So klingt das Leben Rondallas
Szenenbild aus "So klingt das Leben" von Daniel Sánchez Arévalo (© 2025- MR. FIELDS AND FRIENDS CINEMA S.L , BAMBU PRODUCCIONES S.L y RONDALLAS MOVIE A.I.E)

Daniel Sánchez Arévalo [Interview]

So klingt das Leben nimmt uns mit in ein kleines galizisches Dorf, in dem seit einem tödlichen Schiffsunglück zwei Jahre zuvor die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Die Menschen wissen noch immer nicht, wie sie mit dem Verlust umgehen sollen, zumal sie andauernd daran erinnert werden. Also fassen Luis (Javier Gutiérrez) und Carmen (María Vázquez) den Beschluss, die traditionelle Musik der Gegend wiederzubeleben und so den Leuten die Möglichkeit zu geben, gemeinsam etwas zu schaffen. Aber das ist einfacher gesagt denn getan. Wir haben uns zum Kinostart am 16. Juli 2026 mit Regisseur und Autor Daniel Sánchez Arévalo unterhalten. Im Interview zur Tragikomödie spricht er über die Inspirationen, schwierige Balancen und Kunst als Ausweg aus der Vereinzelung.

Könntest du uns etwas über die Entstehungsgeschichte von So klingt das Leben erzählen? Wie bist du auf die Idee gekommen?

Am Anfang war ein YouTube-Video, das mir mein Produzent, der zugleich ein sehr guter Freund von mir, geschickt hat. Das Video zeigte Rondallas, traditionelle Konzerte in Galicien mit den Dudelsäcken, den Flöten und den alten Trachten. Aber es wurde kein klassisches Stück gespielt, sondern eins von AC/DC. Diese Mischung aus Tradition und Heavy Metal fand ich unglaublich gut und dachte, daraus muss ich einen Film machen! Danach habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen. Ich war total begeistert davon, von diesem drunter und drüber und den hundert Leuten, die zusammenspielten, von Kindern bis ganz alten Leuten. Da war ein ganz eigenartiges Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb dieses kreativen Kollektivs.

Der Film handelt von einer solchen Rondalla. Der Aufhänger ist aber die tragische Geschichte um das Schiffsunglück. Wie kam es dazu?

Klar, ich brauchte noch eine Geschichte zu der Musik. In Galicien sind solche Schiffsunglücke leider sehr weit verbreitet, jedes Dorf hat eine solche Geschichte zu erzählen. Ein Vorfall, der mich besonders inspiriert und auch ganz Spanien bewegt hat, war der von Villa de Pitanxo. Was mich beeindruckt hat, war die Langsamkeit der Prozesse. Wie lange es gedauert hat, bis herausgekommen ist, was wirklich geschehen ist, wer die Verantwortlichen waren. Und wie das natürlich das Leid der Angehörigen immer weiter verstärkt. Diese Prozesse hinterlassen Wunden. Das erschien mir als wesentliches Thema, worüber ich dann mehr geforscht.

Das Thema ist ein sehr tragisches. Und doch hast du kein reines Drama gedreht. Der Film hat auch eine sehr leichte Note. Weshalb hast du dich dafür entschieden?

Genau, ich wollte eine Mischung aus Drama und Komödie machen, wo beides drin ist. So mache ich meine Filme: Ich suche mir ein sehr ernstes Thema aus und suche in diesem ernsten Thema dann das Licht. Und das nicht erst am Ende, also nicht das Licht am Ende des Tunnels. Ich suche auch schon während des Films das Licht. Das ist das, was mich auch als Zuschauer am meisten interessiert: Mach mich traurig, aber bring mich auch zum Lachen.

Und wie schwierig war es für dich, die richtige Balance zu werden? Man soll mit diesen Figuren lachen, manchmal sogar auch über sie. Trotzdem sollen sie keine Witzfiguren werden.

Schwierig ist es eigentlich nicht. Aber es erfordert schon sehr viel Arbeit. Das hängt auch damit zusammen, dass ganz viele verschiedene Figuren auftauchen. Selbst wenn du die beiden Brüder nimmst, die vielleicht die komischsten Figuren im Film sind, selbst die haben einen tragischen Hintergrund. Du musst es schaffen, dass das am Ende natürlich wirkt.

Wie lange hat die Arbeit am Drehbuch gedauert? Gerade weil du so viele Figuren hast, stelle ich mir das anstrengend vor. Die eigentliche Geschichte ist schnell erzählt, aber die vielen Hintergründe müssen viel Zeit in Anspruch genommen haben.

Es ging. Am Ende waren es zwischen einem halben und einem Jahr. Wichtig ist aber, dass die Drehbücher lebendig sind. Das heißt, dass ich sie immer wieder ändere, auch wenn ich mit den Schauspielern drehe oder übe. Das fließt noch in meine Drehbücher ein, weshalb es schwierig zu sagen ist, wie lang es wirklich gedauert hat. Wenn wir anfangen zu proben, sage ich meinen Schauspielern auch immer, dass sie erst einmal das Drehbuch vergessen sollen und einfach geben sollen, was sie können. Gute Schauspieler bringen immer etwas Eigenes mit. Da können sich noch so viele Facetten verändern.

Und wie sah da der Castingprozess aus? Die Leute müssen natürlich schon gut zusammenarbeiten können. Gleichzeitig lebt der Film aber auch von den Reibungen. Was war dir dabei wichtiger, dass die Leute zusammenpassen oder nicht zusammenpassen?

Interessante Frage. Du hast natürlich recht, dass ich beim Casting auch den Konflikt suche und wie jemand diesen Konflikt lebt. Die Schauspieler müssen diese Konflikte ausdrücken können. Wahrscheinlich habe ich aber mehr darauf geachtet, dass die Schauspieler harmonisieren. Wichtig war mir beim Casting aber auf jeden Fall, dass sie alle galizisch sind und aus der Region stammen. Ich wollte auch eine große Bandbreite haben, die verschiedensten Gesichter. Dass man das auch sieht, wie individuell diese Menschen sind.

Eine Art Figur ist das Setting, welches eine große Rolle spielt. Warum musste es für dich dieses Setting sein? Die Frage, wie Menschen mit Trauer und einem Trauma umgehen, hätte überall spielen können. Du hättest auch von einem Zugunglück in den Bergen erzählen können.

Die Musik der Rondallas stammt aus einer ganz bestimmten Region, weshalb klar war, dass die Geschichte auch dort spielen muss. Also habe ich nach einem Dorf gesucht und bin irgendwann fündig geworden. Dort gibt es nicht nur diese Musik, man sucht auch nach Entenmuscheln, was dem Dorf einen ganz besonderen Charakter gibt. Wenn ich schon in dem Dorf bin und in dem Dorf drehe und erzähle, dann muss das auch rein, diese besondere Art, wie die Leute ihren Lebensunterhalt verdienen. Das ist deshalb auch alles echt, was du in dem Film siehst: der Markt, die Leute, die Entenmuscheln verkaufen. Wir haben unsere Figuren nur dareingesetzt in diese Wirklichkeit. Das Setting hat also auch noch einmal das Drehbuch verändert.

Dann kommen wir auf das Thema Trauer. In deinem Film ist es so, dass die Figuren sich zusammentun und auf diese Weise den Verlust verarbeiten. Wie wichtig ist es, andere Menschen bei einem solchen Prozess zu haben?

Das ist für mich tatsächlich das große, eigentliche Thema des Films. Die individuelle und kollektive Trauer lässt sich nur in der Gemeinschaft überwinden. Sonst scheiterst du, wie es Andrea passiert, die sich von den anderen isoliert.

Es ist ein Phänomen unserer Zeit, dass die Menschen immer mehr vereinzeln. Wie lässt sich das bekämpfen? Wir können schließlich nicht alle Teil einer Musikgruppe werden.

Warum nicht? Ich habe mich in diese Atmosphäre verliebt und wie die Leute zusammenkommen und versuchen Kunst zu machen. Das muss nicht unbedingt Musik sein. Bei mir ist es mit den Filmen ähnlich. Gerade während der Corona-Pandemie hat es mich gerettet, mit anderen an einem Film arbeiten zu dürfen.

Ist es das, was du deinem Publikum mit dem Film auf den Weg geben möchtest?

Also, ich bin jetzt niemand, der unbedingt Botschaften verschicken möchte. Das ist es nicht, warum ich Filme mache. Ich will in erster Linie Geschichten erzählen. Aber wenn das dabei rauskommt, dass die Leute zusammenfinden und gemeinsam etwas schaffen, dann bin ich natürlich glücklich.

Und was hast du für dich selbst gelernt, als du den Film gemacht hast?

Das klingt vielleicht komisch, aber ich habe gelernt, wieder Regisseur zu sein. Ich bin vor fünf Jahren mitten während der Pandemie Vater geworden und habe meine Netflix-Serie wie in Trance gemacht. Jetzt habe ich das Gefühl zurückgekehrt zu sein und wieder Regie führen zu können. Ich habe Frieden gefunden.

Vielen Dank für das Interview!



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