Gerber, Lee Rose
Drehbuch: Maggie Friedman, Ilene Rosenzweig, Savannah Dooley, Barbara Johns, John Sacret Young, Marissa Lee, James Ford Jr.
Idee: Maggie Friedman
Vorlage: Kristin Hannah
Musik: Wendy Melvoin, Lisa Coleman
Kamera: Vincent De Paula
Besetzung: Katherine Heigl, Sarah Chalke, Ali Skovbye, Roan Curtis, Ben Lawson, Beau Garrett, Yael Yurman, Brandon Jay McLaren, Jon Ecker

Bilder

Trailer

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Immer für dich da – Staffel 1
„Immer für dich da“ folgt über drei parallel erzählte Handlungsstränge auf drei verschiedenen Zeitebenen zwei Frauen und ihrer über Jahrzehnte andauernden Freundschaft. Das ist als Langzeitstudie mit zahlreichen Querverbindungen nicht uninteressant. Die sehr künstliche Optik, die wenig fesselnden Figuren und der Hang zu Seifenoper-Klischees machen die Serie aber zu einer bestenfalls gemischten Freude.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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