Dschinn Jinn Netflix

„Dschinn – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 13. Juni 2019 (Netflix)

Es war ein Schulausflug wie jeder andere auch, zumindest am Anfang. Wie immer haben die Jugendlichen nur wenig Interesse daran, was ihre Lehrerin da zu erzählen hat, auch wenn die antike Stadt Petra eine lange Vorgeschichte hat. Stattdessen sind sie mit sich selbst beschäftigt, dem Mobben von Mitschüler Yassin (Sultan Alkhail) zum Beispiel. Doch dann geschieht eine Tragödie und einer von ihnen stürzt in den Tod. War es ein schrecklicher Unfall? Oder hat doch jemand da etwas nachgeholfen? Während die anderen geschockt sind über den Vorfall, steht für Hassan (Zaid Zoubi) fest: Da hatte ein Dschinn seine Finger im Spiel!

Die Ankündigungslisten von Netflix durchzuarbeiten, hat immer ein bisschen was von Bingo. Man wartet nur darauf, dass bestimmte Genres oder Herkunftsländer aufgerufen werden, um sie endlich abhaken zu können. Mit Dschinn wird dann auch tatsächlich eine Lücke geschlossen, von der viele nicht einmal gemerkt haben dürften, dass sie eine Lücke ist: Die Serie ist die erste arabische Produktion des Streamingdienstes. Dafür reisen wir nach Jordanien und dürfen zudem in die arabische bzw. islamische Mythologie eintauchen, wenn zwei Dschinns kräftig in die Welt der Menschen eingreifen – auch wenn das zuerst kaum einer merkt.

Ein Geist mit Vorgeschichte
Beispiele für Dschinns gab es natürlich schon immer mal wieder im Kino und im Fernsehen. Das Live-Action-Remake Aladdin ist gerade sehr gefragt, die TV-Sitcom Bezaubernde Jeannie ist ein Klassiker, vor einigen Jahren war auch der im Iran spielende Horrorfilm Under the Shadow zumindest bei Kritikern ein großer Hit. Dschinn nimmt sich jedoch keinen der naheliegenden Titel zum Vorbild, sondern versucht, eine ganz eigene Fassung der Geistwesen zu entwerfen. Gewissermaßen. Denn auch wenn die Netflix-Serie wenig mit den obigen Titeln gemeinsam hat, wirklich originell ist sie nicht.

Die Mythologie der Dschinns tritt beispielsweise immer wieder in den Hintergrund. Stattdessen kümmert sich Dschinn lieber um die Figuren und bastelt ein Teenie-Drama daraus. Ein Teenie-Drama, das im Internet nicht unbedingt wohlwollend aufgenommen wurde. Zu amerikanisiert soll das Ganze sein. Jugendliche, die im Bus herumknutschen, das völlige Fehlen von verschleierten Frauen, das sei nicht unbedingt der jordanische Alltag. Gut möglich, dass man hier dann doch eher das westliche Publikum im Auge hatte und ihm etwas Bekanntes bieten wollte. So bekannt, dass man zwischendurch überhaupt nicht mehr bemerkt, dass man in der arabischen Kultur unterwegs ist.

Alles schon mal gesehen
Ähnlich zur indischen Produktion Ghul im letzten Jahr ist Dschinn dann auch in erster Linie eine verpasste Chance für Netflix, im zur Gleichförmigkeit neigenden Angebot eigene Akzente zu setzen. Etwas tatsächlich Ungewohntes zu schaffen, das aus der Masse hervorsticht. Das hatte man hier aber gar nicht vor. Es dominieren die üblichen Teenie-Geschichten, wenn die Jugendlichen beispielsweise darüber streiten, wer nun mit wem zusammen sein darf, während drumherum immer mehr von ihnen verschwinden. Das erinnert an die vielen Teenie-Horror-Filme, etwa Wahrheit oder Pflicht. Nur dass der Horror hier sehr gering ist. Eigentlich ist die Serie eher ein Drama mit ein bisschen Fantasy oben drauf.

Die Auftritte der Dschinn beschränken sich beispielsweise zum Großteil darauf, dass Jugendliche durch die Gegend geschubst werden oder sich auflösen. Beides sieht nicht sehr spektakulär aus, da hätte Netflix sicher ein bisschen mehr investieren dürfen. Andererseits scheint wohl niemand in dem US-Unternehmen an einen größeren Erfolg zu glauben: In Deutschland müssen wir mal wieder auf eine Synchronisation verzichten, die englische ist ein schlechter Scherz. Die Originalfassung ist da schon stimmungsvoller. Aber auch in der Version ist Dschinn eher langweilig, wenn weder der Drama- noch der Fantasy-Part nennenswerte Ergebnisse mit sich bringen. Die Serie ist sicher nicht so vermurkst, wie eine Reihe von Online-Kommentaren glauben machen wollen. Sie ist nur völlig überflüssig, was angesichts des Settings und der teilweise schönen Aufnahmen Jordaniens schon sehr bedauerlich ist.



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Dschinn – Staffel 1
3.95 (78.98%) 59 Artikel bewerten

Dschinn – Staffel 1
Eine arabische Serie über Jugendliche, die von Dschinns besessen werden? Das hört sich doch vielversprechend an. Umso enttäuschender ist, was „Dschinn“ daraus gemacht hat. Die Fantasy-Elemente sind überschaubar, Horror gibt es ohnehin fast nicht. Stattdessen ist die in Jordanien spielende Geschichte ein austauschbares Teenie-Drama, das viel zu wenig aus der interessanten Mythologie und den schönen Bildern herausholt.
4von 10

2 Responses

  1. Denise Richter

    Bin jetzt nicht so d’accord mit deiner Rezension. Natürlich spielt das Ganze in Jordanien (neben „Justice“ – Abu Dhabi – aber schon die zweite arabischsprachige Produktion und auf die deutschsprachige Synchronisation kann man eigentlich getrost verzichten, die Untertitel reichen vollauf 😉 ) Finde es auch in Ordnung, dass man – entgegen „Justice“ – nicht so ganz tief in die arabische Mentaltät eintauchen musste, zumal ich mir jetzt vorstellen kann, dass in der jordanischen Hauptstadt die Uhren auch für Teenager doch schon anders ticken. Oder stellen sich hiesig lebende Menschen das so anders vor?

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  2. Max

    Als jemand der 2 Jahre in Jordanien gelebt hat muss ich sagen, dass die Serie die Jugend bzw. das Leben in Amman schon sehr unrealistisch bzw. westlich darstellt.
    Jordanien ist ein sehr offenes Land und herzliches Land besonders im vergleich zu anderen Staaten aber dennoch islamisch geprägt. Küssen im Schulbus? Undenkbar! Mit einer Bierflasche in der Hand durch die Öffentlichkeit laufen? Wird man nie sehen. Nachts in Petra fummeln?
    Die Leute in Jordanien beschweren sich gar nicht so sehr darüber, dass diese Szenen gezeigt werden, sondern darüber dass sie nicht die Realität abbilden und ein stark verzeichnetes Bild des Lebens in Jordanien zeigen.

    Ich hatte sehr viel Hoffnung in die Serie, Die Bilder und Aufnahmen sind auch super, aber die Story ist doch sehr flach und man hätte die Story ruhig ein bisschen länger und ausführlicher Erzählen können. Und wie auch oben beschrieben: Man hatte die Chance etwas zu machen was heraussticht aus der Masse, stattdessen eher typische Teeniekost.

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