Inhalt / Kritik

Save Yourselves

„Save Yourselves!“ // Deutschland-Start: 4. September 2021 (Sky Ticket)

Ein bisschen kriselt die Beziehung von Su (Sunita Mani) und Jack (John Paul Reynolds) ja schon, woran die Arbeit nicht ganz unschuldig ist. Schließlich müssen sie immer erreichbar sein, sei es per Mail oder Nachricht. Wie schön wäre es, einfach mal wieder ein bisschen Zeit für sich und vor allem Ruhe zu haben! Und so fassen sie den Entschluss, tatsächlich mal den Stecker zu ziehen und für eine Woche in ein abgelegenes Wochenendhaus zu fahren. Eine Woche ohne Arbeit, ohne Internet – sogar Telefonanrufe sind tabu. Ein bisschen schwer tun sie sich mit dieser selbst auferlegten Mission schon. Vor allem Su hadert damit, nichts zu tun zu haben und ohne Austausch mit dem Rest der Welt zu sein. Als sie in einem schwachen Moment doch noch ihr Handy anschaltet, entdeckt sie darauf eine Reihe kryptischer Nachrichten ihrer Mutter. Erst später wird sie verstehen, was es mit diesen auf sich hat: Die Erde wird von Aliens angegriffen, was Su und Jack aber nicht mitbekommen haben …

Die Welt geht unter, da draußen

Stell dir vor, es ist Weltuntergang und du erfährst davon nichts. Die Idee von Save Yourselves! ist zweifellos lustig. Anders als die vielen anderen Filme, die von der drohenden Apokalypse reden und schon lange im Vorfeld die Intensität erhöhen, sind hier Su und Jack derart mit sich selbst beschäftigt, dass für nichts anderes mehr Platz ist. Nicht einmal für Aliens, welche die Erde überfallen und alles töten, was ihnen in den Weg kommt. Während Independence Day, Captive State oder A Quiet Place von dem Kampf gegen die außerirdischen Aggressoren  erzählen oder dem Versuch, mit diesen irgendwie den Planeten zu teilen, da stehen bei diesem Pärchen ganz andere Probleme an: Wie hackt man eigentlich Holz? Und funktioniert ein Leben, so ganz ohne Internet?

Das hätte sich eigentlich für eine Satire angeboten. Und zumindest teilweise schienen Alex Huston Fischer und Eleanor Wilson, die gemeinsam das Drehbuch geschrieben haben, auch genau das vor Augen gehabt zu haben. Gerade zu Beginn nehmen sich die beiden ausführlich Zeit, um die Beziehung von Su und Jack zu beschreiben. Und die ist von einer großen technologischen Abhängigkeit geprägt. Da kann dann schon mal ein Moment der Intimität darin enden, dass beide wie wild auf ihren Handys schreiben, ohne zu merken, was sie dabei verloren haben. Und auch später wird es in Save Yourselves! immer wieder Beispiele geben, wie es sich die zwei – stellvertretend für die Millennials – in der virtuellen Welt derart gemütlich gemacht haben, dass sie mit der realen da draußen überfordert sind.

Science-Fiction mal anders

Tatsächlich dauert es eine ganze Weile, bis diese Komödie sich zu einer Science-Fiction-Komödie weiterentwickelt. Kleinere Hinweise werden vorab sorgfältig gestreut. Doch erst, wenn Su und Jack der konkreten Bedrohung gegenüberstehen, nimmt das Ganze wirklich Fahrt auf. Wobei Save Yourselves! auch dann noch vor allem humorvoll sein will. Nicht nur dass die zwei – wie sollte es auch anders sein? – mit der Situation überfordert sind, es sind vor allem die Invasoren selbst, die für große Augen und den einen oder anderen Lacher gut sind. Mit den üblichen Horrorgestalten haben diese wenig gemeinsam, weshalb man sie im Vorfeld auch nicht beschreiben sollte, um den Effekt zu mindern. Nur so viel: Es hat seinen Grund, weshalb Su sie „Pouffe“ nennt.

Amüsant sind diese Szenen schon, es gibt auch den einen oder anderen guten Einfall. So ganz überzeugt Save Yourselves! am Ende aber nicht. Das liegt nicht nur am Ende selbst, welches für so manche im Publikum zu wenig sein wird. Man konnte sich auch nie so ganz entscheiden, was genau man mit dem Film wirklich erreichen wollte. Irgendwie hat er von allem etwas, aber nichts davon wird wirklich konkret verfolgt. Die Komödie wird auch nie so bissig, wie sie es sein könnte. Stattdessen gibt es mal kleine Seitenhiebe hier, dort dann diverse Albernheiten, zwischendurch etwas Mystery und natürlich Überlegungen dazu, wie eine Beziehung funktionieren kann.

Ein bisschen dünn, aber sympathisch

Natürlich ist es schade, dass das volle Potenzial nicht ganz abgeschöpft ist. Doch auch wenn die Low-Budget-Komödie, die auf dem Sundance Film Festival 2020 Premiere feierte, ein bisschen dünn ausgefallen ist, sympathisch ist sie. Das liegt einerseits an den vereinzelt schön skurrilen Einfällen, die das Duo hat. Aber auch das Duo auf dem Bildschirm überzeugt. Su und Jack mögen ein wenig anstrengend sein, sind aber trotz – oder wegen – ihrer Macken so lebensnah und alltäglich gezeichnet, dass einem ihr Abenteuer bekannter vorkommt, als man es wahrhaben mag. Da die beiden zudem schon mit dem regulären Alltag überfordert sind, ist zudem die Neugierde groß genug, wie sie sich dann in einer Ausnahmesituation schlagen werden.

Credits

OT: „Save Yourselves!“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Alex Huston Fischer, Eleanor Wilson
Drehbuch: Alex Huston Fischer, Eleanor Wilson
Musik: Andrew Orkin
Kamera: Matt Clegg
Besetzung: Sunita Mani, John Paul Reynolds

Trailer

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Save Yourselves!
In „Save Yourselves!“ will ein Paar eine digitale Auszeit nehmen und bekommen deshalb nicht mit, dass Außerirdische die Welt angreifen. Die Grundidee ist sehr witzig, wird aber nicht ganz konsequent verfolgt. Stattdessen schwankt die Komödie zwischen Millennial-Satire, ein bisschen Albernheit und Science-Fiction-Survival. Das ist alles sympathisch, letztendlich aber etwas dünn.
6von 10
Leserwertung: (5 Votes)
5.5

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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