On My Block Netflix

„On My Block – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 16. März 2019 (Netflix)

Cesar Diaz (Diego Tinoco), Ruby Martinez (Jason Genao), Monse Finnie (Sierra Capri), Olivia (Ronni Hawk) und Jamal Turner (Brett Gray) sind eine ganz normale Clique, die in einer von Minderheiten bewohnten Gegend von Los Angeles zur Schule gehen. Immer wieder funken ihnen jedoch romantische Gefühle bei ihrer Freundschaft dazwischen. So ist beispielsweise Ruby unsterblich in Olivia verliebt. Aber es gibt auch andere Herausforderungen, die in ihrem Alltag immer wieder auftauchen, von gewalttätigen Gangs bis zu einem versteckten Schatz, den Jamal sucht und der jede Menge Kohle enthalten soll.

Man mag von Netflix halten, was man will, sie für die massenhaft produzierte Wegwerfware kritisieren, dafür, immer wieder hochkarätige Filme aus den Kinos zu stehlen. Eines muss man den Verantwortlichen des Streamingdienstes aber zugutehalten: Kaum einer ist derart stark bemüht, etwas für Diversität auf dem Bildschirm zu tun. Gerade im Serienbereich gibt es einige Beispiele, wo Angehörige von Minderheiten die Hauptrollen übernehmen, so als sei es das Normalste der Welt. Ob nun Dear White People, das sich mit Alltagsrassismus bei Schwarzen auseinandersetzt, oder die Familien-Sitcom One Day at a Time über das Leben einer lateinamerikanischen Familie – da gibt es einiges, was es sich anzuschauen lohnt.

Ein speziell universelles Szenario
Das gilt auch für On My Block, das beim Start von den Kritikern hoch gelobt wurde, hierzulande jedoch etwas unterging. Verständlich, der Alltag eines von Schwarzen und Lateinamerikanern bewohnten Viertels klingt für hiesige Ohren erst einmal weit weg. Wenn dann auch noch Bandenkriminalität eine große Rolle spielt, vor allem beim Handlungsstrang um Cesar, ist das schon sehr fremd. Für die jungen Protagonisten natürlich nicht, was die Geschichte jedoch nicht unbedingt leichter zu schlucken macht. Jugendliche, die über Schüsse scherzen, die sie irgendwo gehört haben? Und das auch noch in einer Komödie?

Als solche wurde On My Block zumindest verkauft. Das ist nicht verkehrt, denn über weite Strecken ist der Ton tatsächlich heiter. Manchmal sogar ausgesprochen albern. Vor allem Jessica Marie Garcia als aufdringliche Schulkameradin Jasmine ist eindeutig zu reinen Humorzwecken eingebaut. Aber auch Rubys verzweifelte Versuche, bei Olivia zu landen, haben meistens etwas Komisches. Doch immer wieder schieben sich dramatische Tendenzen dazwischen, die mal von den ganz alltäglichen Problemen von Jugendlichen handeln. Aber es kann auch richtig düster werden, vor allem in der zweiten Hälfte der zehn Folgen.

Moment, was war das?
Dieses Nebeneinander von hell und dunkel, von albern und existenziell, ist etwas gewöhnungsbedürftig. Manchmal ist On My Block auch etwas zu überzogen, auf eine irritierende Weise, nur um dann dem Publikum im nächsten Moment wieder aus dem Herzen zu sprechen. Denn so komisch die Protagonisten und Protagonistinnen sich immer wieder verhalten, die Suche nach Halt, Anerkennung und manchmal auch Liebe ist so authentisch, so nachfühlbar, dass man sich selbst wie ein Teil dieser Clique fühlt. Dass man gerade in den härteren Momenten tatsächlich mitzittert.

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil das junge Ensemble zuvor nur sehr wenig Erfahrung vor der Kamera hatte. Zum Nachteil wird das in On My Block nicht, gerade untereinander stimmt die Chemie – was das Wichtigste ist, schließlich tauchen Erwachsene in der Serie fast nicht auf. Trotz der jugendlichen Besetzung: Die Serie ist durchaus für ein älteres Publikum geeignet. Manche Passagen der Netflix-Produktion sind sogar ausgesprochen hart. Und eben spannend, weshalb es ein kleiner Segen ist, dass inzwischen schon eine zweite Staffel vorliegt, welche die Geschichte über den gemeinen Cliffhanger hinaus fortsetzt.

On My Block – Staffel 1
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On My Block – Staffel 1
„On My Block“ erzählt von den Erfahrungen einer Freundesclique in einem Viertel von LA, das hauptsächlich von Schwarzen und Latinos bewohnt wird. Das hört sich fern an, hat aber doch jede Menge über das Aufwachsen an sich zu erzählen. Die Mischung aus albernen und harten Elementen irritiert manchmal, die tollen Leistungen des jungen Ensemble lassen aber darüber hinwegsehen und sorgen dafür, dass einem die Figuren schnell ans Herz wachsen.
7von 10

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