Wham 10 Days in China

WHAM! – 10 Days in China

Wham 10 Days in China
„WHAM! – 10 Days in China“ // Deutschland-Start: 28. Juli 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

1985 schreiben George Michael und Andrew Ridgeley Popgeschichte. Als Wham! reisen sie als erste westliche Popband offiziell in die Volksrepublik China und geben Konzerte in Peking und Guangzhou. Regisseur Mike Christie rekonstruiert diese zehn Tage anhand aufwendig restaurierter Archivaufnahmen, bislang unveröffentlichten Materials sowie neuer Interviews mit Andrew Ridgeley, dem damaligen Manager Simon Napier-Bell, Mitgliedern der Tourcrew und chinesischen Zeitzeugen. Dabei erzählt WHAM! – 10 Days in China nicht nur von einer außergewöhnlichen Konzertreise, sondern von einem Moment, in dem Popmusik, Politik und kulturelle Neugier auf einzigartige Weise zusammentreffen.

Wham! im Reich der Mitte

Schon die Netflix-Dokumentation Wham! von 2023 zeigte, wie außergewöhnlich die Karriere des Duos verlief. Mike Christie setzt nun an einem ganz anderen Punkt an. Ihn interessiert nicht die gesamte Geschichte der Band, sondern ein einziges Ereignis, das sich im Rückblick als Schlüsselmoment ihrer internationalen Laufbahn entpuppt. Diese Konzentration verleiht dem Film eine erzählerische Geschlossenheit, die viele Musikdokumentationen sonst vermissen lassen.

Besonders spannend ist dabei der Blick hinter die Kulissen. Simon Napier-Bell schildert offen, dass die China-Tour keineswegs kultureller Idealismus war. Sein Kalkül bestand darin, durch den spektakulären Auftritt im damals weitgehend abgeschotteten China weltweite Aufmerksamkeit zu erzeugen und Wham! dadurch endgültig auf dem amerikanischen Markt zu etablieren. Rückblickend wirkt dieser Plan fast schon kühn – und zugleich verblüffend erfolgreich. Christie nutzt diese Aussagen jedoch nicht bloß als Anekdote, sondern macht daraus eine kluge Reflexion darüber, wie eng Pop, Medienstrategie und geopolitische Symbolik miteinander verbunden sein können.

Gleichzeitig verliert der Film nie die Menschen aus dem Blick. Chinesische Fans berichten davon, welche Wirkung die Begegnung mit westlicher Popkultur auf ihr Leben hatte. Diese arbeiten nun selbst im Musikbusiness, und zwar in China. Einer sagte, dass er am Tag nach dem Konzert in Guangzhou seinen Job kündigte und DJ wurde. So entsteht das Bild eines kulturellen Impacts, der weit über zwei Konzerte einer britischen Popband hinausreichte.

Dokumention über eine Dokumentation

WHAM! – 10 Days in China hat aber auch eine filmhistorische Dimension. Christie greift immer wieder die Geschichte von Lindsay Andersons Dokumentation über die Tour auf. Der Regisseur, der zu den wichtigsten Vertretern der British New Wave zählt und mit If… einen wahren Klassiker des britischen Kinos insziniert hatte, wurde vom Management der Band verpflichtet, die Konzertreise zu dokumentieren. Dessen ursprünglicher Schnitt If You Were There, der jahrzehntelang unveröffentlicht blieb und erst 2024 beim British Film Institute gezeigt wurde, ist deutlich stärker als Beobachtung eines Landes im Wandel denn als Werbefilm für eine Popband. Erst nachdem Andersons ursprüngliche Version von der Band verworfen worden war, entstand das deutlich konventionellere Wham! in China: Foreign Skies, das eher ein reiner Konzertfilm war. WHAM! – 10 Days in China schlägt nun eine Brücke zwischen beiden Sichtweisen. Einerseits feiert der Film die Energie und Euphorie von Wham!, andererseits interessiert er sich ebenso für das China der achtziger Jahre und die Menschen, die diesen historischen Moment miterlebten.

Dramaturgisch ist der Konzerttrip aber tatsächlich ein Glücksfall. Das zunächst eher verhaltene Konzert in Peking wirkt beinahe wie ein vorsichtiges Abtasten zweier Welten. Umso wirkungsvoller entfaltet sich anschließend das Finale in Guangzhou. Dort springt der Funke endgültig über, das Publikum reagiert deutlich ausgelassener, und der Film endet auf einem emotionalen Höhepunkt, der weit über den bloßen Konzertmitschnitt hinausgeht. Diese Steigerung verleiht der Dokumentation einen erzählerischen Bogen, der bis zur letzten Minute trägt.

Natürlich verklärt der Film manche Ereignisse ein wenig. Politische Spannungen und staatliche Kontrolle werden zwar angesprochen, bleiben aber letztlich eher Hintergrundrauschen. Wer eine tiefgehende Analyse der chinesischen Politik erwartet, dürfte deshalb nicht vollständig zufriedengestellt werden. Doch das ist auch nicht das eigentliche Ziel dieses Films. Er möchte zeigen, wie Popmusik Grenzen überwinden kann – zumindest für einen kurzen historischen Augenblick.

Mike Christie gelingt mit WHAM! – 10 Days in China daher weit mehr als ein nostalgischer Rückblick auf eine der erfolgreichsten Popbands der achtziger Jahre. Seine Dokumentation verbindet Musikgeschichte, Zeitgeschichte und Mediengeschichte zu einem unterhaltsamen Film, der bekannte Ereignisse aus einer überraschend neuen Perspektive betrachtet.

Credits

OT: „WHAM! – 10 Days in China“
Land: UK
Jahr: 2026
Regie: Mike Christie
Musik: Dru Masters
Mitwirkende: Andrew Ridgeley

Bilder

Trailer

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WHAM! – 10 Days in China
fazit
„Wham! – 10 Days in China“ verbindet restaurierte Archivaufnahmen, spannende Zeitzeugengespräche und filmhistorische Einordnung zu einer ebenso mitreißenden wie klugen Musikdokumentation. Ein nostalgischer Blick zurück, der weit mehr ist als bloßer Fanservice.
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