
Nachdem ihr Vater wegen eines Doppelmordes hingerichtet wurde, kommt Pearl Chavez (Jennifer Jones) auf die Ranch ihres entfernten Verwandten, der wohlhabenden Familie McCanles. Deren Patriarch, Senator Jackson McCanles (Lionel Barrymore), nimmt Pearl zwar auf seinem Anwesen auf, doch aufgrund ihrer Herkunft begegnet er ihr mit Misstrauen. Seine Söhne hingegen heißen die junge Frau auf ihre ganz eigene Weise willkommen: Jesse (Joseph Cotten) ist ihr gegenüber höflich und freundlich, während sein jüngerer Bruder Lewt (Gregory Peck) beginnt, ihr den Hof zu machen. Zwischen den Brüdern entwickelt sich schon bald ein Wettstreit um Pearls Gunst, die sich ihrerseits nicht entscheiden kann, welchem von beiden sie ihr Herz schenken soll.
Parallel dazu droht ein anderer Konflikt, die Familie zu zerreißen. Als McCanles den Bau der Eisenbahn auf seinem Land mit Gewalt verhindern will, stellt sich ausgerechnet Jesse gegen ihn. Von dessen juristischer Expertise will der Patriarch jedoch nichts wissen und verstößt seinen älteren Sohn.
Lewt nutzt dies als Gelegenheit, Pearl zu verführen – und hat Erfolg. Angewidert von ihrem Moment der Schwäche beginnt für beide ein Spiel aus Macht, Verführung und gegenseitiger Manipulation. Pearl setzt zunehmend ihre Reize ein, um sich von den McCanles zu lösen. Doch weder sie noch Lewt oder Jesse können ihre Gefühle unterdrücken, sodass eine gewaltsame Lösung des Konflikts zwischen den Brüdern unausweichlich scheint.
Sein liebster Besitz
King Vidor gilt unter anderem aufgrund seiner Adaption von Leo Tolstois Krieg und Frieden als Meister groß angelegter Erzählungen. Die Geschichte einer Nation, die Biografie einer berühmten Persönlichkeit oder das Selbstverständnis einer ganzen Kultur werden bei ihm zu Projektionsflächen für Geschichten über Schuld, Verrat, Manipulation und Verführung. In Duell in der Sonne erzählt Vidor von den politischen und wirtschaftlichen Prozessen, die das Ende des Wilden Westens einläuteten, zugleich aber auch vom Besitzdenken als prägendem Prinzip menschlichen Handelns. Die für damalige Verhältnisse ungewöhnlich freizügig erzählte Liebesgeschichte greift dieses Thema anhand von Sexualität auf und zeigt, wie eine rein materialistische Weltanschauung menschliche Beziehungen und Gefühle nachhaltig vergiftet.
Als Pearl nach den traumatischen Erfahrungen ihrer Vergangenheit schließlich auf der Ranch der McCanles ankommt, wird sie von Jesse vom Bahnhof abgeholt. Bereits auf der Kutschfahrt wird die gegenseitige Anziehung der beiden spürbar. Pearl fühlt sich von Jesses Höflichkeit und Freundlichkeit angezogen, während dieser die Schönheit der jungen Frau bemerkt. Als Pearl nach dem seltsamen Symbol im Holz der Kutsche fragt, erklärt Jesse ihr, dass es sich um das Wappen der McCanles handelt, mit dem die Familie Tiere, Gebäude und Gegenstände als ihren Besitz kennzeichnet. Pearl reagiert irritiert auf diese Erklärung, noch mehr jedoch auf das schier endlose Familiengut, das sich bis zum Horizont erstreckt. Mit trockenem Humor bemerkt Jesse schließlich, dass er und sein Bruder wohl die „liebsten Besitztümer“ ihres Vaters seien.
Das Bild des Wilden Westens, das Duell in der Sonne entwirft, ist untrennbar mit der Idee des Besitzes verbunden. Freiheit, die bestenfalls noch in den imposanten Landschaftsaufnahmen existiert, bleibt letztlich eine leere Phrase, solange Patriarchen wie Senator McCanles Land und Menschen gleichermaßen politisch wie wirtschaftlich beherrschen. Der „neue Westen“, verkörpert durch technischen Fortschritt und den Eisenbahnbau, mag den Idealen des Senators widersprechen, führt letztlich aber lediglich zu einer Umverteilung des Landes in die Hände anderer, noch wohlhabenderer und einflussreicherer Akteure. Wenn Jesse Partei für die Arbeiter der Eisenbahn ergreift, wird er zugleich zum Vertreter dieses neuen Westens, den sein Vater zwar ablehnt, der jedoch keineswegs für mehr Gerechtigkeit sorgt. Vidors Film mag nicht ausdrücklich sozialkritisch sein, doch er lässt keinen Zweifel daran, dass der Konflikt zwischen altem und neuem Westen brutal geführt wird und noch lange andauern dürfte. Die Leidtragenden bleiben dabei stets dieselben.
Sexualität und Gewalt
Wie bereits erwähnt, galt Duell in der Sonne für seine Zeit als ausgesprochen freizügig. Obwohl entsprechende Szenen bereits vor der Veröffentlichung entschärft worden waren, sorgte der Film für erhebliche Kontroversen. Wie so oft verfehlte die öffentliche Debatte jedoch den eigentlichen Kern der Inszenierung. Sexualität ist hier kein Selbstzweck, sondern unmittelbarer Ausdruck einer Welt, die von Besitzdenken und Gewalt geprägt ist. Besonders deutlich zeigt sich dies an Lewt und Pearl, die Verführung, Sexualität und Manipulation auf ganz unterschiedliche Weise einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen. Für Pearl kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: der Selbstekel über einen moralischen Fehltritt, den sie sich selbst nicht verzeihen kann – ein Gefühl, das sie auf überraschende Weise mit Jesse verbindet.
In einer für ihn eher ungewöhnlichen Rolle verkörpert Gregory Peck einen Verführer, Draufgänger und Maulhelden, der ganz im Sinne seines Vaters denkt und handelt. Lewt ist kein Mann des langen Nachdenkens, sondern einer der unmittelbaren Handlung – selbst dann, wenn seine Entscheidungen fatale Konsequenzen für ihn und seine Familie nach sich ziehen. Joseph Cottens Jesse bildet dazu den Gegenpol. Seine Passivität wird ihm jedoch ebenso zum Verhängnis. Zwar stellt er sich auf die Seite der Arbeiter, doch in entscheidenden Momenten bleibt er untätig und macht lediglich die sprichwörtliche Faust in der Tasche. Sexualität wird dadurch zum Brandbeschleuniger einer ohnehin angespannten Beziehung, in der immer wieder deutlich wird, dass Lewt sich seinem Bruder überlegen fühlt und Jesse innerhalb der eigenen Familie zunehmend zum Außenseiter wird.
Jennifer Jones’ betont melodramatisches Spiel mag aus heutiger Sicht gelegentlich überzeichnet wirken, vermittelt den inneren Konflikt ihrer Figur jedoch eindrucksvoll. Über Pearl und die afroamerikanische Dienerin Vashti greift der Film zudem einen weiteren Themenkomplex auf: die enge Verbindung zwischen Besitzdenken, Rassismus und gesellschaftlichen Vorurteilen. Beide Frauen werden wie Besitztümer behandelt, Vashti darüber hinaus beinahe täglich mit rassistischen Beleidigungen konfrontiert, die sie lediglich mit einem scheuen Lächeln hinnimmt. Pearl nutzt ihre Sexualität unter anderem als Mittel des Widerstands gegen diese Ordnung, muss dafür jedoch einen hohen menschlichen und moralischen Preis zahlen. Die emotionale Gewalt ist bereits die unmittelbare Folge einer von Materialismus geprägten Welt – die physische Gewalt erscheint schließlich nur noch als deren unausweichliche Konsequenz.
OT: Duel in the Sun
Land: USA
Jahr: 1946
Regie: King Vidor
Drehbuch: David O. Selznick
Musik: Dimitri Tiomkin
Kamera: Lee Garmes, Ray Rennehan, Harold Rosson
Besetzung: Jennifer Jones, Joseph Cotton, Gregory Peck, Lionel Barrymore, Herbert Marshall, Lillian Gish, Walter Huston, Charles Bickford
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