Inhalt / Kritik

„Lupin III: The First“ // Deutschland-Start: 26. Oktober 2021 (Kino) // 2. Dezember 2021 (DVD/Blu-ray)

Das Tagebuch des französischen Professors Bresson ist nicht allein eine Ansammlung persönlicher Aufzeichnungen. Vielmehr soll es den Weg zu einem großen Schatz weisen. Das lässt sich Lupin III natürlich nicht zweimal sagen, weshalb er bei der feierlichen Ausstellung des lange verloren geglaubten Buches nur zu gerne zugreift. Dummerweise funken ihm dabei jede Menge Leute dazwischen. Erst stört ihn eine junge Frau, die sich als Sicherheitspersonal ausgegeben hat. Dann taucht die Diebin Fujiko auf. Zum Schluss hat es sich auch noch sein alter Gegenspieler Inspector Zenigata in den Kopf gesetzt, Lupin III endlich einmal hinter Gittern zu bringen. Doch damit geht das Abenteuer für alle Beteiligten erst richtig los …

Ein Altmeister auf neuen Wegen

Auch jenseits der 50 kann es noch ein erstes Mal geben. Siehe Lupin III: The First. 1967 von Monkey Punch erdacht, hat der Meisterdieb schon die unterschiedlichsten Formen angenommen. Los ging es mit einem Manga, kurze Zeit später folgte die erste Serie. Diverse Animefilme wurden seither produziert, darunter der Klassiker Das Schloss von Cagliostro von Hayao Miyazaki. Unzählige TV-Specials folgten, eine Zeit lang gab es jedes Jahr einen neuen. Und selbst als Live-Action-Variante turnte der unverwüstliche Charmeur und Halunke über die Leinwand, zuletzt mit Lupin III – Der Meisterdieb. An die unterschiedlichsten Erscheinungsformen war man als Fan daher eigentlich schon gewohnt.

Und doch war die Skepsis groß, als bekannt wurde, dass Lupin III jetzt auch als computergenerierte Variante sein Unwesen treiben sollte. Ausgerechnet der Charakterkopf, der sich seit Jahrzehnten so treu geblieben ist, als seelenloses CGI-Abbild? Das klang nicht sonderlich vielversprechend, zumal sich Japan nach wie vor mit dieser Form von Animation ein wenig schwer tut. Umso überraschender ist, dass es Lupin III: The First nicht nur gelungen ist, die beliebte und vertraute Vorlage in eine neue Dimension zu verfrachten. Der Film gehört in der mittlerweile recht umfangreichen Filmografie des Dauerdiebs sogar zu den besseren Titeln.

Gelungene Umsetzung

Verantwortlich hierfür zeigte sich Takashi Yamazaki, der schon bei Deine Geschichte in Dragon Quest und Stand by Me Doraemon seine Fähigkeit unter Beweis stellte, unverwüstliche 2D-Urgesteine einen neuen 3D-Schliff zu verleihen. Während die Adaption des Videospiels jedoch daran krankte, eine Geschichte, die sonst in mehreren Dutzend Stunden erzählt wurde, in etwas mehr als anderthalb Stunden reinzupressen, da hatte er bei Lupin III: The First freie Wahl. Sonderlich große Experimente wollte er mit dieser gewonnenen Freiheit jedoch nicht eingehen. Vielmehr setzt er auf das Bewährte, lässt die üblichen Figuren auftreten, auch beim Ablauf der Handlung verzichtet er darauf, etwas tatsächlich Neues ausprobieren zu wollen. Schließlich musste das Publikum erst einmal von der Optik überzeugt werden, da sollte wenigstens der Inhalt vertraut sein.

Die Optik kann sich dann auch wirklich sehen lassen. Natürlich sollte man keine detailverliebte Exzellenz der US-amerikanischen Blockbusterstudios wie Disney oder Pixar erwarten. Aber die Settings sind stimmungsvoll, es gibt immer wieder schöne Details. Vor allem die Designs wurden sehr gut in die neue Darstellungsform übertragen. Lupin, Zenigata und all die anderen haben sich ihre Charakteristika bewahrt, auch im Hinblick auf Mimik und Animation. Dass Letztere, wie so oft bei computergenerierten, ein bisschen ausufernd sind und nicht viel von Schwerkraft halten, ist bei Lupin III: The First weniger problematisch. Der Film hat ohnehin ein comichaftes Ambiente, bei dem alles überzogen ist. Im Gegensatz zu vielen westlichen Produktionen, die einen Realismus verfolgen, der sich mit den Animationen beißt, passt das hier besser zusammen.

Ein Abenteuer zwischen Nostalgie und Blödsinn

Die Geschichte selbst ist natürlich ziemlicher Quatsch und zum Teil nicht wirklich nachzuvollziehen. Aber sie macht doch Spaß und ist – nicht nur der Figuren wegen – mit einem schönen Nostalgiefaktor verbunden. Der Beitrag von der Nippon Connection 2021 nimmt ein klassisches Abenteuerszenario, das auch wegen der Nazi-Beteiligung Erinnerungen an Indiana Jones weckt. Geheime Schätze, die große Macht versprechen, das zieht immer. Dazu gibt es wie immer lauter Verkleidungen, regelmäßig Verfolgungsjagden und kleinere Geheimnisse, die gelüftet werden. Auch wenn es schon schade wäre, wenn es in Zukunft keine Zeichentrickeinsätze für den Meisterdieb geben sollte, als mögliche Alternative macht Lupin III: The First durchaus Lust auf mehr.

Credits

OT: „Lupin III: The First“
Land: Japan
Jahr: 2019
Regie: Takashi Yamazaki
Drehbuch: Takashi Yamazaki
Vorlage: Monkey Punch
Musik: Yuji Ohno
Animation: Tokyo Movie Shinsha, Marza Animation Planet

Bilder

Trailer

Special

Lupin III SpecialWer mehr über den Meisterdieb und seine Abenteuer erfahren möchte: In unserem Special zu Lupin III lassen wir die Karriere des Manga- und Animehelden Revue passieren. Dazu gibt es Dutzende Reviews vergangener Titel.

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Lupin III: The First
„Lupin III: The First“ mag inhaltlich keine großen Risiken eingehen. Insgesamt ist der erste CGI-Auftrieb des beliebten Diebes aber gelungen. Die Optik fängt trotz neuer Darstellungsform sehr schön die Merkmale der Figuren ein. Auch das nostalgisch stimmende, völlig überzogene Abenteuer macht Spaß.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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