
Für die Schafe von George Hardy (Hugh Jackman) ist es der eindeutige Höhepunkt jeden Tag, wenn er ihnen vor dem Schlafengehen aus einem seiner Krimis vorliest. Gebannt warten sie immer darauf, wie die Geschichten wohl ausgehen werden und wer den Mord begangen hat. Nur Lily, das klügste Schaf der Welt, weiß schon vorher immer, was die Auflösung ist. Als George eines Tages plötzlich stirbt, weiß sie daher sofort, dass da jemand seine Hände im Spiel hatte. Aber wer könnte ihn nur ermordet haben? Da der Dorfpolizist Tim Derry (Nicholas Braun) keine Erfahrung mit solchen Verbrechen hat und zudem nicht der Hellste ist, beschließen die Schafe, der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Schließlich haben sie durch die tägliche Lesestunde genügend Wissen, das sie jetzt einmal anwenden dürfen …
Gelungene Adaption des Bestsellers
Krimis gibt es natürlich wie Sand am Meer. Und so beliebt dieses Genre ist, muss man sich in dem hart umkämpften Umfeld schon etwas einfallen lassen, um irgendwie aus der Masse hervorzustechen. Die deutsche Schriftstellerin Leonie Swann hatte eine ebenso einfache wie abwegige Idee: Sie ließ einfach Schafe den Mord aufklären und erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive. Die Idee zahlte sich aus, der 2005 veröffentlichte Roman Glennkill wurde zu einem weltweiten Bestseller. 2010 folgte mit Garou sogar ein zweiter Teil, der erzählt, wie es mit den Schafen weiterging. Kein Wunder also, dass irgendwann die Idee aufkam, daraus einen Film zu machen. Bis daraus auch ein fertiges Werk wurde, dauerte es sehr lange, was selten ein gutes Zeichen ist. Umso größer – und freudiger – ist die Überraschung, wie gelungen das Ergebnis ist.
Eins vorweg: Große Fans der Vorlage müssen sich daran gewöhnen, dass der Film zwar das Konzept des Romans aufgreift, daraus aber etwas Eigenes macht. Das fängt schon damit an, dass das ermittelnde Schaf umbenannt wurde: Aus Miss Maple, eine Anlehnung an Miss Marple von Agatha Christie, wurde Lily. Schäfer George stirbt auf eine andere Weise, das Motiv für den Mord ist ein anderes, vermutlich, um eine jüngere Zielgruppe ansprechen zu können. Auffällig ist auch, wie Glennkill: Ein Schafskrimi bei der Perspektive hin und her springt. War das Original recht konsequent aus der Sicht der Schafe erzählt, was einen großen Teil des Reizes ausmachte, da sind die Menschen hier deutlich prominenter in Szene gesetzt. Ein Manko ist Letzteres nicht, was auch an der blendend aufgelegten Besetzung liegt. Vor allem Nicholas Braun ist als überforderter Polizist eine echte Bereicherung.
Voller Herz und Humor
Der Charme und Witz der Idee ist jedoch geblieben. So baut der Film auf das Prinzip, das man durchaus immer mal wieder in Krimis findet, gerade den humorvolleren: Jemand, der keine Ahnung von Verbrechen hat, muss dieses lösen. Bei Glennkill: Ein Schafskrimi wird das aber noch verstärkt, weil die vierbeinigen Hauptfiguren die Menschenwelt insgesamt nicht wirklich verstehen und deshalb Handicaps mitbringen, die man sonst eher nicht findet. Der Humor ist dann vielleicht nicht sehr anspruchsvoll, zumal die eine oder andere Slapstickszene dabei ist – Regisseur Kyle Balda ist nun einmal für die Minions bekannt. Aber es macht doch immer wieder Spaß, wie die Tiere versuchen, aus dem schlau zu werden, was sie sehen, oder wie die Menschen sich über die Schafe wundern, die sich so seltsam verhalten.
Kombiniert wird diese liebenswürdig-schräge Dorfkomödie mit einigen emotionalen Momenten, die tatsächlich funktionieren. Das betrifft einerseits die Menschen, allen voran Rebecca (Molly Gordon), die Tochter des Mordopfers. Eine der schönsten Szenen überhaupt handelt aber tatsächlich von den Schafen, wenn wir durch Mopple – das einzige Schaf, das nicht alles vergisst –, eine ebenso herzerweichende wie tröstliche Erkenntnis haben. Insgesamt ist Glennkill: Ein Schafskrimi dann auch ein wundervoller Film geworden, der als Krimi zwar ein fluffiges Leichtgewicht ist, der aber so viel Herz und Humor hat, dass es fast unmöglich ist, ihn nicht zu lieben.
OT: „The Sheep Detectives“
Land: USA, UK
Jahr: 2026
Regie: Kyle Balda
Drehbuch: Craig Mazin
Vorlage: Leonie Swann
Musik: Christophe Beck
Kamera: George Steel
Besetzung: Hugh Jackman, Nicholas Braun, Nicholas Galitzine, Molly Gordon, Hong Chau, Emma Thompson, Tosin Cole
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