Das weiße Schweigen RTL+
© RTL / Stephanie Kulbach / Stefan Erhard

Das weiße Schweigen

Das weiße Schweigen RTL+
„Das weiße Schweigen“ // Deutschland-Start: 28. Juni 2022 (RTL+)

Inhalt / Kritik

Mehrere Jahre war Clara Horn (Julia Jentsch) zu Hause geblieben, um sich um die Familie zu kümmern. Umso größer ist die Freude für die Krankenpflegerin, als sie wieder zurück zu ihrer alten Arbeit kann. Dort wird sie auch mit offenen Armen empfangen, man ist froh darüber, dass sie wieder da ist. Außerdem arbeitet der charmante Pfleger Rico Weber (Kostja Ullmann) dort, der sie recht schnell mit seinem Charme verführt. Gleichzeitig ist der Arbeitsalltag deutlich härter geworden, seitdem sie ihre Kinderpause angetreten hat. Noch mehr schockiert sie jedoch, als in kurzer Folge auffallend viele Patienten und Patientinnen sterben. Reiner Zufall oder steckt da doch mehr dahinter?

Ein tödliches Gesundheitssystem

Dass das deutsche Gesundheitssystem freundlich ausgedrückt marode ist, das ist nun wirklich kein Geheimnis. Wer es vorher noch nicht wusste, der wurde spätestens durch die teils dramatischen Szenen während der Corona-Pandemie darauf aufmerksam. Über Monate hinweg machten Nachrichten um überfüllte Krankenhäuser und überfordertes Personal die Runden. Dabei sind die Probleme im Ausland nicht geringer. Immer wieder wird dieses Thema auch in Filmen aufgegriffen, etwa im französischen In den besten Händen, das von einer Chaosnacht in der Notaufnahme berichtet. Auch beim deutschen Kollegen Das weiße Schweigen wird wieder und wieder darauf hingewiesen, dass die Einsparungen und der enorme Druck katastrophale Folgen haben können.

Dabei geht es hier jedoch nur am Rand um den Alltag und die damit verbundenen Missstände. Stattdessen stand eindeutig die Geschichte um Niels Högel Pate. Dieser hatte zwischen 1999 und 2005 zahlreiche Menschen getötet, am Ende wurde der Krankenpfleger für 85 Morde verurteilt. Wie viele es darüber hinaus waren, kann niemand sagen, auch wenn es viele Verdachtsmomente gab. Die menschenverachtende Weise, wie da jemand Gott spielte, ist natürlich für eine True Crime Produktion eine dankbare Vorlage. Insofern ist es kein Wunder, wenn nun der Film von den schockierenden Ereignissen erzählt. Regisseurin und Co-Autorin Esther Gronenborn (Ein Wochenende im August, Das Leben ist kein Kindergarten: Umzugschaos) erzählt jedoch nicht den historischen Vorfall als solchen nach. Vielmehr benutzt sie in Das weiße Schweigen lediglich die Grundzüge von Högels Handlungen, dichtete um diese herum eine ganz eigene Geschichte.

Wettlauf gegen die Zeit

Die größte und überraschendste Änderung ist die, dass der Film nicht den Mörder zum Protagonisten macht, wie man es vielleicht vermuten würde. Stattdessen steht dessen Kollegin im Mittelpunkt. Durch sie werden wir in die Geschichte eingeführt, erfahren von den gestiegenen Todeszahlen, entwickeln einen ersten Verdacht, wer und was dahintersteckt. Lange muss nicht nach der verantwortlichen Person gesucht werden. Das weiße Schweigen verrät recht früh, wer hinter allem steckt. Selbst wer nicht die Parallelen zu Fall Högel kennt oder erkennt, muss nicht lange nachdenken. Das hier ist kein Whodunnit-Krimi. Stattdessen wechselt Gronenborn in den Thriller-Modus. Denn nur weil man weiß, wer die Morde begeht, heißt das nicht, dass derjenige dadurch bereits überführt ist. Es heißt nicht einmal, dass er nicht weitere Morde begeht, was zu einem Wettlauf gegen die Zeit führt.

Ob man solche wahren Verbrechen, die derart viel Leid mit sich gebracht haben, zum Zwecke der Unterhaltung nutzen sollte – und unterhalten will dieser Film unbedingt –, darüber kann man geteilter Ansicht sein. Nicht ganz geglückt ist auch die Verbindung zu dem Pflegenotstand. Erwähnt wird dieser, mehrfach sogar, auch mithilfe der rückkehrenden Krankenpflegerin, welche die negative Entwicklung über die Jahre mitbekommt. Die Mordstrecke hängt damit aber nicht unmittelbar zusammen. Die Motivation war eine andere, ob mit mehr Personal früher etwas gemerkt worden wäre, ist ebenfalls reine Spekulation. So ganz überzeugt der Thriller, der auf dem Filmfest München 2022 Premiere feiert und anschließend zum Streamingdienst RTL+ wandert, deshalb nicht. Aber es sind doch genug intensive Momente dabei, für die man bei Das weiße Schweigen ein Einschalten auf eigene Gefahr wagen kann.

Credits

OT: „Das weiße Schweigen“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Esther Gronenborn
Drehbuch: Esther Gronenborn, Sönke Lars Neuwöhner
Musik: Gert Wilden
Kamera: Christoph Krauss
Besetzung: Julia Jentsch, Kostja Ullmann, Elena Uhlig, Rouven Israel, Merve Aksoy

Bilder

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Das weiße Schweigen
Fazit
„Das weiße Schweigen“ erinnert an das mörderische Treiben eines Krankenpflegers, der zahlreiche Menschen auf dem Gewissen hatte. Das funktioniert als Thriller recht gut. Die Verbindungen zum Pflegenotstand, der irgendwie auch mit rein sollte, überzeugen hingegen weniger.
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