Lady Chatterley
© Nathalie Eno

Lady Chatterley

Lady Chatterley
„Lady Chatterley“ // Deutschland-Start: 14. Oktober 2007 (Kino) // 11. Juli 2008 (DVD)

Inhalt / Kritik

Als Sir Clifford Chatterley (Hippolyte Girardot) 1921 aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrt, hat dieser große Spuren hinterlassen. Seine Frau Constance (Marina Hands) obliegt es nun, sich um ihren versehrten Gatten zu kümmern und ihn zu pflegen. Eine Aufgabe, welche sie pflichtbewusst annimmt. Doch auch an ihr beginnt dieser Zustand zu nagen. Die Monotonie ihrer freudlosen Ehe lassen bei ihr zunehmend die Lebenslust schwinden. Um ihrer einsetzenden Depression entgegenzuwirken, beginnt sie lange Spaziergänge durch den Wald, wo sie eines Tages dem Wildhüter Olivier Parkin (Jean-Louis Coulloc’h) begegnet. Der ist zunächst wenig angetan von dem Störenfried, der sich in der Natur herumtreibt. Doch mit der Zeit öffnen sich die beiden füreinander und beginnen eine leidenschaftliche Atmosphäre …

Ein Skandal, der keiner ist

Auch wenn der britische Autor D. H. Lawrence (Der Regenbogen) eine Reihe von Romanen und anderer Texte veröffentlicht hat, kaum einer ist so bekannt wie Lady Chatterleys Liebhaber aus dem Jahr 1928. Oder besser: so berüchtigt. Während er in seinen anderen Büchern viel Zivilisationskritik äußerte, etwa über die Entmenschlichung in Folge der Industrialisierung, kam hier noch ein Angriff auf die damals vorherrschenden Moralvorstellungen hinzu. Zwar waren Romane über einen Ehebruch und Frauen, welche Lust und Erfüllung suchen damals nichts Neues – man denke etwa an das ebenfalls von Skandalen begleitete Madame Bovary. Dass sich hier aber eine Frau aus gehobenem Stand einen aus einfachen Verhältnissen stammenden Mann aussucht und mit ihm glücklich wird, war schon ein Affront. Und dann waren da auch noch die expliziten Beschreibungen von Sex, die seinerzeit als anstößig galten.

Gerade Letztere sind es, welche den Ruf des Roman bis heute bestimmen. Wobei diverse Verfilmungen desselben nicht ganz unschuldig an diesem sind. Man verbindet den Titel dann doch ganz mal mit freizügigen Sexszenen. Dass es auch anders geht, beweist Lady Chatterley aus dem Jahr 2006, welches auf einer früheren Fassung der Geschichte basiert. Zwar verzichtet die belgische Regisseurin Pascale Ferran bei ihrer Adaption nicht darauf, die Lust des Paares zu zeigen. Doch diese sind nicht so plakativ und reißerisch, wie in so manch anderer Version. Stattdessen wurden sie recht natürlich in das Geschehen eingebaut und ergeben sich aus der Geschichte, anstatt im Vordergrund zu stehen. Außerdem hat sich das Sehverhalten seither ohnehin geändert. Da ist nichts dabei, worüber man – außerhalb der erzkonservativen Prüderie-Zirkel – heute noch groß schockiert wäre.

Nur mit Geduld

Im Gegenteil: Wenn es negative Reaktionen auf Lady Chatterley gibt, dann eher in die Richtung, dass zu wenig geschieht. Tatsächlich steht die Handlung in keinem Verhältnis zu der Laufzeit des Films. Mehr als 160 Minuten dauert das Drama, obwohl fast gar nichts geschieht. Wer ein Problem mit langsamen Erzählungen hat, sollte deshalb lieber einen größeren Bogen um den Film machen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass das ein Manko ist. Gerade wenn man die diversen Schmonzetten entgegenhält, bei denen innerhalb von fünf Minuten die Liebe des Lebens entsteht, ist es eine Wohltat, wenn hier Wert auf Natürlichkeit gelegt wird. Gefühle dürfen sich entwickeln, anstatt per Knopfdruck bestellt zu werden. Das passt dann auch deutlich besser zur Geschichte von Lawrence, die in der Natur das Lebensbejahende sucht. Denn auch das unterscheidet das Drama von anderen Ehebruchdramen: Die Figuren dürfen tatsächlich glücklich sein.

Das dürfen sie in Kostümdramen natürlich oft. Ein solches ist Lady Chatterley aber nur bedingt. So fehlt hier die Opulenz, welche man mit solchen Filmen oft in Verbindung bringt. Ferran vertraut stärker auf eine Sinnlichkeit als einen Sinnesrausch. Das kann man dann sehr schön finden, sofern man sich auf das alles einlassen kann und will. Die Kritiken waren seinerzeit auch sehr gut, mehrere Preise heimste da Drama damals ein. Das liegt nicht zuletzt am Zusammenspiel von Marina Hands (The Big Hit) und Jean-Louis Coulloc’h (In den besten Händen), gerade weil hier zwei Menschen zusammenkommen, die mehr sind als irgendwelche hübsch zurechtgemachten Schaufensterpuppen. Man darf bei dem Film vielmehr dabei sein, wie zwei Leute sich tatsächlich finden, obwohl sie es gar nicht wollten, was hier sehr viel glaubwürdiger geschieht als bei den ganzen Liebeskomödien, die nach diesem Prinzip agieren.

Credits

OT: „Lady Chatterley“
Land: Belgien, Frankreich, UK
Jahr: 2006
Regie: Pascale Ferran
Drehbuch: Roger Bohbot, Pascale Ferran, Pierre Trividic
Vorlage: D. H. Lawrence
Musik: Béatrice Thiriet
Kamera: Julien Hirsch
Besetzung: Marina Hands, Hippolyte Girardot, Jean-Louis Coulloc’h, Hélène Alexandridis

Bilder

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Lady Chatterley
Fazit
Der Roman ist noch immer mit seinem Skandalruf verbunden, die Verfilmung interessiert sich dafür nicht. Die Sexszenen zwischen einer gelangweilten Ehefrau und einem Wildhüter ergeben sich bei „Lady Chatterley“ aus der Situation heraus, anstatt voyeuristisch in Szene gesetzt zu werden. Auch die Gefühle dürfen sich natürlich entwickeln. Allerdings braucht man viel Geduld, die Handlung steht in keinem Verhältnis zur langen Laufzeit.
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