Ganz oder gar nicht The Full Monty Tv Fernsehen arte Streamen online Video on Demand Mediathek DVD kaufen
© 1997, 20th Century Fox/John de Borman

Ganz oder gar nicht

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„Ganz oder gar nicht“ // Deutschland-Start: 30. Oktober 1997 (Kino) // 27. Juli 2000 (DVD)

Inhalt / Kritik

Früher einmal, da war Sheffield eine pulsierende Großstadt gewesen, die von der Schwerindustrie lebte. In den 1990ern ist davon aber nicht viel geblieben, die meisten Anlagen haben längst schließen müssen. Das bleibt auch für Gaz (Robert Carlyle) und Dave (Mark Addy) nicht folgenlos: Die ehemaligen Stahlarbeiter halten sich nur mühsam über Wasser, selbst vor Diebstahl schrecken die Freunde nicht zurück. Als die beiden Zeuge werden, wie groß der Andrang bei einem Auftritt der männlichen Stripper Chippendales ist, beschließen sie, diesen Konkurrenz machen zu wollen. Also trommeln  sie eine Reihe weiterer Ex-Kollegen zusammen, um mit ihnen eine eigene Show auf die Beine zu stellen. Aber das ist einfacher gesagt denn getan, denn niemand von ihnen hat Erfahrungen damit. Sie können ja nicht einmal wirklich tanzen …

Komischer Überlebenskampf

Sie haben in Großbritannien eine lange Tradition: Filme über einfache Menschen und wie diese in einer sich verändernden Welt unter die Räder geraten. Ken Loach wurde mit solchen Geschichten berühmt. Zuletzt erzählte der Regisseur in Sorry We Missed You (2019) von einer ums Überleben kämpfenden verschuldeten Mittelklassefamilie sowie in The Old Oak (2023) von einem früheren Minenarbeiterdorf, das syrische Flüchtlinge aufnehmen soll – was zu erwartbaren Konflikten führt. Doch so hoch das Ansehen dieser Filme war, das kommerziell mit Abstand erfolgreichste Werk über solche Kleine-Leute-Kämpfe war Ganz oder gar nicht. 1997 veröffentlicht, spielte die britische Komödie bei einem Budget von 3,5 Millionen US-Dollar weltweit mehr als 250 Millionen wieder ein. Es folgten Adaptionen als Roman, für die Bühne und als Serie.

Das liegt natürlich auch an der Tonalität. Anstatt auf vergleichbar ernste Weise die Probleme der unteren bis mittleren Schichten aufzuzeigen, nahm man das hier mit Humor. Schon die Grundidee, dass ein paar Normalos einfach mal eine Striptease-Show aufziehen, ohne jegliche Erfahrung zu haben, ist kurios. Und dann ist da noch die Unbeholfenheit, mit der die meisten dieser Männer sich der Aufgabe annehmen. Man darf in Ganz oder gar nicht immer wieder darüber lachen, wie ungeschickt die Truppe sich bei dem Versuch anstellt. Mit artifizieller Hochglanzerotik, wie man sie von dem Chippendales-Vorbild kennt, hat das wenig zu tun. Man kann sich sogar darüber streiten, ob das hier überhaupt noch erotisch ist. Schließlich sind die meisten der Herren, die blank ziehen, nicht von einer solchen Attraktivität, dass man sich auf der Straße nach ihnen umsehen würde.

Viel Identifikationsfläche

Aber das ist natürlich auch der Punkt des Films. Hier soll es gar nicht um irgendwelche Traummänner gehen, die einem dann als Männer von nebenan verkauft werden sollen – eine Unart in Hollywood. Hier haben wir es tatsächlich mit Leuten zu tun, wie man sie überall treffen könnte. Das macht Ganz oder gar nicht trotz seiner ungewöhnlichen Geschichte nahbar. Man kann hier tatsächlich mitfühlen, wie Typen, die ohne eigenes Verschulden in die Krise gerutscht sind, zu verzweifelten Mitteln greifen, um irgendwie über die Runde zu kommen. Die Protagonisten sind vielleicht keine Helden, vor allem keine strahlenden. Aber sie sind doch sehr menschlich, sind sympathisch und bieten einiges an Identifikationsfläche.

Klar, ein bisschen idealisiert ist das schon. Letzten Endes soll das hier ein Wohlfühlfilm sein, bei dem man am Ende mit mehr Optimismus in die Zukunft schaut und wieder glaubt, dass es für jede Situation, und sei sie noch so aussichtslos, eine Lösung gibt. Aber das muss ja nicht verkehrt sein. Ganz oder gar nicht schafft ein schönes Gemeinschaftsgefühl, nicht nur innerhalb der Truppe, sondern auch im Zusammenspiel mit den anderen. Und das ist etwas, das heute noch so gut tut wie damals. Dass dies mit tatsächlich witzigen, teils ikonisch gewordenen Szenen einhergeht und einem gut aufgelegten Ensemble, macht die Komödie zu einem echten Crowdpleaser, der trotz starken 90er-Jahre-Gefühls zeitlos ist.

Credits

OT: „The Full Monty“
Land: UK
Jahr: 1997
Regie: Peter Cattaneo
Drehbuch: Simon Beaufoy
Musik: Anne Dudley
Kamera: John de Borman
Besetzung: Robert Carlyle, Tom Wilkinson, Mark Addy, Lesley Sharp, Emily Woof, Steve Huison, William Snape, Paul Barber, Hugo Speer

Bilder

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Ganz oder gar nicht
fazit
In „Ganz oder gar nicht“ tun sich ein paar ehemalige Stahlarbeiter zusammen, um mit einer eigenen Striptease-Show Geld zu verdienen. Die Komödie funktioniert Jahrzehnte später noch so gut wie damals. Es macht einfach Spaß, ein paar Normalos zuzusehen, wie sie bei ihrem unbeholfenen Überlebenskampf immer wieder an ihre Grenzen stoßen. Gleichzeitig bietet der Wohlfühlfilm viel Identifikationsfläche.
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