Bastarden Kings Land The Promised Land
© Henrik Ohsten – Zentropa

King’s Land

„King’s Land“ // Deutschland-Start: 6. Juni 2024 (Kino)

Inhalt / Kritik

25 Jahre diente Ludvig Kahlen (Mads Mikkelsen) als Soldat seinem Heimatland Dänemark. Doch damit ist nun Schluss, ein neuer Lebensabschnitt soll beginnen. Er hat auch schon eine Vorstellung davon, wie diese aussehen könnte: Er will sich auf der wilden Heide Jütlands niederlassen, deren raue Natur bislang die Menschen abgeschreckt hat. Tatsächlich erhält er die notwendige Genehmigung und will sich bald an die Arbeit machen. Doch dabei hat er die Rechnung ohne den Gutsherrn Frederik De Schinkel (Simon Bennebjerg) gemacht, der selbst Ansprüche auf das Land hegt. In Folge geraten die beiden Männer immer wieder aneinander, De Schinkel nutzt jedes ihm zur Verfügung stehende Mittel, um den Neuankömmling an seinem Plan zu hindern – doch der lässt sich nicht so leicht abbringen …

Besiedelung der Natur

Ein bislang ungenutztes, naturbelassenes Land zu besiedeln, das ist heutzutage natürlich ein schwieriges Thema. Ob es nun die Zerstörung der Natur ist oder die zahlreichen Verbrechen, die im Rahmen der Kolonisierung begangen wurden: Es gibt viele Gründe, weshalb ein solches Konzept inzwischen negativ beladen ist. Und doch geht noch immer eine gewisse Faszination davon aus, wie der Mensch widrigsten Bedingungen trotzt und aus allem ein Zuhause machen kann. Zumindest teilweise spielt auch der Film King’s Land mit dieser Faszination. Die Heide, welche der Protagonist zu besiedeln gedenkt, hat bislang noch allen Versuchen getrotzt. Nur mit großer Mühe und harter Arbeit gelingt es ihm, sich niederzulassen und dem Boden neues Leben zu entlocken.

Die Naturaufnahmen sind dann auch ein guter Grund, warum man sich den Film anschauen kann. Ein weiterer ist die Besetzung: Mads Mikkelsen, der schon mit Michael Kohlhaas oder The Salvation – Spur der Vergeltung Erfahrungen mit Western in historischen Settings gesammelt hat, zeigt sich in King’s Land mal wieder in seinem Element. Sein Kahlen ist ein stoischer Mensch, der über einen starken Willen verfügt und sich so leicht niemandem unterwirft. Einer, der auch Regeln nicht ungefragt übernimmt. Das heißt aber nicht, dass er völlig unabhängig ist. So sehnt er sich nach Anerkennung, will unbedingt einen Titel vom König bekommen. Zu dem Zweck ist er auch zu vielem bereit, die Umsetzung seines Ziels ist ihm vieles wert, anfangs zumindest.

Keine Heldengeschichte

Das Ergebnis ist ein wohltuend ambivalenter Protagonist. So demonstriert der Mann durchaus immer wieder Mitgefühl, gerade auch den Ausgestoßenen gegenüber. Er ist aber kein reiner Held, wie man ihn in klassischen Western zu sehen bekam. Dafür machte es sich King’s Land beim Antagonisten sehr einfach. De Schinkel ist ein derart verabscheuungswürdiger Mensch, dass automatisch Kahlen zum Guten gemacht wird – oder zumindest zum Besseren. An der Stelle wäre es sicherlich spannender gewesen, sich insgesamt vom Schwarzweiß-Denken zu lösen, anstatt eine Mischung aus Nuancen und Stereotypen anzuwenden. Und auch beim Ende darf man ein Fragezeichen setzen, die Adaption eines Romans von Ida Jessen dürfte da manche vor den Kopf stoßen.

Insgesamt ist dieses Historiendrama, welches Elemente vom Western und Rachethriller vereint, aber sehenswert geworden. Die düstere Atmosphäre, die intensiven schauspielerischen Leistungen: King’s Land hinterlässt schon Eindruck, wenn der anfangs so harmlose Wunsch nach einem eigenen Land dazu führt, dass die Ereignisse immer weiter eskalieren. Der Film, der 2023 im Hauptwettbewerb von Venedig Premiere feierte, braucht schon eine Weile, bis die Geschichte mal wirklich Fahrt aufnimmt. Im weiteren Verlauf ist es aber durchaus spannend, was Regisseur Nikolaj Arcel (Der dunkle Turm), aus dem Stoff herausholt. Dabei wird dann auch niemand geschont: Das Duell zwischen den beiden grundverschiedenen, aber gleichermaßen unbeirrbaren Männer fordert immer mehr Opfer. Am Ende mag das Land zwar besiedelt sein, doch der Preis hierfür war hoch. Neben den gesellschaftlichen Aspekten wie Klassenkampf und Diskriminierung kommt also auch noch klassisches Genrekino hinzu.

Credits

OT: „Bastarden“
Land: Dänemark, Deutschland, Schweden
Jahr: 2023
Regie: Nikolaj Arcel
Drehbuch: Anders Thomas Jensen, Nikolaj Arcel
Vorlage: Ida Jessen
Musik: Dan Romer
Kamera: Rasmus Videbæk
Besetzung: Mads Mikkelsen, Amanda Collin, Simon Bennebjerg, Kristine Kujath Thorp, Gustav Lindh, Melina Hagberg

Bilder

Trailer

Interview

Ihr wollt mehr über den Film erfahren? Wir hatten die Gelegenheit, zu King’s Land ein Interview mit Regisseur Nikolaj Arcel und Drehbuchautor Anders Thomas Jensen zu führen.

Nikolaj Arcel / Anders Thomas Jensen [Interview]

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Europäischer Filmpreis 2023 Bester Hauptdarsteller Mads Mikkelsen Sieg
Beste Kamera Rasmus Videbæk Sieg
Beste Kostüme Kicki Ilander Sieg
Venedig 2023 Goldener Löwe nominiert

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King’s Land
fazit
„King’s Land“ erzählt von einem Mann aus einfacher Herkunft, der ein unberührtes Land besiedeln möchte und damit einem Gutsherrn in die Quere kommt. Das beginnt gemächlich, geht später aber richtig zur Sache. Dabei gibt es nicht nur gesellschaftliche Themen, sondern auch klassische Spannung. Der stereotype Gegenspieler ist jedoch weniger interessant.
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