Kritik

Truth Seekers Amazon Prime Video

„Truth Seekers – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 30. Oktober 2020 (Amazon Prime Video)

So richtig spannend ist der Job von Gus Roberts (Nick Frost) ja nicht: Er fährt durch die Gegend und richtet Leuten eine Breitbandverbindung ein. Offiziell zumindest. Inoffiziell ist er hingegen auf der Suche nach paranormalen Phänomenen, von deren Existenz er fest überzeugt ist. Als er mit seinem neuen Arbeitskollegen Elton John (Samson Kayo) unterwegs ist, stolpern die beiden unerwartet über einen tatsächlichen Fall. Und es wird nicht der letzte sein. Immer wieder werden die zwei in neue eigenartige Geschichten hineingezogen, nicht zuletzt der von Astrid (Emma D’Arcy), die sich von Gespenstern verfolgt fühlt …

Normalerweise sind Geister in Geschichten ja dafür da, den Figuren und damit dem Publikum einen gehörigen Schrecken einzusagen. Aber natürlich gibt es da auch eine lange Tradition an Filmen und Serien, die in der Begegnung mit dem Übernatürlichen etwas Komisches finden. Das berühmteste Beispiel hierfür ist sicherlich Ghostbusters – Die Geisterjäger, auch wenn man mit dem Franchise zuletzt weniger Glück hatte. Dafür gab es in den vergangenen Jahren einige thematisch ähnlich gelegene Filme und Serien wie etwa Deadbeat und Extra Ordinary, die aufzeigen, dass die Kombination aus Übernatürlichem und Humor noch immer gut funktioniert.

Bewährte Teams
Mit Truth Seekers gibt es nun Nachschub in diesem Segment, wenn erneut die Suche nach Geistern drollige Konsequenzen hat. Die Erwartungen an die Amazon Prime Video Serie waren dabei schon etwas höher, handelt es sich doch um die neueste Zusammenarbeit von Nick Frost und Simon Pegg, was automatisch Vergleiche zu deren Cornetto-Trilogie provoziert, die 2004 ebenfalls mit einer Horrorkomödie ihren Anfang nahm: dem Kultfilm Shaun of the Dead. Bei der Entwicklung der neuen Serie schlossen sie sich mit James Serafinowicz und Nat Saunders zusammen, auf deren Konto das vergnügliche Sick Note geht. Da darf man also schon einiges erwarten.

Erfüllt wurden diese Erwartungen nur zum Teil: Wer sich von Truth Seekers eine Dauersalve an Gags verspricht, die einen kontinuierlich zum Lachen bringen, wird am Ende eher unglücklich sein. Dafür schwankt die Qualität der Witze zu stark. Während manche Einfälle tatsächlich sehr lustig und kreativ sind, sind andere schon recht altbacken. So schön beispielsweise die Auftritte von Malcolm McDowell als grimmiger Schwiegervater von Gus sind, ihn für Szenen zu missbrauchen, in denen ein alter Mann aus technischer Unwissenheit heraus sich im Internet zum Deppen macht, damit bleibt die Serie schon weit unter den Möglichkeiten. Auch der Running Gag um Elton John, der natürlich nur so heißt und nicht wirklich Elton John ist, trägt nicht wirklich zur Unterhaltung bei.

Skurrile Gefälligkeit
An anderen Stellen überzeugt Truth Seekers mehr. So hat man sich beispielsweise bei den paranormalen Phänomen selbst ein bisschen was einfallen lassen. Man zeigte dann schon eine Vorliebe für das Skurrile und Schräge. Wobei das mit der Zeit weniger wird, sobald sich die Serie stärker auf die Hauptgeschichte konzentriert. Der Actionanteil wird dabei erhöht, die zahlreichen einzelnen Fäden, die unterwegs mal in die Hand genommen werden, fügen sich nach und nach zusammen. Richtig komplex wird es aber auch dann nicht. Die Serie ist dafür gedacht, mehr oder weniger auf einen Rutsch angeschaut zu werden, ohne große Forderung des Publikums.

Als solche ist das hier dann auch durchaus sehenswert. Die Figuren sind sympathisch, es gibt ein paar unerwartete Wendungen, es passiert auch immer genug, damit man dranbleibt – darunter diverse Geheimnisse, die schon früh in Aussicht gestellt werden. Außerdem ist es natürlich immer nett, wenn ein paar unscheinbare Quasi-Verlierer auf einmal in große Abenteuer hineingezogen werden und die Welt retten müssen. Es bleibt sogar noch Platz für eine weitere Staffel. Sollte es zu dieser kommen, dann darf sicher ein bisschen mehr Schärfe rein. Truth Seekers neigt zuweilen etwas zur reinen Gefälligkeit. Aber als Einstieg in eine übernatürliche Welt macht die Serie Spaß.

Credits

OT: „Truth Seekers“
Land: UK
Jahr: 2020
Regie: Jim Field Smith
Drehbuch: Nick Frost, Simon Pegg, James Serafinowicz, Nat Saunders
Idee: Nick Frost, Simon Pegg, James Serafinowicz, Nat Saunders
Musik: Robin Foster
Kamera: Arthur Mulhern
Besetzung: Nick Frost, Emma D’Arcy, Samson Kayo, Malcolm McDowell, Simon Pegg, Susie Wokoma, Julian Barratt, Rosalie Craig

Bilder

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Truth Seekers – Staffel 1
In „Truth Seekers“ begeben sich zwei Mitarbeiter eines Telekom-Unternehmens auf Geisterjagd – mal mehr, mal weniger geplant. Das Ergebnis ist eine unterhaltsame Serie mit sympathischen Figuren und einigen guten Einfällen, bei der die Witze jedoch etwas schwanken und insgesamt mehr Schärfe gut gewesen wäre.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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