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Meine Schwester und ich

„Meine Schwester und ich“ // Deutschland-Start: 15. Juni 1954 (Kino) // 12. Juni 2026 (BluRay)

Inhalt / Kritik

Nachdem ihre Mutter den etwas exzentrischen Ehemann, Prinz Esch-Königsborn (Paul Hörbiger), verlassen hat, ist Prinzessin Maria Christine (Sonja Ziemann) bei der Frau Mama in Argentinien aufgewachsen. Nun ist die Mutter gestorben, und da die Prinzessin mittlerweile im heiratsfähigen Alter ist, möchte sie dem letzten Wunsch ihrer Erzeugerin nachkommen und König Peter Serge VI. von Slowenien (Willy Trenk-Trebitsch alias William Trenk) heiraten. Dazu reist sie zum ersten Mal seit Jahren wieder zu ihrem Vater, der ein sehr bescheidenes Leben führt und sich in erster Linie seiner Bienenzucht widmet. Da Maria Christine ihren Gefolgsleuten, dem Ministerpräsidenten Graf Kollinoff (Werner Fuetterer) und der Baronin (Lici Balla), inkognito vorausfährt, macht sie die Bekanntschaft mit dem charmanten Ingenieur Rudi Becker (Adrian Hoven), der sie für eine gewöhnliche Schuhverkäuferin hält – und sich in sie verliebt. Auch Maria Christine entwickelt Sympathien für den jungen Mann, zumal sie ihren zukünftigen Gatten noch nie gesehen hat und die bevorstehende Bindung lediglich politische Zwecke verfolgen soll.

Inkognito unterwegs

Den Namen Ralph Benatzky (1884-1957) dürften die meisten sicherlich mit einem Singspiel verbinden, das auch knapp 100 Jahre nach seinem Entstehen noch unglaublich populär ist: Im weißen Rössl feierte seine Uraufführung 1930 in Berlin und war die musikalische Weiterentwicklung eines Alt-Berliner Lustspiels, das bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstanden war. In der Version von Benatzky, in der so bekannte Lieder wie „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ oder „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“ zum Einsatz kamen, wurde die Komödie als Operette zu einem wahren Dauerbrenner. Unzählige Verfilmungen, Adaptionen und Weiterentwicklungen bis ins 21. Jahrhundert haben den Stoff am Leben gehalten. Ebenfalls 1930 entstand eine weitere Benatzky-Operette, die sich anhaltender Beliebtheit erfreute: Meine Schwester und ich. Bereits 1933 wurde die Geschichte erstmals für die Leinwand adaptiert. Diese Fassung von Karl Hartl mit Liane Haid und Willi Forst trug den Titel Ihre Durchlaucht, die Verkäuferin, was das Verwirrspiel noch etwas deutlicher auf den Punkt brachte. Bevor das Fernsehen den Stoff für sich entdeckte und 1956 und 1975 Versionen realisieren ließ, entstand Paul Martins Kinofassung aus dem Jahr 1954.

Die beiden Hauptdarsteller, die sich Martin für sein ziemlich vorhersagbares Verwechslungsspiel mit Gesangseinlagen auserkoren hatte, waren 1954 auf dem Gipfel ihrer Popularität angelangt. Sonja Ziemann war vier Jahre zuvor als Schwarzwaldmädel zu einer der populärsten Darstellerinnen des bundesdeutschen Nachkriegskinos aufgestiegen. Ihr Partner Adrian Hoven erlebte im selben Jahr seinen Durchbruch an der Seite von Hans Albers und Lieselotte Pulver in Föhn. Die beiden Stars der 1950er Jahre sollten in den folgenden Jahrzehnten noch ganz unterschiedliche Karrierewege einschlagen. Ziemann schaffte es als Leading Lady in internationale Produktionen (Verpfiffen neben Terry-Thomas und Die geheimen Wege mit Richard Widmark), während Hoven nach seiner Phase als Heimatfilm-Sonnyboy ins Regiefach wechselte und Genremixe aus Horror und Erotik inszenierte wie Der Mörder mit dem Seidenschal oder Im Schloß der blutigen Begierde. Seine Renaissance erlebte Hoven schließlich in den Werken des Autorenfilmers Rainer Werner Fassbinder, der sich gerne bei den ehemaligen Stars des Nachkriegs-Heimatfilms bediente und auch Rudolf Lenz oder Karlheinz Böhm beachtliche Comebacks bescherte. Meine Schwester und ich hat nur wenig Volkstümliches, bedient aber ein ähnlich verstaubtes und schon 1954 aus der Zeit gefallenes Weltbild.

Die praktische Zwillingsschwester

Die von Sonja Ziemann gespielte Prinzessin hat nie über unterschiedliche Gesellschaftsschichten nachgedacht, die Ehe mit einem König, den sie noch nie persönlich getroffen hat, möchte sie aus Liebe zu ihrer Mutter eingehen und hinterfragt dieses Arrangement nicht. Es bedarf eines charmanten jungen Mannes, um dem 19-jährigen Mädchen zu zeigen, dass es auch so etwas wie Liebe gibt, und damit einen viel besseren Heiratsgrund. Bei der ersten Begegnung zwischen Ziemann und Hoven stimmen die beiden das Lied Wer du bist, das will ich gar nicht wissen an, so dass zumindest der Zuschauer schon weiß, dass hier nicht mit offenen Karten gespielt wird. Der Prinzessin gefällt es, dass Rudi Becker Interesse an ihr zeigt, ohne zu wissen, dass sie adligen Geblüts ist. Als die erste offizielle Begegnung der beiden unter richtigem Namen dann deutlich kühler ausfällt, ist die Prinzessin gezwungen, ihre eigene Zwillingsschwester zu erfinden.

Die damit einsetzenden Verwicklungen sind zwar nicht sonderlich originell, verhelfen der Geschichte dann aber zu deutlich mehr Drive. Die fiktive Zwillingsschwester muss nach wie vor Schuhverkäuferin sein, weswegen sich die Prinzessin von Fritz Huber (Rudolf Platte) anheuern lässt – bzw. diesen bezahlt, um in seinem Schuhgeschäft arbeiten zu können. Dank Platte und der von Herta Staal gespielten Kollegin Irma wird Meine Schwester und ich dann deutlich witziger, da die beiden in ihren Charakterrollen einmal mehr glänzen dürfen. Auch Werner Fuetterer ist auch heute noch für so manchen Schmunzler gut, wenn er als aristokratischer Ministerpräsident stets die Form zu wahren versucht, während er doch merkt, dass ihm alle Felle davonschwimmen. Unerwartet sind darüber hinaus einige kleine Spitzen gegen die jüngere Vergangenheit (tausendjähriges Reich, Kalter Krieg, Luftbrücke), die wohl Ernst Neubach als Dialogautor ins Drehbuch einfließen ließ.

Die BluRay-Erstveröffentlichung des Films aus dem Jahr 1954 bietet nach dessen Digitalisierung ein sehr gutes Schwarz-Weiß-Bild (im Vollbildformat 1,33:1) und einen stets gut verständlichen deutschen Originalton (im DTS HD Master Audio 2.0 Mono). Wie bei den meisten Veröffentlichungen von One Gate hat man auch in diesem Fall auf die Beigabe von Bonusmaterial komplett verzichtet.

Credits

OT: „Meine Schwester und ich“
Land: Deutschland
Jahr: 1954
Regie: Paul Martin
Drehbuch: Jacques Companéez, Joseph Than
Musik: Ralph Benatzky, Friedrich Schröder
Kamera: Albert Benitz
Besetzung: Sonja Ziemann, Adrian Hoven, Herta Staal, Paul Hörbiger, Rudolf Platte, Werner Fuetterer, Willy Trenk-Trebitsch

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fazit
Ein ziemlich vorhersagbares und nur wenig volkstümliches Verwechslungsspiel mit Gesangseinlagen, das aber ein ähnlich verstaubtes und schon 1954 aus der Zeit gefallenes Weltbild bedient. Die in der zweiten Hälfte einsetzenden Verwicklungen sind zwar nicht sonderlich originell, verhelfen der Geschichte dann aber zu deutlich mehr Drive.
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