Kritik

Locke and Key Netflix

„Locke & Key“ // Deutschland-Start: 7. Februar 2020 (Netflix)

Nachdem ihr Mann Rendell von seinem eigenen Schüler ermordet wurde, beschließt Nina Locke (Darby Stanchfield), zusammen mit ihren drei Kindern Tyler (Connor Jessup), Kinsey (Emilia Jones) und Bode (Jackson Robert Scott) in die Kleinstadt Matheson zu ziehen, wo das Familienhaus Rendells steht. Die Nachricht von der Ermordung hat sich bereits herumgesprochen, was den Lockes jede Menge ungewollte Aufmerksamkeit beschert. Aber auch sonst läuft bei dem geplanten Neuanfang nicht alles glatt. Doch die eigentlichen Probleme treten erst auf, als Bode im Brunnen die Stimme einer Frau (Laysla De Oliveira) hört, die sich als sein Echo ausgibt. Und das ist nicht das einzige Geheimnis, welches das Anwesen für die Kinder bereithält …

Das war aber mal eine schwere Geburt. Viele Leute haben sich im Laufe der Zeit daran versucht, die 2008 gestartete Comicreihe von Joe Hill und Gabriel Rodriguez zu adaptieren. Erst hätte daraus eine Serie werden sollen, dann Filme, dann doch wieder eine Serie. Die Fernsehsender wurden gewechselt, die Regisseure auch, irgendwann wurde noch einmal das komplette Ensemble ausgetauscht. Das weckt nun nicht gerade die höchsten Erwartungen. Doch jetzt ist Locke & Key da, als Netflix-Serie, und versucht nach dem jahrelangen Hickhack das Publikum mit einer Mischung aus Fantasy und Mystery zu locken.

Eine Serie für die ganze Familie?
Eins vorweg: Um eine direkte Adaption der Vorlage handelt es sich hierbei nicht. Vielmehr ließen sich Carlton CuseMeredith Averill und Aron Eli Coleite nur von den Comics inspirieren, um daraus eine eigene Version zu basteln. Fans könnte das enttäuschen, vor allem da Locke & Key sehr viel familienfreundlicher geworden ist. War die gedruckte Fassung noch eindeutig dem Horrorgenre zuzuordnen – kein Wunder, Hill ist schließlich der Sohn von Stephen King –, lässt sich das hier nur noch teilweise erahnen. Tatsächlich meint man an diversen Stellen, eher ein Fantasyabenteuer für eine junge Zielgruppe zu sehen, vergleichbar etwa zu Das Haus der geheimnisvollen Uhren.

So irritierend das ist, noch irritierender ist, dass der Ton irgendwie so gar nicht konsistent ist. Neben diesen großäugigen Abenteuermomenten gibt es auch genügend, wenn Locke & Key auf einmal zu einem Teenie-Drama mutiert – einem wenig originellen, nervigen noch dazu. Gleichzeitig sind die dunklen Elemente aber nicht völlig verschwunden. Immer wieder werden Menschen getötet, die Serie beginnt mit einem Selbstmord, zum Ende hin wird es auch richtig fies. So ganz konnten sich die Macher offensichtlich nicht entscheiden, in welche Richtung das gehen, wer die Zielgruppe sein soll. Ebenso ist die Serie eine Kombination aus originellen und sehr langweiligen Bestandteilen, was einen mit entsprechend gemischten Gefühlen zurücklässt.

Nicht ist, wie es scheint
Spaßig ist beispielsweise, wenn die im Titel bereits angekündigten Schlüssel zum Einsatz kommen. Sie alle haben bestimmte Funktionen und Fähigkeiten, von Gedankenkontrolle bis zum spontanen Ortswechsel. Ein Teil der Neugierde besteht darin, welche eigenartigen Exemplare die Lockes wohl noch entdecken werden. Der andere: Was hat es eigentlich mit Dodge auf sich? Dass sie mehr über das Haus und die Familie weiß, das wird früh klar. Die Auflösung, in welcher Beziehung sie zu den anderen steht, die folgt aber erst relativ spät. Sie bringt auch ein paar Überraschungen mit sich, wenn vergangene Szenen plötzlich im ganz neuen Licht erscheinen.

Die Schwächen der Serie, zu denen sich auch einige suboptimale Spezialeffekte gesellen sowie sich dümmlich bis nervig verhaltende Figuren, können auf diese Weise zwar nicht völlig wettgemacht werden. Es ist sogar ein wenig frustrierend, wie hier Höhepunkte und Ärgernisse teils eng beieinanderliegen, man im einen Moment noch gebannt auf den Bildschirm starrt, nur um dann wieder mit den Augen rollen zu müssen. Im stetig wachsenden Netflix-Angebot von Jugendserien mit Fantasy-Elementen – etwa October Faction und The Order – gehört Locke & Key aber zu den besseren. Die bereits angedeutete zweite Staffel darf dann aber gern die eigenen Lovecraft-Wurzeln – der Ort wurde im Comic nach dem Kult-Horror-Autor-benannt – stärker berücksichtigen.

Credits

OT: „Locke & Key“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Michael Morris, Tim Southam, Mark Tonderai-Hodges, Dawn Wilkinson, Vincenzo Natali
Drehbuch: Joe Hill, Aron Eli Coleite, Liz Phang, Meredith Averill, Mackenzie Dohr, Andres Fischer-Centeno, Brett Treacy, Dan Woodward, Michael D. Fuller, Vanessa Rojas, Carlton Cuse
Idee: Carlton Cuse, Meredith Averill, Aron Eli Coleite
Vorlage: Joe Hill, Gabriel Rodriguez
Musik: Torin Borrowdale
Kamera: Tico Poulakakis, Colin Hoult
Besetzung: Darby Stanchfield, Connor Jessup, Emilia Jones, Jackson Robert Scott, Petrice Jones, Laysla De Oliveira, Griffin Gluck, Sherri Saum

Bilder

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Locke & Key – Staffel 1
3.93 (78.67%) 15 Artikel bewerten

Locke & Key – Staffel 1
In „Locke & Key“ zieht eine Mutter mit ihren drei Kindern in ein Familienhaus, das viele Geheimnisse birgt. Die Serie schwankt dabei auf frustrierende Weise zwischen Kinderabenteuer, Jugenddrama und Horror, auch anderweitig passt nicht alles zusammen. Die originellen Fähigkeiten der Schlüssel und die wendungsreiche Geschichte machen die Serie dann aber doch noch sehenswert.
6von 10

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