Kritik

Zurück in die Zukunft Back to the Future

„Zurück in die Zukunft“ // Deutschland-Start: 3. Oktober 1985 (Kino) // 15. Oktober 2015 (DVD/Blu-ray)

Marty McFly (Michael J. Fox) hat einen Traum: Er will als Rockstar groß rauskommen! Der Alltag des Schülers sieht jedoch sehr viel weniger glamourös raus. Insgeheim fürchtet er sogar, er könnte so werden wie seine Eltern. Seine Mutter Lorraine (Lea Thompson) ist eine übergewichtige Alkoholikerin, die sich selbst vor Jahren schon aufgegeben hat. Seinem Vater George (Crispin Glover) fehlt dafür jegliches Rückgrat, lässt sich von jedem unterdrücken – vor allem seinem Vorgesetzten Biff Tannen (Thomas F. Wilson). Doch bald hat er ganz andere Probleme, als er sich von dem exzentrischen Erfinder Doc Brown (Christopher Lloyd) überreden lässt, an einem Experiment teilzunehmen. Denn das transportiert ihn nicht nur dreißig Jahre zurück in die Vergangenheit, sondern bringt auch sein Familienleben völlig durcheinander …

Hand aus Herz: Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, durch die Zeit reisen zu können? Die Zukunft schon jetzt zu sehen, mit all ihren technologischen Errungenschaften? In der Vergangenheit berühmten Persönlichkeiten begegnen oder das eigene Wissen gewinnbringend anzuwenden? Doch das ist gar nicht so einfach, wie uns Robert Zemeckis vor Augen führt. In seiner Version von Zeitreisen ist nicht nur die Methode chaotisch, das Ergebnis ist es auch. Zurück in die Zukunft erzählt von einem unfreiwilligen Sprung in die 50er, der zahlreiche unvorhergesehene Folgen hat und hohen Einsatz erfordert, nur um den alten Zustand wiederherzustellen.

Nachdenken kann ich auch morgen …
Das unterscheidet den Film auch von Die Zeitmaschine, dem großen Science-Fiction-Klassiker von H. G. Wells. Wo der englische Schriftsteller die Idee der Zeitreise nutzte, um etwas über die gegenwärtige Gesellschaft und besorgniserregende Entwicklungen zu sagen, da steht für Zemeckis und seinen Co-Autor Bob Gale der Spaß an erster Stelle. Stoff zum Nachdenken gibt es praktisch keinen, zumindest keinen relevanten. Allenfalls die Was-wäre-wenn-Überlegungen laden zum Spekulieren ein. Was wäre, wenn sich meine Eltern nie getroffen haben? Welche Auswirkungen hätte es, die Vergangenheit tatsächlich zu verändern? Die von Doc Brown in Zurück in die Zukunft aufgestellte Regel, man solle bloß nicht irgendwo eingreifen, die fand sich anschließend in den meisten Zeitreisefilmen wieder. Und das, obwohl die Regel selbst hier kaum eingehalten wird.

Aber das machte eben auch immer den Unterhaltungswert des Films aus: Hier geschieht so gut wie nichts nach Plan. Schon die erste Szene zeigt, wie ein vermeintlich harmloses Gitarrensolo zu einer Katastrophe führt. Das anschließende Zeitexperiment mag funktionieren, hat aber unvorhergesehene Folgen. Und eine vermeintlich gute Tat wird verheerende Auswirkungen haben. Oder auch komische, zumindest aus Sicht des Publikums, das sich an allerlei Absurditäten erfreuen kann. Eine davon: Lea Thompson und Crispin Glover spielen sich sowohl als junge wie auch als erwachsene Version. Das sieht nicht nur teils grotesk aus, sondern hat auch amüsante Gemeinsamkeiten wie erhellende Unterschiede.

Starke Figuren, mit Spaß an Übertreibung
Überhaupt sind es die Figuren, die hier im Mittelpunkt stehen: der kuriose Doc Brown, der brutale Biff, die männerfressende Unschuld Lorraine, der ewige Verlierer George und natürlich Marty, der alles richten will, selbstbewusst auftritt, dabei aber selbst ein wenig überfordert ist. Michael J. Fox spielt dabei, trotz jugendlichen Abenteurerschwungs, noch den bodenständigsten Charakter in einem Umfeld, das Marotten und Eigenheiten zelebriert, gerne auch karikiert. Das Szenario der Zeitreise wird hingegen nur selten genutzt, um tatsächliche Unterschiedene im Drumherum aufzuzeigen. Ein paar Witze über Klassiker von morgen oder popkulturelle Anspielungen, mehr als das springt nicht heraus. Der Ort des Geschehens mag sich optisch im Laufe der drei Jahrzehnte verändert haben, die Menschen sind aber gleich.

Aber das muss ja nicht verkehrt sein, das meiste von Zurück in die Zukunft funktioniert heute so gut wie vor 35 Jahren: Die Gags sitzen, die Liebe zum Detail ist überwältigend, das Ensemble hat sichtlich Spaß, was sich auch auf das Publikum überträgt. Einige heute eher kritische Punkte wie der überholte Hang zur Gewaltverherrlichung inklusive fragwürdiger Geschlechterbilder muss man als Produkt ihrer Zeit akzeptieren, die Rockuntermalung ist ebenfalls etwas altbacken. Dafür ist die Hintergrundmusik von Alan Silvestri zeitlos. Während man bei den einige Jahre später nachgeschobenen Fortsetzungen geteilter Ansicht sein kann, ob es die nun unbedingt gebraucht hätte, beim Auftakt stimmt nahezu alles.

Credits

OT: „Back to the Future“
Land: USA
Jahr: 1985
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: Robert Zemeckis, Bob Gale
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Dean Cundey
Besetzung: Michael J. Fox, Christopher Lloyd, Lea Thompson, Crispin Glover, Thomas F. Wilson, Claudia Wells

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1986 Bestes Original-Drehbuch Robert Zemeckis, Bob Gale Nominierung
Bester Ton Nominierung
Bester Tonschnitt Sieg
Bestes Lied Nominierung
BAFTA Awards 1986 Bester Film Nominierung
Bestes Original-Drehbuch Robert Zemeckis, Bob Gale Nominierung
Beste Spezialeffekte Nominierung
Bestes Szenenbild Nominierung
Bester Schnitt Nominierung
Golden Globe Awards 1986 Bester Film – Musical Nominierung
Bester Hauptdarsteller – Musical oder Komödie Michael J. Fox Nominierung
Bestes Original-Drehbuch Robert Zemeckis, Bob Gale Nominierung
Bestes Lied Nominierung

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Zurück in die Zukunft
4 (80%) 5 Artikel bewerten

Zurück in die Zukunft
Wenn in „Zurück in die Zukunft“ ein Jugendlicher versehentlich in die Vergangenheit reist und dort sein eigenes Familienlieben durcheinander bringt, dann bedeutet das heute noch so viel Spaß wie vor 35 Jahren. Ein paar Punkte sind Produkte ihrer Zeit, doch Gags, Besetzung und Tempo stimmen nach wie vor, hinzu kommt ein cleveres Drehbuch, das durch viel Detailarbeit und absurde Überraschungen gefällt.
9von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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