Burn Out Netflix

„Burn Out“ // Deutschland-Start: 15. März 2019 (Netflix)

Für Tony (François Civil) gibt es derzeit nur eines: Motorradrennen. Bislang betrieb er das nur in seiner Freizeit, jetzt ist die Profikarriere aber endlich zum Greifen nah. Wäre da nur nicht ein Problem: Leyla (Manon Azem). Mit der ist er zwar schon länger nicht mehr zusammen, sie ist aber immerhin die Mutter seines Sohnes. Und so kann Tony nicht tatenlos zusehen, als diese anfängt, Drogen zu verkaufen. Schlimmer noch, sie hat enorme Schulden bei einer lokalen Gang. Um diese abzuarbeiten erklärt sich Tony bereit, selbst zum Kurier zu werden, ohne dabei zu ahnen, worauf er sich einlässt.

Es gibt ja so vieles, wonach man süchtig werden kann. Drogen zum Beispiel. Was schlecht ist für die Betroffenen, jedoch gut für die, die sie verticken. Denn sonst hätte die Hälfte der Figuren in Burn Out nichts zu tun. Aber auch Rennen können rauschartige Zustände hervorrufen, vor allem wenn dies im Einklang mit obigen Drogen geschieht. Ach, und dann wäre da ja noch der Nervenkitzel, etwas Verbotenes zu tun. Nein, Vorbildfunktion hat Burn Out sicherlich nicht. Auch wenn der Brutalitätsfaktor des französischen Netflix-Films sich eher in Grenzen hält, leicht zu beeindruckende Jugendliche oder gar Kinder haben hier so gar nichts zu verloren.

Viel Lärm um nichts
Gleiches gilt für Leute, die Ansprüche an eine Geschichte haben. Die gibt es in dem Film zwar. Aber sie ist dünn. Und alt. Langweilig sogar. Ein Protagonist, der aus Not zum Verbrecher wird? Das sehen wir oft, zumindest in der Welt der Filme. Sonderlich viel mehr als das hat Burn Out auch nicht zu erzählen. Die Figuren existieren nur dem Namen nach, wenn überhaupt, es gibt weder nennenswerte Persönlichkeitszüge noch Dialoge, die über das Nötigste hinausgehen. Dass das Ganze tatsächlich auf einem Roman basieren soll und nicht weniger als vier Leute am Drehbuch mitwirkten – darunter auch Vorlagenautor Jérémie Guez –, ist da kaum zu glauben. Noch weniger, dass das jemand gelesen haben soll.

Als Film funktioniert das hingegen leidlich gut. Regisseur und Co-Autor Yann Gozlan versuchte erst gar nicht, den bescheidenen Inhalt zu kaschieren. Sicher, auf ein bisschen Mitfiebern hofft er schon, wenn der eigentlich immer sympathische François Civil (Made in France, Der Wein und der Wind) aus purer selbstloser Liebe heraus sein eigenes Leben riskiert. Und das der Leute, die seine Drogen nehmen, natürlich. Aber richtig viel investiert er darin nicht, er lässt den jungen Franzosen lieber Motoren aufheulen und mal auf der Rennstrecke, mal als nächtlicher Kurier um sein Leben rasen.

Schicker Rausch auf allen Kanälen
Das ist dann auch ein recht schöner Anblick, in mehrfacher Hinsicht. Die Geschichte mag sich nach einigen Minuten zum Schlafen hingelegt haben, der Film selbst drückt dafür umso mehr auf die Tube. Die temporeichen Rennen machen Laune, auch weil die Sound-Abteilung ihre Hausaufgaben gemacht hat. Und dann wäre da noch der schöne Synthie-Sountrack, der gut zum stylischen Oberflächenschick passt und Burn Out eine leichte Retrostimmung verpasst. Modern ist hier ohnehin nichts, nicht einmal die Handys, die – wie immer bei Filmverbrechen – möglichst alt sein sollen. Hilft schließlich, nicht entdeckt zu werden.

Eine Entdeckung als solche ist Burn Out eher nicht. Warum Netflix den Film mehr als ein Jahr nach dem Frankreichstart noch einmal ausgräbt, ist nicht so ganz ersichtlich. Aber muss ja auch nicht, mehr als temporeiche Berieselung mit leicht gesteigertem Adrenalinfaktor will das hier nicht sein. Mehr als das ist es auch nicht. Sofern man über die inhaltlichen Schwächen wie Klischees und eine Häufung von Zufällen hinwegsehen kann und sich vom Temporausch anstecken lässt, kann man hier durchaus 100 kurzweilige Minuten erleben. Auch wenn man sich am nächsten Tag kaum mehr daran erinnern wird.

Burn Out
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Burn Out
Ein Rennfahrer wird zum Drogenkurier, um seiner Ex aus der Patsche zu helfen: Das ist doch mal nett! Nein, Vorbildfunktion haben weder der Protagonist von „Burn Out“ noch der Film selbst, zumindest inhaltlich ist der Actionthriller überaus genügsam. Die schicke Inszenierung inklusive des Retro-Synthie-Soundtracks helfen dem temporeichen Streifen jedoch, einigermaßen unbeschadet bis ans Ziel zu kommen.
6von 10

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