Ich habe keine Angst Io non ho paura TV Fernsehen arte Streamen online Mediathek Video on Demand DVD kaufen

Ich habe keine Angst

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Inhalt / Kritik

Italien, 1978: Der neunjährige Michele (Giuseppe Cristiano) mit seinen Eltern und seiner Schwester Maria (Giulia Matturo) in einem kleinen Dorf im süditalienischen Apulien. Die Tage sind lang, viel zu tun ist aber nicht, weshalb sich die Kinder irgendwie anderweitig beschäftigen müssen. Als Michele wieder mal mit seinen Freunden unterwegs ist, um gemeinsam die Gegend zu erkunden, beim Spielen in der Nähe eines verlassenen Gutshauses ein tiefes Loch im Erdboden. Darin findet er zu seinem großen Erstaunen einen Jungen darin. Dieser stellt sich als Filippo (Mattia Di Pierro) heraus und er scheint schon seit einiger Zeit da unten zu hausen. Michele ist fest entschlossen, dem Fremden zu helfen und kommt dabei einem düsteren Geheimnis auf die Spur …

Keine andere Jahreszeit bietet sich wohl ähnlich stark für einen Coming-of-Age-Film an wie der Sommer. Schließlich geschieht während dieser Zeit oft nichts, das lange Warten während der Ferien ist ideal, um die Lupe wie ein Brennglas auf die jungen Protagonisten und Protagonistinnen zu legen. Anfangs scheint Ich habe keine Angst dann auch in diese Richtung zu gehen, wenn wir einen Einblick in das Leben von Michele erhalten. Der Film fängt wunderbar diese besondere Zeit, aber auch das Alter des Jungen ein. Mit nur wenigen Elementen gelingt es Regisseur Gabriele Salvatores (Vincents Welt), diese Welt zu charakterisieren und auch das Umfeld, in dem die Hauptfigur lebt.

Diese Welt wird ein Stück weit auf den Kopf gestellt, als Michele den anderen Jungen entdeckt. Was zunächst wie ein typisches Familiendrama daherkommt, erhält dann einige Thrillerelemente. Zunächst ist bei Ich habe keine Angst auch noch ein wenig Mystery dabei, wenn unklar ist, was es mit dem Fremden auf sich hat und wie er in dieses Erdloch gekommen ist. Dass dieser aufgrund seiner längeren Isolation nicht mehr ganz zurechnungsfähig ist und kaum auf Fragen antworten kann, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Doch die Adaption des gleichnamigen Romans des italienischen Schriftstellers Niccolò Ammaniti (Anna) schlägt sich nicht komplett in die Thrillerrichtung. Vielmehr schwankt der Film zwischen mehreren Genres, so als wollte er sich nicht festlegen.

Das hat jedoch nichts mit einem unausgewogenen Konzept zu tun. Im Gegenteil: Der Film bleibt konsequent aus der Sicht des Jungen erzählt, wir entdecken die Welt durch seine Augen. Und dabei dauert es eben, weil Michele zwar dem anderen helfen will, die genaue Situation und vor allem den Ernst der Lange aber länger nicht durchschaut. Der Strang um den gefangenen Filippo muss sich die Laufzeit mit anderen Geschichten teilen, die zwar an und für sich belanglos sind, aus der Sicht von Michele aber ebenfalls wichtig. Auch das trägt dazu bei, dass Ich habe keine Angst ein gelungenes Porträt dieses Alters ist, wenn der Protagonist sich wie ein richtiges Kind verhalten darf, ohne dafür verurteilt zu werden. Er ist eben kein Held, sondern ein ganz normaler Junge.

Wer angesichts der Entführungsthematik einen Hochspannungsthriller erwartet, könnte daher enttäuscht sein. Packend ist das Ergebnis aber durchaus. So spitzt sich im weiteren Verlauf die Situation zu. Es geht dann nicht mehr allein darum, den Jungen zu versorgen. Es herrscht sogar richtige Lebensgefahr. Ich habe keine Angst bleibt aber der dramatischen Ausrichtung treu und beschreibt die Entführer nicht als durchgängig schlechten Menschen, wie man es bei einer solchen Geschichte erwarten könnte. Sie wurden selbst durch ihre Verzweiflung angetrieben, sahen keinen anderen Ausweg. Die Romanadaption nimmt auf diese Weise auch Züge eines Sozialdramas ab, das von Perspektivlosigkeit in der Provinz erzählt. Hier gibt es nicht nur für die Kinder nicht viel zu tun. Auch die Erwachsenen sind auf der Suche und graben dabei in ihrer Not ein Grab – für sich selbst wie auch ihr Opfer.

Credits

OT: „Io non ho paura“
Land: UK, Italien, Spanien
Jahr: 2003
Regie: Gabriele Salvatores
Drehbuch: Francesca Marciano, Niccolò Ammaniti
Vorlage: Niccolò Ammaniti
Musik: Ezio Bosso, Pepo Scherman
Kamera: Italo Petriccione
Besetzung: Giuseppe Cristiano, Aitana Sánchez-Gijón, Dino Abbrescia, Giorgio Careccia, Mattia Di Pierro, Adriana Conserva, Fabio Tetta, Giulia Matturo, Stefano Biase

Bilder

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Ich habe keine Angst
fazit
Die Romanadaption „Ich habe keine Angst“ erzählt von einem Jungen, der zufällig einen anderen Jungen entdeckt, der in einem Erdloch gefangen gehalten wird. Das klingt nach einem Thriller, ist aber vielmehr ein Genremix, der auch sehr viel über das Leben auf dem Land und die Kindheit zu sagen hat.
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