Nie allein
© MRP Matila Röhr Productions Oy/Andres Teiss
„Nie allein“ // Deutschland-Start: 5. Februar 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Der jüdische Unternehmer Abraham Stiller (Ville Virtanen) hat es als Inhaber eines Mode- und Textilgeschäfts in Helsinki zu etwas gebracht. Und diesen Einfluss will er nutzen, als andere Juden und Jüdinnen Ende der 1930er nach Finnland auswandern wollen, aus Angst vor der Verfolgung in Deutschland. Doch das wird mit der Zeit immer schwieriger, da sich auch in Finnland die Situation immer weiter verschärft und die antisemitische Stimmung in der Politik, aber auch der Bevölkerung zunimmt. Anfangs betreffen diese Entwicklungen lediglich Menschen aus dem Ausland, die nach Nordeuropa fliehen wollen. Aber je mehr sich die Lage zuspitzt, umso größer wird die Gefahr auch für die jüdischen Einheimischen – und umso folgenreicher wird der Kampf von Stiller …

Rückblick auf eine schwierige Zeit

Innerhalb des umfangreichen Filmangebots rund um den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg gibt es nicht nur die Titel, die von den Opfern und Tätern berichten, sondern Menschen in den Mittelpunkt stellen, die anderen geholfen haben. Gerade das Thema Judenverfolgung hat eine Reihe von Werken hervorgebracht, bei denen die Hauptfigur auf die eine oder andere Weise eingriff, entweder indem sie die Verfolgten versteckte oder zur Flucht verhalf. Das bekannteste Beispiel ist zweifelsfrei der mit diversen Oscars ausgezeichnete Kinohit Schindlers Liste. Aber auch Die schwedische Verbindung oder Transatlantic bewegten sich in diesem thematischen Umfeld. Mit Nie allein ist dieses Jahr ein weiteres Beispiel hinzugekommen.

Man würde der europäischen Coproduktion aber nicht gerecht werden, wenn man sie darauf reduziert, eine ähnliche Geschichte zu erzählen. Tatsächlich bewegt sie sich in eine andere Richtung, als man bei dem Thema denken würde. Schon bei dem Einstieg ahnt man, dass Nie allein keine dieser typischen Heldengeschichten ist, die man in diesem Bereich so oft findet. Als Rahmenhandlung setzt Regisseur und Co-Autor Klaus Härö (My Sailor, My Love) auf eine Interviewsituation zwischen dem Protagonisten und einer Journalistin, die Jahre später stattfindet. Vergleichbar etwa zu Millennium Actress blickt Stiller auf sein Leben zurück, wo ebenfalls ein solches Interview den Rahmen bildet, gibt es Flashbacks und Erzählungen.

Keine typische Heldengeschichte

Ganz so kunstvoll verschränkt ist das hier zwar nicht. Härö arbeitet mit eher plumpen Kontrasten, wenn er Farbe gegen Schwarzweiß setzt. Inszenatorisch ist der Film nicht so wirklich aufregend geworden, da hätte man sicherlich noch etwas mehr Kreativität beweisen dürfen. Die Ausstattung ist dafür ganz atmosphärisch, zumindest im Rahmen dessen, was man realistisch erwarten kann.  Auf den ersten Blick ist Nie allein deshalb ein ziemlich gewöhnliches Historiendrama, welches durch kein Element wirklich hervorsticht. Hauptdarsteller Ville Virtanen (Danke, es tut mir leid) erledigt seine Aufgabe ordentlich, ohne dass es einem aber zu sehr in Erinnerung bleiben würde.

Inhaltlich ist der Film dafür deutlich interessanter. So handelt er nicht nur von den einzelnen Maßnahmen des Protagonisten, sondern auch den Folgen, die diese haben. Zu viel vorwegnehmen sollte man nicht, da sich die Ereignisse schon überschlagen und sich das alles anders entwickelt als gedacht. Eine Frage in Nie allein ist dann auch, inwieweit man eine Schuld trägt, wenn man durch andere ausgenutzt wurde. Während die meisten Filme über solche Retter in erster Linie Hommagen sind an den großen Mut einzelner Personen, ist das hier alles deutlich ambivalenter. Statt offener Bewunderung gibt es vielmehr offene Fragen, über die es sich nachzudenken lohnt.

Credits

OT: „Ei koskaan yksin“
Land: Finnland, Deutschland, Österreich
Jahr: 2025
Regie: Klaus Härö
Drehbuch: Klaus Härö, Jimmy Karlsson
Vorlage: Rony Smolar
Musik: Matti Bye
Kamera: Robert Nordström
Besetzung: Ville Virtanen, Nina Hukkinen, Satu Tuuli Karhu, Rony Herman, Naemi Latzer, Rafael Simson Gouveia, Kari Hietalahti, Hannu-Pekka Björkman

Bilder

Trailer

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Nie allein
fazit
„Nie allein“ handelt von einem jüdischen Geschäftsmann in Finnland, der während des Zweiten Weltkriegs anderen helfen wollte. Umgesetzt ist das Drama ziemlich konventionell. Inhaltlich ist es aber ganz interessant, weil es keine eindeutige Heldenverehrung ist, wie man sie aus thematisch ähnlichen Filmen kennt.
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