Kritik

Magic Camp

„Magic Camp“ // Deutschland-Start: 14. August 2020 (Disney+)

Früher, da träumte Andy Tuckerman (Adam Devine) mal davon, ein großer Magier zu werden. Inzwischen ist von diesem Zauber nicht mehr viel übrig, als Taxifahrer kommt er mehr schlecht als recht über die Runden. Und so lässt er sich recht schnell auf das Angebot seines alten Mentors Roy Preston (Jeffrey Tambor) ein, in dessen Sommercamp für angehende Magier und Magierinnen zu unterrichten. Umso mehr, da auch seine frühere Partnerin Kristina Darkwood (Gillian Jacobs) eine Gruppe leiten wird – und mit der hat er noch eine Rechnung offen. Andys Plan, es ihr beim Wettbewerb heimzuzahlen, droht dabei jedoch schon im Ansatz zu scheitern, als er mit Entsetzen feststellt, dass seine Schützlinge so gar keine Erfahrungen in dem Bereich haben …

Was waren die Versprechen nicht groß, als der neue Streamingdienst Disney+ angekündigt wurde. Neue exklusive Geschichten aus den Marvel- und Star Wars Universen, dazu viele andere große Namen, welche dem Platzhirsch Netflix ein kräftiges Stück vom Weideland wegnehmen sollten. Inzwischen ist aber breite Ernüchterung eingetreten. Diverse vielversprechende Produktionen wurden aufgrund der Corona-Bedingungen verschoben, der Nachschub an älteren Titeln ist erbärmlich. Am schlimmsten ist aber die Sparte an Original-Filmen, die mehr und mehr nach Resterampe aussieht. Zumindest lässt es nicht wirklich auf eine tolle Zukunft hoffen, wenn in einer Woche mit Artemis Fowl und Magic Camp gleich zwei mehrfach verschobene Filme als Exklusivtitel verkauft werden, für die es im Kino keinen Platz mehr gab.

Warum sollte ich mir das anschauen?
Während Artemis Fowls aber aufgrund einer bekannten Vorlage, bekannter Schauspieler und eines großen Budgets, das sich irgendwo in einem mäßigen Film versteckt hat, zumindest noch auf dem Papier nach einem Zugewinn aussieht, fällt das bei Magic Camp schon schwerer. Adam DeVine (Game Over, Man!) ist nun nicht unbedingt das, was man einen Star nennen müsste. Jeffrey Tambor zieht ebenfalls eher weniger nach den diversen hässlichen Vorwürfen. Von den Kindern kennt man ohnehin niemanden. Wobei diesen eigentlich kein wirklicher Vorwurf gemacht werden kann. Sie ziehen sich zumindest beachtlich aus der Affäre, sowohl in schauspielerischer wie auch in tricktechnischer Hinsicht, schließlich dürfen sie im weiteren Verlauf selbst zu kleinen Magiern und Magierinnen heranwachsen.

Das Problem ist vielmehr das Drehbuch, das sich von einem langweiligen Klischee zum nächsten durchhangelt und zu keiner Zeit versucht, auch mal eine interessante Geschichte zu erzählen. Möglicherweise liegt das daran, dass gleich sechs Leute daran gearbeitet haben und die sich auf nicht mehr als den Minimalkonsens einigen konnten. Vielleicht ist ihnen aber auch wirklich nicht mehr eingefallen als die x-te Variante der Underdog-Story, nach der anfänglich belächelte Außenseiter sich zusammenrotten und es gemeinsam allen zeigen. Sowas freut schließlich das Herz des Publikums, wenn denen von oben getrotzt wird und man alle Hindernisse überwindet.

Der Tod als Persönlichkeit
Damit dieses Kalkül aufgeht, sollte aber natürlich auch ein bisschen was in die Figuren investiert werden. Nur weil jemand ein Verlierer ist, muss man ihn ja nicht automatisch mögen und anfeuern. Magic Camp setzt an der Stelle vor allem auf das Mitleid, wenn der heimliche Held der Nicht-Helden-Truppe Theo Moses (Nathaniel McIntyre) ist, ein 12-Jähriger, dessen Vater gestorben ist und dessen Vermächtnis aus Karten besteht. Das ist schon ein etwas zynischer Umgang mit Trauer, wenn ein Charakter allein durch einen solchen Verlust definiert wird, ansonsten wenig Persönlichkeit hat. Nicht dass es beim Rest besser aussehen würde, der sich aus Stereotypen und Mitläufern zusammensetzt. Da ist die Häschen-Obsession eines Mädchens noch der originellste Einfall.

Tatsächlich ärgern muss man sich über das Ergebnis nicht. Dafür ist es zu belanglos, das süßliche, völlig ambitionsfreie Magic Camp ist einem TV-Film deutlich näher als einem Kinofilm. Etwas, das man an einem Nachmittag anschaltet, damit die junge Zielgruppe irgendwie beschäftigt wird – und sei es mit einem billigen Stinktierwitz. Dass die Familienkomödie letzten Endes nicht im Fernsehen gelandet ist, sondern bei einem Streamingdienst, ändert daran nicht viel. Sie ist altmodische Unterhaltung, wie man sie schon viele Male gesehen hat und wohl auch noch viele Male sehen wird. Ein Film, der zwar oft von Magie spricht, selbst aber sehr wenig davon hat.

Credits

OT: „Magic Camp“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Mark Waters
Drehbuch: Micah Fitzerman-Blue, Noah Harpster, Matt Spicer, Max Winkler, Dan Gregor, Doug Mand
Musik: Rolfe Kent
Kamera: Theo van de Sande
Besetzung: Adam DeVine, Jeffrey Tambor, Gillian Jacobs, Nathaniel McIntyre, Cole Sand, Isabella Cramp

Trailer

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Magic Camp
„Magic Camp“ nimmt uns mit in ein spezielles Sommercamp, wo eine Gruppe von Kindern die Kunst der Zaubertricks lernen soll. Die süßlich-ambitionslose Familienkomödie ist dabei ein Sammelsurium aus Klischees und alten Witzen, das nicht weh tut, jedoch auch nicht wirklich eine Bereicherung darstellt.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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