
Kraken – Erwachen der Tiefe nimmt uns mit zu einem norwegischen Fjord, wo der Betreiber einer Lachszucht mit einer neuen Technologie experimentiert, die Schädlinge bekämpfen soll. Dabei ahnt niemand, dass damit gleichzeitig etwas angelockt wird, was bislang tief unter der Wasseroberfläche gelebt habt. Die Meeresbiologin Johanne (Sara Khorami) geht einer Reihe seltsamer Vorkommnisse nach und trifft dabei auf ihren Ex-Freund Erik (Mikkel Bratt Silset). Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was da vor sich geht, ohne zu wissen, in welche Gefahr sie sich begeben. Wir haben uns zum Kinostart am 23. Juli 2026 mit Regisseur Pål Øie unterhalten. Im Interview spricht er über Inspirationen, die Balance aus Realismus und fantastischen Elementen und sein Verhältnis zu Horrorfilmen.
Warum hast du Kraken gedreht? Was hat dich an dem Projekt gereizt?
Als wir an meinem vorherigen Film The Tunnel – Die Todesfalle gearbeitet haben, sind wir jeden Tag vom Drehort zu unserem Hotel gefahren. Dabei sind wir an einem Fjord vorbeigekommen und haben diese Fischfarm gesehen. Wir waren von diesem Ort fasziniert und haben uns vorgestellt, was da unten in der Tiefe alles sein könnte. Das war der Anfang der Geschichte. Auf den Kraken selbst sind wir durch die Erzählungen des Bischofs gekommen, der Mitte des 18. Jahrhunderts als Erster das Tier beschrieben hat. Er war in Bergen stationiert, nur wenige hundert Meter von unserem Büro entfernt. Wir wollten diese alte Legende nehmen und in die Neuzeit verlegen.
Der Kraken basiert auf realen Tieren, selbst wenn das hier alles deutlich übertrieben ist. Wie schwierig war es, die Balance zu halten, einerseits realistisch genug zu sein, um glaubwürdig zu bleiben, und gleichzeitig ein Monster zu schaffen, das nicht aus dieser Welt ist?
Für mich ist es wichtig, dass wir eine Welt erschaffen, in der sich das Publikum wiederfinden kann. Wir arbeiten mit menschlichem Drama, mit Konflikten, mit Schauspielern und etablieren etwas, das die Zuschauer und Zuschauerinnen kennen. Den Kraken selbst zeigen wir nicht am Anfang, das machen wir erst später. Wir haben auch sehr lange an dem Design gearbeitet, das war ein langwieriger Prozess, bis wir wussten, wie es aussehen soll. Kraken ist eine mythologische Kreatur, bei der die Menschen Erwartungen haben, wie sie aussieht. Insofern war das wirklich eine schwierige Balance, um allem gerecht zu werden.
Ganz grundsätzlich: Was ist für die Menschen furchteinflößender, eine Kreatur, die auf der Realität basiert, oder eine komplett fantastische Kreatur?
Das ist eine schwierige Frage. Ich würde sagen, eine reale Kreatur. Aber dann, was heißt das, real? Für mich war der Film eine Reise in eine andere Welt. Und wenn du dir Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt anschaust, dann glaubst du wirklich, dass so eine Kreatur existieren kann. Es kommt also immer darauf an, wie man das alles umsetzt. Wenn du das richtig machst, dann kann alles furchteinflößend sein, egal ob real oder fantastisch.
Du hast vorhin davon gesprochen, dass ihr euch vorgestellt habt, was da unten in der Tiefe lebt. Was macht die Tiefsee für uns so faszinierend?
Ich denke, dass alles, was wir nicht sehen können, unsere Fantasie anregt. Wenn du Wälder nimmst oder dunkle Orte, kannst du dir darin alles vorstellen. Und das gilt eben auch für Fjorde. Die können so tief sein. Und selbst wenn sie es nicht sind, kannst du von oben nicht sehen, was da unten ist. Als ich jung war und in den Fjorden geschwommen bin, habe ich mich immer gefragt, wie es in der Tiefe wohl aussieht. Das ist ganz menschlich, Angst zu haben vor dem, das wir nicht sehen können.
Ist das Thema Tiefseekreaturen etwas, das dich auch persönlich interessiert, unabhängig vom Film?
Ich bin ganz grundsätzlich an diesem Wechselspiel von Natur und Kultur interessiert und an roten Linien, die wir überschreiten. Ich bin mit der Natur aufgewachsen und habe großen Respekt vor ihr. Deswegen interessiert es mich, mit diesem Thema zu spielen.
Es gab in den letzten Jahren zahlreiche Horrorfilme, die ökologische Themen aufgegriffen haben. Denkst du, dass dieses Genre dazu geeignet ist, Bewusstsein dafür zu schaffen?
Ich glaube schon, ja. Horrorfilme sind ein gutes Mittel, um ganz allgemein Themen einem größeren Publikum vorzustellen. Wobei es wichtig ist, dass bei diesem Thema die Natur nicht grundsätzlich als böse dargestellt wird. Es ist vielmehr gefährlich, wenn der Menschen Grenzen überschreitet. Das ist der spannende Teil.
Ganz allgemein: Was ist das Geheimnis eines guten Horrorfilms?
Er sollte dir Angst machen. (lacht) Für mich ist es wichtig, dass es eine Art Geheimnis gibt. Dass du einen dunklen Raum betrittst und nicht weißt, was dich erwartet. Dass du dir Fragen stellst. Natürlich geht es auch anders. Es gibt Regisseure, die gleich in der ersten Szene die Lautstärke ganz weit aufdrehen. Persönlich mag ich Slowburner aber lieber. Ansonsten brauchst du auch gute Figuren und ein gutes Ensemble. Denn wenn du den Figuren nicht folgen kannst, dann klappt das auch mit dem Horror nicht.
Horror ist auch etwas sehr Subjektives. Was den einen Angst macht, lässt andere kalt. Wie sieht es bei dir aus? Womit kann man dir Angst machen?
Es ist nicht einfach, mir Angst zu machen. Aber tatsächlich ist Wasser etwas, das mir Angst machen kann. Beim Heranwachsen hatte ich davor richtig Angst. Ansonsten macht mir Trump Angst. Aber das ist kein Horrorfilm, sondern Realität.
Vielen Dank für das Interview!
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