Kritik

Der Pate Godfather

„Der Pate“ // Deutschland-Start: 24. August 1972 (Kino) // 6. Oktober 2008 (DVD/Blu-ray)

Es ist 1945 und die Familie Corleone, wie auch viele andere Familien in den Vereinigten Staaten, feiern nicht nur das Ende des Krieges, sondern auch die Vermählung Connie Corleones (Talia Shire), der jüngsten und einzigen Tochter Vito Corleones (Marlon Brando), des Oberhauptes der Familie und Kopf einer der einflussreichsten Mafia-Familien New Yorks und damit der Ostküste. Während sein ältester Sohn Sonny (James Caan) eingeführt wird in das Familiengeschäft, welches er in Zukunft übernehmen soll, versucht Fredo (John Cazale), der zweitälteste Sohn, irgendwie Fuß zu fassen in der Familie wie auch in den Geschäften seines Vaters. Von allen Söhne der vielleicht wichtigste in den Augen seines Vaters ist Michael (Al Pacino), der zur Hochzeitsfeier mit seiner Verlobten Kay (Diane Keaton) auftaucht. Hochdekoriert wegen seines Einsatzes im Krieg weiß er noch nicht so recht, was er mit dem Rest seines Lebens machen will, auch wenn ihn sein Vater wie auch der Consiglieri und Quasi-Adoptivsohn Tom Hagen (Robert Duvall) dazu bringen wollen eine Ausbildung hin auf ein politisches Amt hin zu beginnen. Doch der Frieden ist nur von kurzer Dauer für die Corleones, denn ein Attentat auf Vito, als Reaktion auf ein geplatztes Geschäft mit einem europäischen Drogenhändler, bringt die Familien an den Rand eines Krieges. Ausgerechnet Michael sieht es als seine Aufgabe an, den Mordversuch zu rächen und muss als Folge nach Italien fliehen. In seiner Abwesenheit kommt es zum Krieg zwischen den Familien.

Ein Spiegel der USA
Wie seine Kollegen und Freunde Steven Spielberg und George Lucas gehört auch Francis Ford Coppola zu einer Generation von Kulturschaffenden, deren Platz innerhalb der Filmgeschichte unangefochten ist und die maßgeblich das Medium Film während der turbulenten 1960er und 1970er Jahre mitprägten. Auf der Suche nach Filmemachern, die eben jene neue Generation von Kinogängern in die Lichtspieltheater locken sollte, wurde dem noch sehr jungen Coppola der Regieposten bei der Adaption von Mario Puzos Roman Der Pate übergeben, eine verantwortungsvolle Aufgabe, die Coppola dem Studio wahrscheinlich etwas zu ernst nahm, denn sein Bestehen auf Details von den Kostümen bis hin zu seiner Wunschbesetzung trieben nicht nur das Budget in die Höhe, sondern kosteten alle Beteiligten auch sehr viele Nerven. Doch ihre Arbeiten und ihre Kämpfe zahlten sich letztlich aus und mündeten im Beginn einer Filmreihe, welche nichts weniger ist als ein Abriss der gesellschaftlich-politischen Umschwünge dieser Zeit, festgehalten in einem großen Familiendrama, was auch heute noch nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

Mit dem Frieden kommt der Wechsel im Land, wie auch in der Familie Corleones. Mit dem Ende des Krieges sehen sie sich mit neuen Geschäftszweigen konfrontiert, mit einer Entscheidung für noch mehr Reichtum und Einfluss oder eines Verfalls von Prinzipien, repräsentiert durch den Einsteig ins lukrative Drogengeschäft. Schon beim ersten Treffen Vitos und Sonnys mit dem von Al Lettieri gespielten Solozzo wird man sich des Bruchs innerhalb der Generationen bewusst, wenn der Sohn seinen Vater unterbricht und, entgegen der Weisung Vitos, offenes Interesse an dem Handel zeigt. Der letztlich favorisierte Michael mag zwar mehr jener Geschäftsmann sein, den sich sein Vater an der Spitze der Familie wünscht, doch in ihm verbindet sich das Bild des aalglatten Geschäftsmanns mit dem des Machtmenschen.

In Der Pate scheint man den USA einen Spiegel vorzuhalten. Die rigide Hierarchie der Corleones, in der für Schwache wie den sensiblen Fredo kein Platz ist, sowie die omnipräsente Atmosphäre der Gewalt, die sich in Schüben entlädt und teils wirklich grausige Bilder zeigt, deuten auf die Wurzeln dieser Brutalität im Alltag hin. In einer Parallelmontage folgen wir der Ausgelassenheit der Hochzeit Connys während im abgedunkelten Hinterzimmer bereits die nächsten Mordtaten geplant werden. Das Morden ist nie weit entfernt in einem Film wie Der Pate, es kommt unvermittelt und mit voller Härte, und ist begleitet von einer Kälte wie sie nur ein berechnender Geschäftsmann für sich einnehmen kann.

Nur ein Geschäft
Coppolas Kino ist immer eines der großen Dramen der Zeitgeschichte, wie man an Der Pate-Reihe wie an Werken wie Der Dialog oder Apocalypse Now sehen kann. Der von Al Pacino gespielte Michael will sich von der Familie, wie er seiner Verlobten sagt, emanzipieren, will unabhängig sein, wird aber, wie er an viele Stellen im Verlaufe der drei Filme sagt, mitten hineingerissen, als es darum geht, deren Überleben zu gewährleisten. In einer vielsagenden Szene korrigiert er den hitzköpfigen Sonny, der ihm fälschlicherweise unterstellt, er würde überreagieren und die Dinge zu persönlich nehmen, indem er ihm sagt, dem sei nicht so und es wäre alles „rein geschäftlich“, auch wenn es um den Mord an jemandem geht.

Als Beginn der drei Teile umfassenden Reihe kann Der Pate als eine Art Exposition gesehen werden, der nicht nur die Eckpfeiler der Filme einführt, sondern den Zuschauer darauf vorbereitet, man werde hier Zeuge eines Prozesses der Entmenschlichung, eines Strudels der Gewalt, an dessen Ende eben jene Figur setzt, die sich eigentlich von der alten Generation und deren Sünden freimachen wollte.

Credits

OT: „The Godfather“
Land: USA
Jahr: 1972
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
Vorlage: Mario Puzo
Musik: Nino Rota
Kamera: Gordon Willis
Besetzung: Marlon Brando, Al Pacino, James Caan, James Cazale, Diane Keaton, Robert Duvall, Richard Conte, Talia Shire

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1973 Bester Film Sieg
Beste Regie Francis Ford Coppola Nominierung
Bester Hauptdarsteller Marlon Brando Sieg
Bester Nebendarsteller James Caan Nominierung
Al Pacino Nominierung
Robert Duvall Nominierung
Bestes adaptiertes Drehbuch Mario Puzo, Francis Ford Coppola Sieg
Beste Kostüme Anna Hill Johnstone Nominierung
Bester Ton Charles Grenzbach, Richard Portman, Christopher Newman Nominierung
Bester Schnitt William Reynolds, Peter Zinner Nominierung
BAFTA Awards 1973 Bester Hauptdarsteller Marlon Brando Nominierung
Bester Nebendarsteller Robert Duvall Nominierung
Bester Nachwuchsdarsteller Al Pacino Nominierung
Beste Musik Nino Rota Sieg
Beste Kostüme Anna Hill Johnstone Nominierung
Golden Globe Awards 1973 Bester Film – Drama Sieg
Beste Regie Francis Ford Coppola Sieg
Bestes Drehbuch Mario Puzo, Francis Ford Coppola Sieg
Bester Hauptdarsteller – Drama Marlon Brando Sieg
Bester Hauptdarsteller – Drama Al Pacino Nominierung
Bester Nebendarsteller James Caan Nominierung
Beste Musik Nino Rota Sieg

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Der Pate
„Der Pate“ ist großes Erzählkino, an dessen Klasse bis heute nur wenige Filme herankommen. Detailverliebt inszeniert und großartig besetzt ist Francis Ford Coppola mit seinem packenden Generationengemälde der ganz große Wurf gelungen, der hoffentlich noch viele weitere Generationen von Kinogängern begeistern wird.
10von 10

Über den Autor

Freier Autor

Hinterlasse eine Antwort