Autor Rouven Linnarz im Gespräch mit Hauptdarstellerin Caro Braun und Regisseur Markus Schleinzer

Markus Schleinzer / Caro Braun [Interview]

Mit Rose, uraufgeführt auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin und seit dem 30. April 2026 in den deutschen Kinos zu sehen, setzt Markus Schleinzer seine Auseinandersetzung mit Körper, Macht und gesellschaftlicher Ordnung fort. Schon in Michael sezierte er mit kühler Präzision menschliche Abgründe; auch Rose ist von einer formalen Strenge geprägt, die weniger erklärt als beobachtet – und gerade darin ihre verstörende Wirkung entfaltet.

Eine zentrale Rolle übernimmt Caro Braun als Suzanna, deren Figur sich in einem Geflecht aus sozialen Erwartungen und persönlichem Begehren behaupten muss. Braun verleiht dieser Spannung eine physische Präsenz, die weit über gesprochene Dialoge hinausgeht. Im Gespräch reflektieren Regisseur und Darstellerin über die Entstehung des Films, die Arbeit mit Reduktion – und darüber, wie nah ein historischer Stoff an gegenwärtige Fragen von Identität und Zugehörigkeit heranreichen kann.

Im Interview sprechen Caro Braun und Markus Schleinzer über die Epoche, in der Rose spielt, inwiefern er Geschlechterrollen thematisiert und wie er inszeniert ist.

Rose ist ein Film, der in einer konkreten historischen Epoche verankert ist, aber zugleich sehr aktuell erscheint. War euch von Anfang an klar, dass der Film als Kommentar auf heutige Themen wie Geschlechterrollen und Identität verstanden werden kann?

Markus Schleinzer: Das war von Anfang an klar. Welchen Sinn hat ein Historienfilm, wenn man nicht auch die Gegenwart verhandelt? Dann müsste man schon eine Dokumentation machen oder eine wissenschaftliche Arbeit schreiben, wenn man nur Vergangenes abbilden möchte.

Der historische Film ist eigentlich ein Trickbetrug. Man nimmt sein Publikum mit auf eine Eisfläche, zeigt alles in Schwarz-Weiß, was schön anzuschauen ist, und erzählt dabei ein kleines, schreckliches, herrliches Drama. Auf einmal wird das Eis dann dünner oder brüchiger, wenn man erkennt, dass hier eigentlich die Gegenwart verhandelt wird. Dabei ist es interessant oder erschreckend zu sehen, dass es nach wie vor Themen und Konflikte gibt, die wir in all der Zeit nicht gelöst haben. Manchmal gibt es auch keinerlei Versuche, diese zu lösen oder gar zu diskutieren.

Rose ist jetzt mein insgesamt dritter Film. Michael, Angelo und jetzt Rose handeln davon, dass wir als Gesellschaft immer diese „Anderen“ brauchen, die wir in irgendwelche Ecken schieben, damit sich Eliten bilden können, die sich von diesen „Anderen“ abheben. Rose handelt von einer Frau, die etwas leben möchte, das andere Menschen bereits als selbstverständlich erachten.

In der Auseinandersetzung mit dem Thema habe ich erst gemerkt, was Freiheit für mich bedeutet. Freiheit ist nur ein Sehnsuchtsbegriff, solange man ihn nur denken muss, denn in dem Moment, in dem man sie erlangt und sie selbstverständlich wird, löst sich das auf. Die Staatsform, in der wir leben, erscheint uns ebenfalls als selbstverständlich, was uns blind dafür macht, dass sie vielleicht bedroht ist und beschützt werden muss. Das sehen wir in vielen westlichen Gesellschaften wie den USA, wenn den Menschen Rechte und Freiheiten genommen werden, die sie bis dahin als selbstverständlich erachtet haben. Es braucht nur ein Feindbild und eine entsprechende Rhetorik.

Natürlich existiert Freiheit nicht ohne gewisse Grenzen, aber wir haben ein System geschaffen, das es uns erlaubt, frei miteinander zu leben.

Gab es für Rose und Suzanna konkrete historische Vorbilder?

Caro Braun: Es gab ganz unterschiedliche historische Vorbilder. Zu der Zeit, in der Rose spielt, gab es ganz viele, besonders im protestantischen Raum. Katholische Frauen wurden recht schnell verheiratet und hatten gar nicht die Zeit, sich über die Themen, die Rose und meine Figur beschäftigen, Gedanken zu machen.

Hinzu kam, dass das Raster relativ klar war. Eine Hose zu tragen war ein Zeichen dafür, dass man ein Mann war, was natürlich heutzutage nicht mehr funktioniert. Entsprechende Kleidung konnte dazu dienen, dass man sich als Mann ausgeben konnte, und es wurde weniger infrage gestellt. Heute müsste ich dies noch beschreiben oder meinem Umfeld mitteilen, dass ich als Mann angesehen werden möchte. Nur weil ich eine Hose und eine Weste trage, werde ich noch lange nicht als Mann wahrgenommen.

In der Zeit, in der Rose spielt, wurde man aufgrund von Äußerlichkeiten schnell in eine Schublade gesteckt. Wenn man die Brust nicht sah oder diese abgeschnürt war, man eine Weste und eine Hose trug, konnte eine Frau als Mann durchgehen.

Markus Schleinzer: Die Symbole waren damals ganz andere und wurden als Wahrheit akzeptiert. Die Hose als Bekleidungsstück ist erst vor etwa 110 Jahren so nach vorne gedrungen. Als Frauen in den 1980er-Jahren begannen, Führungspositionen zu bekleiden, mussten sie Hosenanzüge anziehen, was dann verdeutlichte, dass hier ein Wandel stattgefunden hatte, der weit über die Wirtschaft hinausging. Ich habe erst kürzlich ein Video auf YouTube gesehen, in dem es um eine Befragung von Männern bezüglich Mode und Kleidungsstil ging. Viele der Befragten meinten, dass sie eine Frau, die eine Hose trägt, als weniger weiblich sehen würden und sie den Minirock bevorzugten.

Ich verstehe Rose als eine Geschichte über eine Betrügerin im positiven Sinne. Wir kennen Geschichten wie David gegen Goliath oder Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, doch es gibt kaum weibliche Figuren, die ihr Umfeld ähnlich zum Narren gehalten hätten. Dabei hat es sie gegeben – sie wurden nur aus dem Kanon herausgeschrieben. Ich wollte mit Rose ein Drehbuch schreiben und einen Film drehen, der so tut, als habe es diese Frauenfiguren schon immer in unserer Kultur gegeben. Aspekte wie die Erzählerstimme implizieren, dass die Geschichte auf einem Roman oder einem Ereignis beruht, von dem man bislang nichts gehört hat oder das über viele Jahrhunderte in Vergessenheit geraten war.

Bei unserer Recherche sind wir immer wieder auf Frauenfiguren gestoßen, die als Mann gelebt haben – in sehr unterschiedlichen Kulturen und historischen Zusammenhängen. Auf dem Balkan gibt es diese sogenannten „sworn virgins“, die von ihrer Familie ausgewählt werden, als Mann zu leben, sofern es keine männlichen Nachkommen gibt. In Afghanistan gibt man Mädchen teilweise die Möglichkeit, bis zu ihrem neunten Lebensjahr als Junge zu leben, bevor sie dann in das Korsett der deutlichen Geschlechterrolle gepresst werden.

Welche Symbole gibt es außerdem?

Markus Schleinzer: Sandra Hüllers Figur sagt in Rose einmal, dass die Hose ja auch nicht mehr sei als ein Stück Stoff, aber für ihr Umfeld ist sie eines von vielen Indizien für Männlichkeit.

Ich denke aber auch an Geld und Besitz als Symbole. Anfang der 1970er-Jahre ist in Österreich erst das Recht auf einen eigenen Wohnungsschlüssel für Frauen verankert worden. Dass Frauen beispielsweise ohne Anwesenheit ihres Ehemannes oder Vaters Verträge unterschreiben dürfen, war auch lange keine Selbstverständlichkeit. In der Medizin verabreichen wir bis heute Frauen Medikamente, die eigentlich für den Männerkörper entwickelt wurden. Mittlerweile gibt es Studien über die Langzeitschäden, die diese Medikamente für Frauen haben können.

In Rose stehen zwei Frauen im Mittelpunkt, die nach Freiheiten streben, welche ihnen die Gesellschaft aufgrund ihres Geschlechts verwehrt. Die Geschichte beleuchtet dieses Thema in übergeordneter Weise, denn wir alle können es nachvollziehen, wenn jemand nach Freiheiten strebt, die andere für selbstverständlich oder logisch halten.

Für Rose sind es Besitz und Geld, die ihr Freiheit geben und sie zu einem Teil der Gemeinschaft machen. Wie würdest du Freiheit in Bezug auf deine Figur Suzanna interpretieren?

Caro Braun: Ich glaube, sie findet diese Freiheit erst in sich. Man beobachtet jemanden und hat das Gefühl, da kann jemand etwas ausleben, zu dem mir der Zutritt verwehrt ist. Rose nimmt sich das einfach – und zwar mit einem gewissen Selbstbewusstsein und einer Selbstverständlichkeit, die für Suzanna sehr inspirierend ist.

Aber bei Suzanna gibt es noch eine andere Ebene. Sie trägt ein Kind in sich, das aus einem lustvollen Moment entstanden ist. Sie hat sich also schon einmal über das hinausgewagt, was die Gemeinschaft um sie herum als moralisch und rein betrachtet.

Was sie und Rose verbindet, geht weit über das Ehegelübde hinaus. Das ist ja ein patriarchales Konzept, wie es ihnen in der Gemeinschaft vorgelebt wird. Sie verteidigen keine Ehe, sondern eine Augenhöhe, die ihr in einer Ehe, wie sie sie sonst erlebt hätte, verwehrt gewesen wäre.

Markus Schleinzer: Ich denke, deine Figur hat einfach weniger Zeit, diese Freiheit auszuleben. Sandras Figur hat da schon etwas mehr Zeit und ist weiter vorgedrungen. Ich habe immer das Gefühl, Suzanna kann gerade daran kratzen, diese Normen zu verändern, die bislang ihr ganzes Leben bestimmt haben. Rose ist da schon mehr am Gestalten, hat einen Hof und Besitz und erlebt dadurch schon jeden Tag die Freiheit, die dies alles mit sich bringt.

Man fragt sich immer wieder, was wohl aus dieser Figur noch geworden wäre. Hätte sie eine Unternehmerin werden können? Hätte sie ein Geschäft eröffnet? In der kurzen Zeit, in der ihr diese Freiheit gegeben ist, wird eine ungeheure Energie freigesetzt. Wie war das denn für dich? Hast du während oder nach dem Film über Themen wie Geschlechterrollen nachgedacht?

Eigentlich eher später, denn gerade Suzanna ist beispielsweise Lady Macbeth sehr ähnlich. Auch sie weiß um die Freiheit, die gesellschaftlicher Aufstieg bedeutet, und ist gewillt, dafür alles zu tun – auch einen Mord zu begehen. Suzanna begeht zwar keinen Mord, doch sie begreift durchaus, was es heißt, innerhalb eines Systems, das sie immerzu versucht, kleinzuhalten, Freiheit zu erlangen und zu verteidigen.

Markus Schleinzer: Das ist ein interessanter Vergleich. Im ersten Moment macht Suzanna ja das, was viele wahrscheinlich tun würden: Sie übt Macht aus. Als Rose Schwäche zeigt, bekommt sie eine ungemeine Energie. Wenn sie Rose in die Kirche führt und sich dem Rest der Gemeinschaft zeigt, dann steigt sie auf. Sie übt Macht aus, um Freiheit zu erlangen, obwohl eine Augenhöhe, wie Caro meint, erstrebenswerter wäre.

Caro Braun: Im Falle Lady Macbeths ist es die Frage, ob man ihr eine Bösartigkeit unterstellt oder den Versuch, etwas zu erhalten, was für sie gut funktioniert. Für eine Frau in der damaligen Zeit ist es fast unmöglich, eine Verbindung zu finden, in der man Freiheit leben kann, sodass sie wie auch Suzanna mit ihren Mitteln dafür kämpfen, diese Freiheit zu behalten oder gar zu erweitern.

Rose ist ein Film, der sehr ruhig inszeniert ist, aber gerade dadurch paradoxerweise ein gewisses Unbehagen beim Zuschauer hervorruft. Könnt ihr etwas zur Inszenierung des Films sagen?

Markus Schleinzer: Dieser Stil, von dem du sprichst, ist einfach einer, der mir entspricht. Ich mag es nicht, dass man durch gewisse Effekte das Publikum manipuliert, beispielsweise durch laute Musikeinsätze oder schnelle Schnittfolgen. All dies braucht es nicht, denn gerade durch eine gewisse Ruhe in der Inszenierung kann man Gefahr oder Gefährlichkeit sehr viel wirkungsvoller zeigen. Von den Menschen, die am ruhigsten sind, geht die meiste Gefahr aus – das kennen wir doch aus unserer Welt.

Ich komme vom Theater, und ich liebe es, Menschen beim Entwickeln von Situationen zuzuschauen. Es ist auch toll, wenn du als Zuschauer die Möglichkeit hast, dorthin zu schauen, wo du willst, ohne dabei von einer Inszenierung gelenkt zu werden. Natürlich kann man so etwas Wichtiges verpassen, aber so ist es ja auch im wahren Leben. Hannah Arendt sprach einmal vom „Denken ohne Geländer“, bei dem man dem Menschen nicht vorschreibt, was er oder sie zu denken hat. Kurz gesagt: Ich mag es nicht, jemandem vorzuschreiben, wie man in einer Szene zu fühlen hat.

Ich habe das Gefühl, vieles von dem, was wir heute konsumieren, ist stark auf seine Verpackung ausgerichtet. Als Kind mochte ich es nicht, wenn Geschenke verpackt waren, denn vielleicht ist das, was verpackt wurde, eigentlich gar nicht so schön oder gar eine Enttäuschung. Beim Film erklingen an einer Stelle sentimentale Geigen und kündigen einen dramatischen oder traurigen Moment an, während seltsame Klänge bereits das Monster um die Ecke vorwegnehmen.

Letztendlich glaube ich an den mündigen Zuschauer. Das Publikum kann selbst Erfahrungen machen und benötigt keinerlei oder nur wenig Lenkung meinerseits.

Inwiefern beeinflusst diese Herangehensweise das Schreiben der Geschichte?

Markus Schleinzer: Meine Filme sind gearbeitet wie geschrieben. Ich weiß beim Schreiben des Drehbuchs schon, wie ich eine Geschichte auflösen werde. Wenn man das Drehbuch liest, ergibt sich von allein, wann beispielsweise ein Schnitt erfolgen muss.

Darüber hinaus bin ich ein Freund einer genauen Vorbereitung. Es gibt nicht viel Raum für Improvisation, weil vorher schon alles geprobt und vorbereitet wurde. Daher brauche ich meist auch nicht sehr viele Takes bei einer Einstellung. Dadurch hat man eine gewisse Ruhe am Set wie auch bei den Dreharbeiten zu Rose.

Was soll der Zuschauer aus Rose mitnehmen und wie waren die bisherigen Publikumsreaktionen auf den Film?

Caro Braun: Ich finde es sehr skurril, wenn bei einigen Szenen des Films gelacht wird. Der Moment, in dem ich als Suzanna ihre Depression spiele und mir dann eine Blume ans Ohr gesteckt wird, ist so einer, bei dem das Berlinale-Publikum gelacht hat. Im ersten Moment ist man dann als Schauspielerin irritiert, doch jede Reaktion auf den Film, die nach außen geht, ist erst einmal gut. Lachen kann auf sehr unterschiedliche Weise wirken, und man kann ja später über das Gesehene nachdenken. Vielleicht sieht das Publikum etwas Hoffnungsvolles in einem Moment, der für die Figur eigentlich das Gegenteil bedeutet oder in dem sie anders empfindet.

Das Publikum reagiert mit solchen Reaktionen auf die hoffnungsvollen Momente in Rose. Wenn sie übers Feld laufen oder im Wald Blätter essen, sind das Augenblicke, in denen eine Utopie möglich und greifbar wird. In Roses und Suzannas Welt gibt es die Gesellschaft, die ihnen diese Momente nicht gönnt. Von daher ist es schön zu sehen, wenn das Publikum auf diese Momente reagiert und sie geglückt sind.

Außerdem finde ich es wichtig, dass man mitnimmt, dass es in Rose um Narration geht – also darum, wie wichtig es ist, von sich selbst zu erzählen. Im Film ist einmal die Rede von diesem Flugblatt, in dem die Geschichte der beiden erzählt wird, doch das ist eben nicht ihre Geschichte. Sie werden darin als kriminell dargestellt, also so, wie es dem System gerade passt.

Es ist wichtig, nicht eine Deutung zu übernehmen, sondern seiner eigenen Intuition zu folgen und für die Menschenrechte anderer einzustehen – besonders dann, wenn sie nur respektiert werden wollen.

Markus Schleinzer: Rose ist ein Film über Selbstermächtigung. Es ist eine Geschichte über jemanden, der das tut, um Veränderungen herbeizuführen. Rose bricht Regeln, und das muss sein, denn nur so kann Veränderung stattfinden. Manchmal fällt das Neue, das diese Menschen eingeleitet haben, nicht auf – weil es vielleicht zunächst zu klein ist, um wahrgenommen zu werden. Aber es ist da. Diese Menschen, die uns Gutes gebracht haben, nennen wir dann später Pioniere, obwohl sie zu ihrer Zeit wahrscheinlich als Wahnsinnige galten. Aber das mussten sie aushalten für das, was sie bewegen wollten.

Den eigenen Platz im Leben zu finden ist eine schwierige Aufgabe. Keiner von uns kann sich dieser Herausforderung entziehen. Das braucht sehr viel Kraft, doch im Moment habe ich das Gefühl, dass wir als Gesellschaft immer anfälliger für Manipulation und Fremdbestimmung werden. Auch soziale Medien haben in diesem Zusammenhang einen nicht immer positiven Einfluss.

Ich habe das Gefühl, dass wir uns als Gesellschaft dabei sind abzuschaffen. Wir sind gerade dabei, Freiheiten ab- oder aufzugeben, für die in der Vergangenheit erbittert gekämpft wurde.

Was mich ungemein freut, ist, dass Rose die Menschen noch nachhaltig beschäftigt. Wir stehen noch am Anfang der Kinotour mit dem Film, doch wir hören das immer wieder von Zuschauern. Ich finde es toll, dass der Film im Publikum so verschiedene Reaktionen und Emotionen auslöst. In einer Zeit, in der sich viele gerne eher ablenken lassen, bedeutet mir so eine Reaktion sehr viel.

Caro Braun: Dabei macht es der Film einem nicht einfach. Die Beziehung zwischen Suzanna und Rose steht im Kontrast zu jenen Beziehungen, die wir aus dem Mainstream-Kino in Deutschland kennen. Vieles bleibt ungesagt oder der Vorstellung des Zuschauers überlassen.

Die Menschen beschäftigt dieser Film. Manche trauen sich nicht, nach dem Film im Kinosaal vor dem Rest des Publikums Fragen zu stellen. Dann kommen sie aber nach der Vorstellung direkt zu uns, und es entstehen meist interessante Gespräche.

Markus Schleinzer: Das mag jetzt hochtrabend klingen, aber ich denke, der Film wirkt katalytisch auf viele Zuschauer. Rose ist bestimmt schön anzuschauen – die ruhige Erzählweise und die schwarz-weißen Bilder. Ich glaube jedoch, der Film trifft einen genau wegen der Wechselwirkung dieser Aspekte und der Themen entweder direkt oder erst viel später, wenn man wieder zu Hause ist.

Durch diese Bilder wurde auch mein Interesse für den Film geweckt. Sandra Hüllers Figur erinnert mich ein wenig an Maria Falconetti in Carl Theodor Dreyers Die Passion der Jungfrau von Orléans.

Markus Schleinzer: Da muss ich zugeben, dass wir das geklaut haben (lacht). Als Filmnerd habe ich mir alles angesehen, was die Filmgeschichte in puncto Crossdresser zu bieten hat, und da kommt man an Maria Falconetti als Jeanne d’Arc einfach nicht vorbei. Diese Figur beschäftigt die Filmgeschichte nach wie vor, wenn man allein bedenkt, wie viele unterschiedliche Verfilmungen des Stoffes – von Bresson bis hin zu Besson und Fleming – es schon gegeben hat. Ich fand es toll, darauf Bezug zu nehmen, was man beispielsweise an Sandras Kostüm im letzten Drittel des Films sieht, da es sich mehr und mehr dem der Falconetti in Dreyers Film annähert. Ich weiß gar nicht, ob Sandra das bewusst war.

Vielen Dank für das tolle Gespräch.



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