Inhalt / Kritik

Malcolm and Marie Netflix

„Malcolm & Marie“ // Deutschland-Start: 5. Februar 2021 (Netflix)

Es war der große Abend von Malcolm (John David Washington), schließlich hatte sein neuer Film Premiere. Und dieses Mal ist er davon überzeugt, dass er es endlich als Regisseur geschafft hat. Doch während bei der Premiere alles glatt ging, droht zu Hause Ärger: Seine Freundin Marie (Zendaya) ist stinksauer darüber, dass er sie in seiner Dankesrede nicht erwähnt hat. Denn während für Malcolm das nur ein kleiner Fehler war im Eifer des Gefechts, ist das für sie ein Symbol für ihre Beziehung, die immer wieder von Krisen erschüttert wird. Was als Abend im Blitzlicht und mit viel Anerkennung begann, wird so zu einer schmerzhaften Auseinandersetzung und Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit …

Eine schwierige Kunst-Beziehung

Dass das Verhältnis zwischen Menschen, die Kunst schaffen, und solchen, die Kunst beurteilen, ein nicht immer ganz einfaches ist, das liegt auf der Hand. Wenn der eine sich Monate, vielleicht Jahre mit etwas beschäftigt und der andere das dann in kurzer Zeit in Luft zerreißt, dann liegt da schon ein ziemliches Ungleichgewicht vor. Umgekehrt haben Kritiker und Kritikerinnen größere Vergleichsmöglichkeiten, weil sie im Normalfall deutlich mehr Beispiele von Kunst gesehen haben, was es einfacher macht, ein Einzelstück aus Distanz zu bewerten und objektiver zu sein. So die Theorie. In der Praxis ist das aber nicht ganz so einfach, wie einem das Netflix-Drama Malcolm & Marie vor Augen führt.

Dabei sind es grundsätzlich zwei Themen, welche den Regisseur und Drehbuchautor Sam Levinson (Assassination Nation) umtreiben. Das eine betrifft eben diesen Konflikt zwischen einem Künstler und einer Journalistin, die seinen Film beurteilen soll. Der andere besteht zwischen Malcolm und Marie, die als Paar schon eine ganze Weile zusammen sind und dabei so manches Tief durchstehen mussten. Anknüpfungspunkte zwischen diesen beiden Themen gibt es dabei jedoch auch. So war Marie früher selbst Schauspielerin, gab aber im Gegensatz zu Malcolm auf. Zum anderen ist der Film im Film autobiografisch geprägt, bearbeitet also das, was die beiden zusammen erlebt haben – worüber Marie nicht ganz glücklich ist.

Zwischen Film und Liebe

Konkret bedeutet das, dass in Malcolm & Marie mehr als 100 Minuten lang über diese Themen gesprochen wird, oft mit Wut und Verachtung, mindestens aber Spott. Dann und wann verbünden sich die zwei gegen nicht anwesende Außenstehende oder kommen sich anderweitig näher. Ein Großteil besteht jedoch aus direkten Konfrontationen der beiden, bei denen sich ganz offensichtlich im Laufe der Jahre einiges angesammelt hat, über das nicht oder zu wenig gesprochen wurde. Eine solche nahezu ununterbrochene Diskussion auf engem Raum – der Film wurde Corona-gerecht in einer einzigen Wohnung ganz ohne Komparsen gedreht – steht und fällt zwangsläufig mit zwei Komponenten: der Besetzung und den Dialogen. Wenn beides zusammenkommt, ganz etwas sehr Spannendes entstehen. Andernfalls droht schnell Langeweile.

Beim ersten Punkt hat man bei Malcolm & Marie alles richtig gemacht. Zendaya (Spider-Man: Homecoming) und John David Washington (Tenet), das ist schon eine interessante Paarung von zwei Schauspieltalenten, die in letzten Jahren auf die Überholspur gewechselt sind. Es gelingt ihnen auch, den ihnen gegebenen Raum zu nutzen, bauen sich überlebensgroß auf, nur um sich dann doch wieder intim und verletzlich zu zeigen. Es ist schon beeindruckend, wie schnell sie vom einen Modus in den nächsten wechseln, ihre gesamte Bandbreite abrufen, ohne dabei ins Stolpern zu kommen. Wenn das Drama phasenweise eine sehenswerte Intensität erreicht, dann ist das in erster Linie auf die zwei zurückzuführen.

Dialoge ohne Entwicklung

Inhaltlich sieht es hingegen sehr durchwachsen aus. An Ideen und Themen mangelt es Levinson dabei eigentlich nicht. Die Frage, ob Filme von Schwarzen unpolitisch sein können, darüber darf man schon einmal nachdenken, auch ob filmische Entscheidungen tatsächlich von außen erklärt werden können – oder sollen. Auf der persönlichen Seite wiederum geht es auch um die Frage, inwiefern ein Leben als Vorlage für künstlerische Werke dienen darf und worauf eine Beziehung basiert. Das Problem ist nur: Malcolm & Marie findet keinen Weg, diese Gedanken auch natürlich zu einem Gespräch zusammenzufügen. Da wird schon mal mitten im Satz gewechselt, ohne dass ein Punkt sich aus dem anderen ergibt.

Auch die Konflikte entstehen oft aus heiterem Himmel. Während es so zu Passagen kommt, die tatsächlich spannend sind, wird es an anderen Stellen aufgrund der Willkürlichkeit und Künstlichkeit anstrengend. Es ist nicht einmal so, dass die Dialoge tatsächliche Erkenntnisgewinne mit sich bringen würden. Immer wenn man einem Punkt ist, an dem man meint, da würde jetzt der nächste Schritt folgen, wird stattdessen wieder der Zufallsgenerator angeworfen. Nun muss nicht jede Frage zwangsweise beantwortet werden. Es kommt auch im wahren Leben vor, dass Gedanken ein wenig springen. Wenn am Ende von Malcolm & Marie über viel gesprochen, aber kaum etwas erreicht wurde, dann stellt sich aber schon die Frage, was das Ganze nun gebracht haben soll. Zusammen mit der etwas offensiv auf kunstvoll gemachten Schwarzweiß-Optik und dem zeitweiligen Namedropping hat man hier das Gefühl, dass Levinson wie seine Figur unbedingt Anerkennung für seine Arbeit wollte, ohne das je zugeben zu wollen.

Credits

OT: „Malcolm & Marie“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Sam Levinson
Drehbuch: Sam Levinson
Musik: Labrinth
Kamera: Marcell Rév
Besetzung: Zendaya, John David Washington

Bilder

Trailer

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Malcolm & Marie
In „Malcolm & Marie“ kommt es nach einer Filmpremiere zu einem Streit zwischen einem Regisseur und seiner Freundin. Das Drama spricht viele interessante Themen an, sowohl künstlerischer wie persönlicher Natur, ist zudem erstklassig besetzt. Die irrlichternden Dialoge, die oft zu willkürlich, künstlich und auch ziellos sind, irritieren aber immer wieder.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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