
Der Schock ist groß, als am 21. Dezember 1988 über der schottischen Kleinstadt Lockerbie der Pan Am Flug 103 explodiert. Alle 259 Menschen an Bord des Flugzeugs werden dabei getötet, dazu noch einige am Boden. Was zunächst wie ein Unglück wirkt, stellt sich bald als terroristischer Anschlag heraus. Doch wer steckt dahinter? Und was sollte damit bezweckt werden? Das versucht der schottische Ermittler DS Ed McCusker (Connor Swindells) herauszufinden. Aber auch FBI Special Agent Dick Marquise (Patrick J. Adams) geht der Sache nach, da ein Großteil der Opfer US-amerikanischer Staatsbürgerschaft waren. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Nationen gestaltet sich schwierig, etwa weil Informationen zurückgehalten werden. Währenddessen werden die Ungeduld und die Wut der Angehörigen immer größer …
Erinnerung an einen terroristischen Anschlag
Reale Verbrechen finden bei Netflix immer eine Heimat, Filme und Serien aus dem True-Crime-Segment kommen andauernd heraus. Besonders zahlreich sind die Dokumentationen vertreten. Zuletzt war da The Idaho Murders: Ein College-Albtraum über den brutalen Vierfachmord an Studierenden. Davor stand A Toxic Love Story über ein Paar an, das von einer Ex-Freundin heimgesucht wird. Dann und wann gibt es aber auch Beiträge, in denen ein richtiges Ensemble zu sehen ist. Neuestes Beispiel hierfür ist The Bombing of Pan Am 103. Wobei das mit dem „neu“ so eine Sache ist. Denn daheim war die britische Serie bereits vor über einem Jahr bei der BBC zu sehen, erst mit deutlichem zeitlichem Abstand bedient Netflix ein internationales Publikum damit.
Die Geschichte selbst ist natürlich ebenfalls alles andere als neu. Und unbekannt würde sie wohl auch niemand nennen, schließlich handelte es sich bei der Katastrophe von Lockerbie um den größten terroristischen Anschlag auf die USA, bevor der 11. September 2001 dem noch eins draufsetzte. Entsprechend oft und umfangreich wurde über das Thema daher bereits gesprochen. Neben diversen Dokumentarfilmen war da 2025 mit Lockerbie: A Search for Truth noch eine weitere britische Serie, welche das Geschehen rekonstruierte. Dass The Bombing of Pan Am 103 gleichzeitig entstanden ist, war da schlechtes Timing. Ob die starke Verspätung außerhalb des Vereinigten Königreichs damit zusammenhängt, ist nicht bekannt. So oder so darf man sich fragen, ob es die Serie unbedingt gebraucht hätte, eben weil schon öfters darüber gesprochen wurde. Neue Erkenntnisse gibt es hier nicht, da ist nichts dabei, das man nicht von anderen Quellen wissen kann.
Vor allem ein figurenbezogenes Drama
Die Serie richtet sich auch weniger an True-Crime-Fans. Zwar gibt es schon Ermittlungen, wer denn die Anschläge verübt hat. Aber man erfährt wenig über die Täter, über die Tat auch nicht so wirklich. Dass da jemand eine Bombe an Bord geschmuggelt hat, wird früh verraten. Dass irgendwie der lybische Geheimdienst dahintersteckt, ist auch klar. Danach kommen noch ein paar Details dazu. Man merkt aber schnell, dass es bei The Bombing of Pan Am 103 nicht wirklich darum geht. Stattdessen stehen die Figuren im Mittelpunkt. Da sind zum einen die Ermittler und wie diese versuchen, in dem Chaos die Wahrheit zu finden. Und da sind die Angehörigen, die jahrelang darum kämpfen müssen, bis sie mal miteinbezogen werden und selbst Antworten erhalten.
Die Serie ist daher primär ein Drama und erinnert ein wenig an Flug ohne Rückkehr, wo ebenfalls eine Angehörige – dort war es eine Mutter – wissen will, wie es zu einer Flugkatastrophe kommen konnte. Als solches ist The Bombing of Pan Am 103 durchaus sehenswert. Da sind immer wieder Momente dabei, die einem zu Herzen gehen können, ohne dass es dabei kitschig oder manipulativ würde. Tatsächlich könnte manchen das auch zu spröde und ereignislos sein, wenn wir sechs Folgen lang überwiegend Leute sehen, die miteinander sprechen, ohne dass viel dabei herauskommt. Aber es wird eben auch deutlich, wie komplex die Geschichte war und wie schwierig, zwischen den verschiedenen Ländern, Interessen und Gruppierungen zu vermitteln.
OT: „The Bombing of Pan Am 103“
Land: UK
Jahr: 2025
Regie: Michael Keillor
Drehbuch: Jonathan Lee, Gillian Roger Park
Idee: Jonathan Lee
Musik: Pernilla Andersson
Kamera: John Christian Rosenlund
Besetzung: Connor Swindells, Patrick J. Adams, Tony Curran, Eddie Marsan, Merritt Wever, Phyllis Logan, Lauren Lyle, Nicholas Gleaves, James Harkness, Peter Mullan
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