The Empty Man
© 20th Century Studios

The Empty Man

Inhalt / Kritik

The Empty Man
„The Empty Man“ // Deutschland-Start: 26. Februar 2021 (Video on Demand)

Als James Lasombra (James Badge Dale) von seiner Freundin Nora Quail (Marin Ireland) um Hilfe gebeten wird, ihre verschwundene Tochter Amanda (Sasha Frolova) ausfindig zu machen, zögert der nicht lange. Zwar sind seine Zeiten als Polizist vorbei, weshalb er nicht offiziell ermitteln darf. Das hindert ihn jedoch nicht daran, sich auf die Suche zu machen. Dabei erfährt er, dass die Vermisste gemeinsam mit anderen Jugendlichen auf einer Brücke den sogenannten „Empty Man“ beschworen haben sollen, eine urbane Legende, welche einmal herbeigerufen den Tod bringen soll. Tatsächlich entdeckt James kurze Zeit später die Leichen mehrerer Jugendlicher, die sich an dem Ritual beteiligt haben sollen. Und jedes Mal findet sich ein Verweis auf den Empty Man. Doch was hat es damit auf sich? Gibt es dieses Wesen tatsächlich? Und wenn ja, wie lässt sich dieses wieder stoppen?

Ein Horror, an dem sich die Geister scheiden

Horrorfilme stehen ein wenig in dem Ruf, das billigste aller Genres zu sein. Das ist aus mehreren Gründen sicher nicht ganz falsch. Zum einen braucht es normalerweise kaum Budget. Man lässt ein paar nicht ganz helle Leute durch einen dunklen Ort laufen und zeigt dann plötzlich etwas, das nicht nur sie fast zu Tode erschreckt – das kostest nicht die Welt. Und tatsächlich findet man in diesem Segment massig viele Titel, die alle nach demselben Prinzip funktionieren und trotzdem verlässlich ihr Publikum zufriedenstellen. Doch das bedeutet nicht, dass man dieser Zielgruppe einfach nur irgendwas vorsetzen darf. Ganz besonders empfindlich reagiert diese, wenn ein Film als etwas anderes beworben wird, als am Ende rauskommt. The Witch und It Comes at Night sind zwei der bekannten Beispiele, bei denen die Marketingabteilung so tat, als handele sich um traditionellen Horror – mit dem Ergebnis, dass die Filme trotz sehr guter Kritiken vom Publikum wutentbrannt verrissen wurden.

Mit The Empty Man erhielt die Gruppe der höchst kontroversen Horrorfilme Zuwachs. Dass der Film im Vorfeld der US-amerikanischen Presse nicht gezeigt wurde, ließ richtig Übles vermuten. Und auch der Titel machte wenig Hoffnung, weckte er doch unschöne Erinnerungen an Slender Man und The Bye Bye Man, bei denen ebenfalls naive Figuren eine urbane Legende herausfordern und hierfür einen hohen Preis bezahlen. Anfangs scheint sich der Verdacht auch zu bestätigen, dass es sich hier um einen Bruder im Geiste handelt. Eröffnet wird die Geschichte nicht durch James, sondern vier Freunde, die in den Bergen des Himalaya-Königreichs Bhutan unterwegs sind und dort eine unheimliche Erfahrung machen. Und doch hinkt dieser Vergleich.

Spurensuche auf seltsamen Wegen

Zum einen ist The Empty Man deutlich besser. Gerade der besagte Einstieg gehört zu den atmosphärischsten Szenen, die man zuletzt im Horrorsegment hat sehen dürfen. Das liegt klar auch an dem stimmungsvollen Setting: Der vom Schnee bedeckte Himalaya, eine einsame Hütte, eine unheimliche Höhle – das kann sich schon sehen lassen. Der heulende Wind tut sein Übriges. Man fühlt sich hier einer fremden Macht ausgesetzt, bei der nicht mal klar ist, was sie genau sein soll. Von Anfang an setzt Regisseur und Drehbuchautor David Prior bei seiner Adaption der gleichnamigen Graphic Novel von Cullen Bunn und Vanesa R. Del Rey auf ein Mystery-Ambiente. Das Geschehen wird auch zunehmend eigenartiger.

Doch nach dieser längeren Einführung, die eigentlich ein Kurzfilm im Film ist und erst einmal keinen Bezug zum Folgenden hat, bewegt sich The Empty Man in eine andere Richtung. Wenn James auf der Suche nach der vermissten Jugendlichen ist, dann hat das mehr von einer Detektivgeschichte mit Fantasy-Elementen. Wäre da nicht der besagte Prolog, man könnte sich sogar vorstellen, dass das hier ein ganz normaler Serienmörder-Thriller ist, bei dem völlig offen ist, ob es überhaupt diese okkulte Figur gibt. Szenen wie die zu Beginn gibt es zwar auch später mal. Aber sie sind mehr Begleitmaterial. Statt tatsächlicher Schrecken steht die Wahrheitssuche von James im Mittelpunkt. Und die hat es in sich, da die Geschichte auf etwas anderes hinausläuft, als man anfangs wahrscheinlich gedacht hat.

Exzessiver Geheimtipp

Das kann je nach Perspektive etwas Gutes oder Schlechtes sein. Während Horrorfans verständlicherweise verärgert sind, wenn sie nicht das bekommen, was ihnen gefühlt versprochen wurde, ist die Alternative durchaus interessant. Zwar ergibt da einiges nicht so wirklich Sinn. Mit einer exzessiven Laufzeit von knapp 140 Minuten lässt sich The Empty Man zudem sehr viel Zeit, gerade wenn er auf eine so strittige Weise endet. Und doch ist der Film, mit dem das eigene Studio irgendwie nichts anzufangen wusste, ein echter Geheimtipp, zumindest für alle Freunde und Freundinnen des Seltsamen. Die unheimlich rätselhafte Atmosphäre, die nur selten auf die üblichen Jump Scares zurückgreift, bildet in Verbindung mit einer fast schon philosophisch orientierten Geschichte ein Werk, das sicher nicht perfekt ist, aber auf seine Weise spannender als viele der 08/15-Titel, die man in diesem Bereich immer wieder vorgesetzt bekommt.

Credits

OT: „The Empty Man“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: David Prior
Drehbuch: David Prior
Vorlage: Cullen Bunn, Vanesa R. Del Rey
Musik: Christopher Young, Lustmord
Kamera: Anastos N. Michos
Besetzung: James Badge Dale, Marin Ireland, Stephen Root, Ron Canada, Robert Aramayo, Joel Courtney, Sasha Frolova

Trailer

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The Empty Man
Fazit
„The Empty Man“ ist einer dieser sehr kontroversen Horrorfilme, die am Ende nicht das sind, was man im Vorfeld erwarten durfte. Was als stimmungsvoller Bergschrecken beginnt wird zu einer übernatürlichen Detektivgeschichte, die zunehmend seltsamer wird und auf eine provokativ andere Weise endet. Das wird Teile des Publikums langweilen oder gar ärgern. Und doch ist das atmosphärische Werk interessanter als die meisten anderen Titel aus diesem Segment.
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7
von 10