Amandla Netflix
© Netflix

Inhalt / Kritik

Amandla Netflix
„Amandla“ // Deutschland-Start: 21. Januar 2022 (Netflix)

Gegen Ende der 1980er Jahre wachsen die Brüder Impi und Nkosana als Söhne von Bediensteten auf dem Besitz einer weißen Familie auf.  Als es eines Abends zu einem Übergriff von anderen Farmern auf ihre Eltern kommt, müssen Impi und Nkosana fliehen und sind auf sich alleine gestellt. Über die Jahre lernt Impi (Lemogang Tsipa) seine Rolle als Elternersatz für seinen jüngeren Bruder anzunehmen, hält er sich und seinen jüngeren Bruder Nkosana (Thabo Rametsi) mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Einige Jahre später heißt es für die Brüder Abschied voneinander nehmen, denn während Impi zu ihrem Onkel gehen will, hat sich Nkosana für einen Platz bei der Polizei in Johannesburg beworben.

Dort angekommen, beginnt für Nkosana die harte Ausbildung bei der Polizei und damit der Einsatz in den Townships, wo er jeden Tag mit Verbrechen, aber auch den Folgen der langjährigen Apartheid konfrontiert wird. Sein Bruder hingegen hat große Mühe, das nötige Geld aufzubringen und gerät in die Fänge des Verbrechers Shaka (Israel Matseke-Zulu), der von seinem Talent als Dieb gehört hat und ihn für seine Zwecke einbinden will.

Afrika im Blut

Während Nerina de Jager in erster Linie Karriere als Journalistin in den USA machte, wo sie mit vielen großen Namen der Filmindustrie verkehrte, liegt ihr Herz nach wie vor in ihrer Heimat Afrika, wo sie ihre Kindheit verbrachte und viele Erinnerungen, gute wie auch schlechte, mit verknüpft. Als Kind bekam sie bereits die Konflikte des Landes mit, die großen politischen Umwälzungen wie auch die gewaltsamen Auseinandersetzungen, vor denen ihre Eltern sie schützen wollten, wie sich erinnert, die sie jedoch dennoch geprägt haben. Für ihr erstes Projekt als Regisseurin griff sie auf diese Erinnerungen zurück und erzählt in Amandla, der seit Kurzem auf Netflix zu sehen ist, eine Geschichte von zwei Brüdern, deren Lebenswegen und wie diese von den politisch-sozialen Entwicklungen der späten 1980er und frühen 1990er Jahre definiert wurden.

Dass Amandla für die Regisseurin ein Herzensprojekt ist und ihr Statement, sie habe „Afrika im Blut“, nicht einfach nur reine Publicity ist, merkt man bereits nach wenigen Minuten dieses Films, der sich in grob in zwei Teile unterteilt. Während die erste Hälfte jene Episode behandelt, die noch mitten in der Apartheid spielt, spielt der zweite Teil in jener Zeit unmittelbar nach deren Abschaffung und zeigt eine tief gespaltene Gesellschaft. Die Tragödie im Leben der beiden Brüder inszeniert de Jager nicht nur als einen persönlichen und emotionalen Einschnitt, sondern im Gesamtkontext der Handlung als Metapher für all jene Erinnerung an Grausamkeit, Ungerechtigkeit und Demütigung, die man mit jener Zeit der Apartheid bis heute verknüpft, mit Wunden also, die keinesfalls verheilt sind. Durch ihre beiden Protagonisten zeigt de Jagers Drehbuch die soziale Spaltung eines Landes, welches, trotz einer neuen politischen Führung, nach wie vor seine Identität sucht und die Vergangenheit noch lange nicht überwunden hat.

Ein schweres Erbe

In den beiden Hauptrollen wissen sowohl Lemogang Tsipa wie auch Thabo Rametsi zu überzeugen. Vor allem Tsipa vollbringt eine Gratwanderung, wenn er einen Menschen zeigt, der nicht nur schnell erwachsen werden und Verantwortung übernehmen musste, sondern der in seiner Beweggründen für den Zuschauer authentisch bleibt. Ihre Szenen zusammen markieren immer einen Perspektivwechsel für ihre Gegenüber, forcieren sie doch ihren Bruder, und damit auch den Zuschauer, Verständnis für ihre Lage aufzubringen, was nicht immer einfach ist. Hier zeigt sich der figurenzentrierte Ansatz der Geschichte, der von einem Einzelschicksal ausgehend auf einen viel größeren Kontext hinauswill.

Ästhetisch folgt Amandla einem realistischen Ansatz, wie man ihn beispielsweise von Gavin Hoods thematisch ähnlich angelegtem Drama Tsotsi (2005) kennt. Düster sind die Bilder von Kameramann Justus de Jager und unterstreichen die Hoffnungslosigkeit des Townships, in dem sich die Mehrheit des Filmes abspielt, zugleich aber auch den Kontrast zu den hellen Bildern der Kindheit, welche man am Anfang noch sah.

Inhalt / Kritik

OT: „Amandla“
Land: Südafrika, Kanada
Jahr: 2022
Regie: Nerina de Jager
Drehbuch: Nerina de Jager
Musik: Mauritz Lotz
Kamera: Justus de Jager
Besetzung: Lemogang Tsipa, Thabo Rametsi, Israel Matseke-Zulu, Marnitz van Deventer, Liza van Deventer, Paballo Koza

Trailer

Weitere Netflix Titel

Ihr seid mit Amandla schon durch und braucht Nachschub? Dann haben wir vielleicht etwas für euch. In unserem Netflix-Themenbereich sind alle Original-Produktionen gelistet, unterteilt nach Spielfilm, Serie, Doku und Comedy. Unten findet ihr alle Netflix-Titel, die wir auf unserer Seite besprochen haben.

A
D
S
T

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

"Amandla" ist eine Mischung aus Krimi und Drama vor dem Hintergrund von Südafrika in und unmittelbar nach der Apartheid. Nerina de Jager gelingt ein authentisch und emotional packender Film, der vor allem von seinen Darstellern lebt, die das moralische Dilemma ihrer Figuren in den Fokus rücken.
Leserwertung0 Bewertungen
0
8
von 10