
Zwei Jahre sind vergangen seit dem Schiffsunglück, bei dem mehrere Menschen ums Leben gekommen sind. Doch noch immer sind die Einwohner und Einwohnerinnen des galizischen Fischerdorfs A Guarda nicht über den tragischen Verlust hinweg. Also fassen Luis (Javier Gutiérrez) und Carmen (María Vázquez) den Beschluss, es einmal mit Musik zu versuchen. Unter der Leitung der erst 18-jährigen Andrea (Judith Fernández), die selbst bei dieser Katastrophe ihren Vater verloren hat, soll ein altes Ensemble wiederbelebt werden, das die traditionelle Musik der Gegend aufgreift. Das gemeinschaftliche Musizieren soll ihnen dabei helfen, wieder zueinander zu finden und weiterzumachen. Sie wollen sogar an einem regionalen Wettbewerb teilnehmen! Doch das ist alles nicht so einfach wie erhofft, der Weg zurück in die Normalität ist steinig …
Das Leben mit dem Tod
Irgendwann machen die meisten von uns diese Erfahrung. Und doch ist niemand wirklich darauf vorbereitet oder weiß, wie mit dieser Situation umzugehen ist. Einen geliebten Menschen zu verlieren, das ist gleichzeitig eine universelle und eine sehr individuelle Erfahrung. Kein Wunder also, dass es zahlreiche Filme gibt, in denen die Hauptfiguren in eben dieser Situation sind und nach einem Weg suchen müssen, damit fertigzuwerden. See You When I See You etwa erzählte kürzlich von einer Familie, die durch den Suizid der Tochter auseinandergerissen zu werden droht. In Voicemails for Isabelle schickt eine Frau Sprachnachrichten an ihre verstorbene Schwester, weil sie deren Tod nicht verkraftet. Mit So klingt das Leben kommt nun ein weiterer Film bei uns heraus, der sich mit einer solchen Trauerarbeit beschäftigt.
Wobei der spanische Film in eine etwas andere Richtung geht als die obigen Beispiele. So erzählt er von einem ganzen Dorf, das mit einem solchen Verlust zu kämpfen hat, als ein Unglück ein Loch in die Gemeinschaft gerissen hat. Das ändert natürlich nichts an dem Schmerz, den man empfindet. Aber es ist doch eine irgendwie andere Situation. Auf der einen Seite können die Figuren in So klingt das Leben leichter diese Erfahrung miteinander teilen. Auf der anderen Seite können sie ihr schwerer entkommen, weil eben überall eine Erinnerung wartet an den individuellen wie kollektiven Verlust. Regisseur und Drehbuchautor Daniel Sánchez Arévalo (Seventeen) betont in seiner Geschichte dann auch den gemeinschaftlichen Aspekt, wenn die Bevölkerung miteinander einen Weg findet, wieder dem Leben zu begegnen.
Wohlfühlkomödie mit vielen Figuren
Und das geht hier über die Musik. Originell ist der Einfall natürlich nicht. Zahlreiche Filme haben in den letzten Jahren gezeigt, wie Musik dabei helfen kann, Menschen zusammenzuführen – siehe etwa Die leisen und die großen Töne oder No Hit Wonder. Ob nun Instrumente gespielt wird oder gesungen, die Figuren können auf diese Weise Differenzen überwinden und zu sich selbst finden. Die folkloristische Note und das Fischerdorfsetting wecken zudem Erinnerungen an Fisherman’s Friends – Vom Kutter in die Charts. Wobei So klingt das Leben durchaus auch eigene Elemente vorzuweisen hat. Da ist zum einen die Musik selbst, die doch sehr eigen ist. Gerade zum Ende hin, wenn der große Auftritt ansteht, bekommt der spanische Film eine mitreißende Note.
Was den Film außerdem auszeichnet, das sind die Figuren. Zwar sind nicht alle davon wirklich ausgearbeitet, dafür sind das einfach zu viele. Aber es gibt doch genügend Geschichten, die Arévalo da zu erzählen. Die müssen auch nicht zwangsläufig etwas mit dem Unglück oder dem Musizieren zu tun haben, da geht es auch oft um Zwischenmenschliches. So klingt das Leben ist so ein humorvolles Werk geworden, das zuweilen auch zu Herzen geht. Gerade dieser gemeinschaftliche Aspekt tut auch gut, der Film ist eine echte Wohlfühlkomödie geworden. Dass davon das meiste vorhersehbar ist, stört nicht weiter. Hier darf man einfach mal wieder etwas Hoffnung schöpfen und das Gefühl haben, dass alles wieder gut werden kann, mit ein bisschen Hilfe von anderen.
OT: „Rondallas“
Land: Spanien
Jahr: 2025
Regie: Daniel Sánchez Arévalo
Drehbuch: Daniel Sánchez Arévalo
Musik: Federico Jusid
Kamera: Rafa García
Besetzung: Javier Gutiérrez, María Vázquez, Judith Fernández, Tamar Novas, Carlos Blanco, Fer Fraga, Xosé A. Touriñán, Marta Larralde, Lola López Rodríguez
San Sebastian 2026
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