Ein Junge namens Weihnacht
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Ein Junge namens Weihnacht

Inhalt / Kritik

A boy called Christmas Ein Junge namens Weihnacht
„Ein Junge namens Weihnacht“ // Deutschland-Start: 18. November 2021 (Kino)

Die Begeisterung hält sich bei den drei Geschwistern Andrea (Isabella O’Sullivan), Patrick (Eden Lawrence) und Moppet (Ayomide Garrick) in Grenzen. Ausgerechnet an Weihnachten muss ihr Vater Harry (Joel Fry) arbeiten, obwohl gerade erst seine Frau gestorben ist und die drei Kinder ihn dringend bräuchten. Und dann auch noch das: Tante Ruth (Maggie Smith) soll auf sie aufpassen. Die fackelt nicht lange und erzählt dem Trio die Geschichte des Jungen Nikolas (Henry Lawfull). Auch er hatte seine Mutter verloren und lebte mit seinem Vater, dem Holzfäller Joel (Michiel Huisman) im Wald. Als der eines Tages mit anderen Männern aufbricht, um das legendäre Dorf Wichtelgrund zu suchen, hält es Nikolas nicht aus. Er will seinem Vater bei der Suche helfen und macht sich daher mit seiner Maus Miika auf den Weg, ohne zu ahnen, auf welches Abenteuer er sich dabei einlässt …

Weihnachten einmal anders

Einfach nur die übliche Weihnachtsgeschichte zu erzählen, das ist heute in Filmen zu wenig. Da braucht es schon einen gewissen Dreh, um in dem stark umkämpften Segment der Festtagsunterhaltung irgendwie hervorzustechen. Da darf der Weihnachtsmann schon mal mit dem Militär kooperieren (Fatman), bekommt Besuch vom Außerirdischen (Alien Xmas). Immer wieder beliebt sind auch Ideen, wie es eigentlich zum Weihnachtsfest kam. Klaus ist beispielsweise ein wunderbar charmanter Animationsfilm, demzufolge die uns vertraute Feier eigentlich nur ein Zufallsprodukt war. Auch Ein Junge namens Weihnacht kehrt zu den Anfängen zurück und erzählt, wie der titelgebende Junge eigentlich nur seinem Vater bei einer schwierigen Mission helfen wollte und dabei eine ganz neue Tradition begründet.

Der Weg dorthin ist aber natürlich lang. Und das gleich doppelt: Der Film wechselt immer mal wieder zwischen den beiden Erzählebenen. Zwar ist die Geschichte um Nikolas diejenige, die im Mittelpunkt steht. Die Märchenstunde mit Tante Ruth bildet lediglich den Rahmen und wäre rein theoretisch nicht notwendig gewesen. Dennoch ist es schön, dass sie Teil von Ein Junge namens Weihnacht ist. Nicht nur, dass Maggie Smith hier mit einer gewinnenden Mischung aus Warmherzigkeit und knochentrockenem Humor auftritt. Die Adaption des gleichnamigen Romans von Matt Haig schafft auf diese Weise auch eine Brücke zu einem heutigen Publikum – inhaltlich wie visuell, da sind schon einige sehr schöne Übergänge geschaffen worden.

Hoffnung in der Finsternis

Wobei auch das Abenteuer an sich einiges zu bieten hat. Es braucht hierfür jedoch ein wenig Geduld. Regisseur und Co-Autor Gil Kenan (City of Ember – Flucht aus der Dunkelheit) lässt sich einige Zeit, um erst einmal das Familienleben und auch die Situation des Landes zu schildern. Die Welt in Ein Junge namens Weihnacht ist eben nicht märchenhaft. Die Leute leben in bescheidenen, teils verzweifelten Verhältnissen. Und selbst der König (Jim Broadbent) ist glücklos, schickt seine Untertanen los, um ihm ein Symbol der Hoffnung zu bringen. An diesen Stellen doppeln sich dann auch die beiden Stränge, wenn die drei Kinder der Rahmenhandlung Kraft schöpfen, in einer so finster erscheinenden Welt weiterzumachen. Der Film will eben nicht nur ein schönes und spaßiges Abenteuer sein, sondern dem Publikum ein bisschen was für den weiteren Weg mitgeben.

Tatsächlich sind in den rund 100 Minuten zahlreiche Aussagen und Hinweise verborgen. Einige werden humorvoll verpackt, etwa bei der Begegnung mit der Wahrheitselfe (Zoe Colletti). Andere sind ernsthafter Natur. Da geht es beispielsweise darum, dass erste Eindrücke trügen können oder wie wichtig Vertrauen ist. Selbst vermeintlich böse Figuren wie Mutter Vodol (Sally Hawkins) haben ihre Gründe für ihr Handeln. Umgekehrt können auch die Guten sich richtig falsch verhalten, ohne dass ihnen das bewusst wird. Aber es ist ja nie zu spät, so lehrt einen Ein Junge namens Weihnacht das. Aufgeben gilt nicht, egal wie hoffnungslos die aktuelle Lage auch erscheinen mag.

Süß und toll besetzt

So etwas kann schnell ins Kitschige oder Belehrende gehen. Kenan verbindet das aber immer mit dem Anspruch der Unterhaltung, was ihm im Großen und Ganzen gelingt. Zum Ende hin geht das alles ein bisschen schnell, Sinneswandel geschehen beispielsweise auf Knopfdruck. Aber das stört nicht weiter. Ein Junge namens Weihnacht ist ein süßer Film, der zwar für ein jüngeres Publikum konzipiert wurde – wenn auch nicht zu jung, dafür ist manches dann doch zu traurig –, wie man beispielsweise am tierischen Sidekick Miike sehen kann. Er ist aber auch gut für den Rest der Familie geeignet. Dafür sorgt allein schon der absurd prominente Cast, der hier sehr viel Spaß mit dieser gleichzeitig bekannten und doch eigenwilligen Märchenwelt hat.

Credits

OT: „A Boy Called Christmas“
Land: UK
Jahr: 2021
Regie: Gil Kenan
Drehbuch: Gil Kenan, Ol Parker
Vorlage: Matt Haig
Musik: Dario Marianelli
Kamera: Zac Nicholson
Besetzung: Henry Lawfull, Michiel Huisman, Toby Jones, Maggie Smith, Sally Hawkins, Kristen Wiig, Jim Broadbent, Isabella O’Sullivan, Eden Lawrence, Ayomide Garrick, Joel Fry, Zoe Colletti

Bilder

Trailer

Interviews

Wer von Ein Junge namens Weihnacht ganz verzaubert war und mehr über den Film erfahren möchte: Wir konnten uns im Rahmen der Deutschlandpremiere mit Regisseur Gil Kenan und Synchronsprecher Sascha Grammel unterhalten. In den Interviews sprechen wir unter anderem darüber, was ihnen Weihnachten bedeutet und mit welchen Weihnachtsfilmen sie aufgewachsen sind.

Gil Kenan [Interview]

Sascha Grammel [Interview]

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„Ein Junge namens Weihnacht“ erzählt, wie ein Junge eigentlich nur seinem Vater helfen wollte und dabei versehentlich Weihnachten erfand. Das ist unterhaltsam, hat aber auch einiges zu sagen. Außerdem ist der süße Familienfilm aufgrund seines absurd prominenten Ensembles sehenswert.
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