7500

„7500“ // Deutschland-Start: 26. Dezember 2019 (Kino)

Nichts ließ darauf schließen, dass der Flug von Berlin nach Paris in irgendeiner Form ungewöhnlich werden könnte. Der Start ist etwas verspätet, ansonsten aber klappt alles nach Plan – bis eine Gruppe von Terroristen das Flugzeug in seine Gewalt bringt. Pilot Michael Lutzmann (Carlo Kitzlinger) und Co-Pilot Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) gelingt es zwar, das Cockpit wieder unter Kontrolle zu bekommen. Doch dafür haben die Entführer die Passagiere und den Rest der Crew in ihrer Gewalt – darunter Tobias’ Freundin Gökçe (Aylin Tezel), mit der er einen kleinen Sohn hat. Während die Terroristen unentwegt gegen die Tür hämmern und das Leben der anderen bedrohen, liegt es nun an dem jungen Co-Piloten, die Maschine irgendwie sicher zu einem Flughafen zu bringen …

Als 2001 islamistische Terroristen vier Flugzeuge in ihre Gewalt brachten und in einem beispiellosen Akt wichtige Symbole der USA angriffen, war dies für den Westen aus mehreren Gründen ein Schock. Einer davon: Wie kann es derart einfach sein, einen solchen Anschlag auszuführen? Seither hat sich viel getan, in den USA, aber auch anderswo, die Sicherheitsbestimmungen sind heute ganz andere. Unter anderem ist es eben nicht mehr so einfach, in das Cockpit eines Flugzeuges zu gelangen. Umso beunruhigender ist daher 7500, wenn hier gezeigt wird, dass die Mechanismen zwar grundsätzlich greifen, eine absolute Sicherheit dadurch jedoch nicht gewährleistet ist.

Zuerst unscheinbar, dann packend
Inwiefern dieses Vorhaben tatsächlich realistisch ist, das sei mal dahingestellt. Es gelingt Regisseur und Co-Autor Patrick Vollrath, der für seinen Kurzfilm Alles wird gut den Studenten-Oscar erhielt, jedoch sehr gut, diesen Anschein zumindest zu erwecken. Dafür inszeniert der Deutsche, der mit 7500 sein Spielfilmdebüt gibt, seinen Film auf eine sehr dokumentarische Weise. Ganz ruhig, ohne Musik oder sonstige Dramatisierungen, zeigt er den Alltag eines solchen Fluges bei der Vorbereitung. Da wird über Privates geredet, Checklisten abgehakt und sich über Passagiere geärgert, die zu spät zum Boarding kommen. Wer nicht gerade im Vorfeld schon weiß, dass er hier einen Thriller zu sehen bekommt, die dokumentarisch anmutenden einleitenden Minuten würden das kaum erwarten lassen.

Auch später setzt Vollrath auf Minimalismus. Das mag dem Budget geschuldet sein, das bei der deutsch-österreichischen Produktion sicherlich überschaubarer war. Effektiv ist es allemal: 7500 spielt fast ausschließlich in dem Cockpit, der einzige Einblick in das, was in der Maschine vor sich geht, gewährt eine Bordkamera, welche den Raum vor der Cockpittür filmt. Das Publikum ist damit ebenso wie Tobias ein Gefangener, weiß so wie er nicht, was da draußen genau vor sich geht. Das hilft natürlich dabei, sich in die Lage des Piloten hineinzuversetzen und verleiht der Situation eine schön klaustrophobische Spannung. Es führt zudem zu einer fiesen Patt-Situation: Die Terroristen können nicht hinein, Tobias nicht hinaus.

Ein Normalo in einer Ausnahmesituation
Angenehm ist in der Hinsicht auch, dass die Rolle zwar mit einem Superstar besetzt wurde – Joseph Gordon-Levitt, unter anderem aus den Christopher Nolan-Filmen Interstellar und The Dark Knight Rises bekannt –, er hier aber keinen Superhelden spielt. Wo in anderen Entführungsthrillern die Hauptfiguren plötzlich übermenschliche Kräfte in sich entdecken und ganz allein sämtliche Angreifer überwältigen, da ist Tobias zwar souverän, oft aber doch an den Grenze von dem, was möglich ist. Weniger schön ist, dass für die Terroristen mal wieder auf Islamisten zurückgegriffen wurde, denen zudem nicht sonderlich viele Charaktereigenschaften zugesprochen werden. Da wäre sicher auch eine andere Geschichte möglich und wünschenswert gewesen.

Insgesamt ist Vollrath aber ein guter Einstand geglückt. Dem Thriller, der auf dem Locarno Festival 2019 Weltpremiere feierte, geht zum Ende hin zwar ein wenig die Luft aus, schafft es zu vor aber, dank diverser überraschender Wendungen die Spannung hochzuhalten. Eben weil das hier kein Hollywood-Film ist, muss nicht alles gut ausgehen – oder schlecht. Außerdem ringt 7500 dem Publikum einige moralische Überlegungen ab, die jedoch etwas zu hypothetisch sind, als dass man sie wirklich wirkungsvoll zu einem Ende führen könnte. In der Hinsicht wäre sicher noch etwas mehr möglich gewesen. Der schnörkellose Kammerspiel-Thriller zeigt aber, dass Genrekino hierzulande durchaus möglich ist: Der Film genießt dank eines überzeugend auftretenden Gordon-Levitt sicher mehr Aufmerksamkeit, hat aber auch ohne diesen genügend Qualitäten, um ein Publikum zu finden.



(Anzeige)

7500
3.62 (72.31%) 13 Artikel bewerten

7500
„7500“ nimmt uns mit in ein Flugzeugcockpit, als die Maschine von Terroristen angegriffen wird. Der Thriller überzeugt dabei durch eine minimalistische, effektive Umsetzung, überraschende Wendungen und eine dokumentarische Anmutung, auch wenn zum Schluss etwas die Luft ausgeht und islamistische Terroristen sicher nicht die originellsten Gegner sind.
7von 10

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.