Kritik

Catch Me If You Can

„Catch Me If You Can“ // Deutschland-Start: 30. Januar 2003 (Kino) // 8. August 2006 (DVD/Blu-ray)

USA, im Jahr 1963: Das Leben von Frank Abagnale Jr. (Leonardo DiCaprio) geht gerade so richtig den Bach runter. Erst gerät sein Vater (Christopher Walken) aufgrund von Steuerschulden in arge Finanznöte, weshalb die Familie den Gürtel nun deutlich enger schnallen muss. Und dann steht dessen Ehe mit der Französin Paula (Nathalie Baye) vor dem Aus. Doch dabei entdeckt der junge Mann sein Talent dafür, fremde Identitäten vorzugeben und auch anderweitig ganz kräftig zu schwindeln. Damit ist er ausgesprochen erfolgreich, bald hat er sich Millionen ergaunert und übt die fantastischsten Berufe aus, ohne sie je erlernt zu haben. Doch der FBI-Agent Carl Hanratty (Tom Hanks) ist ihm bereits auf den Spuren …

Wenn Filmprojekte lange vor sich hinvegetieren, vom einen zum nächsten geschoben werden und das Team immer wieder ausgetauscht wird, dann ist das selten ein gutes Zeichen. Aber es geht auch anders, wie das Beispiel Catch Me If You Can zeigt. 1980 schon hatte der reale Frank Abagnale, auf dessen Leben der Film basiert, die Rechte an seiner Geschichte verkauft. Mehr als zwanzig Jahre später hatten die verschiedensten Studios auf diesen Rechten gesessen, eine Vielzahl von Regisseuren und Darstellern war im Gespräch gewesen. Und auch wenn es interessant gewesen wäre, die Interpretationen etwa von David Fincher oder Miloš Forman zu sehen, die Konstellation aus Steven Spielberg und den Darstellern DiCaprio und Hanks stellte sich als echtes Dreamteam heraus.

Auch Verbrechen können Spaß machen!
Spielberg, mit Filmen wie E.T. – Der Außerirdische und Jurassic Park bestens damit vertraut, möglichst viele Menschen anzusprechen, wählte für seine Interpretation einen betont lockeren Zugang. Tatsächlich ist Catch Me If You Can über weite Strecken am ehesten eine Komödie, wenn Abagnales betrügerische Ambitionen keine Scham und keine Grenzen kennen. Schon sein erster Auftritt als Lehrervertretung an der neuen Schule ist so verblüffend unverfroren, dass man gar nicht anders kann, als darüber zu lachen. Und das ist nur der Anfang: Ob er gerade mit bewundernswerter Finesse Schecks fälscht oder auf dreiste Weise neue Berufe annimmt, für die andere viele Jahre gelernt und trainiert haben, das ist alles herrlich absurd und mit jeder Menge Augenzwinkern verbunden.

Aber auch mit jeder Menge Charme: Spielberg sorgt dafür, dass die Verbrechen von Abagnale nie zu sehr als solche erscheinen. Man könnte Catch Me If You Can sogar vorwerfen, dass  einiges doch zu sehr verharmlost wird. Nicht allein, dass der Trickbetrüger viele Menschen und Systeme ausgenutzt und bestohlen hat, einige Handlungen waren ausgesprochen fahrlässig und gefährlich – für andere. Dass man das immer wieder vergisst, ist auch Leonardo DiCaprio (The Wolf of Wall Street) zu verdanken, der als sympathischer Gauner überzeugt und sogar für einen Golden Globe nominiert wurde. Wie er sich durch die Situationen mogelt und andere um den kleinen Finger wickelt, das ist schon mit viel ansteckender Energie gespielt.

Tragische Suche nach Anerkennung
Zumal Catch Me If You Can auch eine recht tragische Seite hat, welche die Sympathiewerte nach oben treibt. Wenn Abagnale ein unglaubliches Wagnis nach dem anderen eingeht, dann einerseits zwar aus reinem Eigeninteresse: schöne Frauen, Ansehen, viel Geld. Aber es ist eben auch der Versuch, seinen Vater zu beeindrucken. Denn mehr noch als die ganzen Statussymbole wünscht sich der junge Mann, wieder ein festes Umfeld und eine richtige Familie zu haben. Das zeigt sich nicht allein in den Fantasien von Frank und den Szenen mit seinem Vater, sondern gerade beim Umgang mit Hanratty. Der ist eigentlich sein Widersacher, ein bisschen wie in einem klassischen Cartoon verfolgt dieser ihn ständig, ohne ihn zu erwischen. Aber es ist auch eine Bezugsperson, die einzige, die er hat, wird im Laufe der Jahre zu einer Art Vaterersatz – was diverse rührende Momente nach sich zieht.

Das geht nie so wahnsinnig in die Tiefe, anspruchsvoll ist der Film sicher nicht. Dafür aber ein unbekümmerter Spaß, der auch mit einer großen Portion Nostalgie an eine unschuldigere Zeit erinnert. Dazu passen auch die bunten Bilder und die beschwingte Musik von Spielbergs häufigen Kooperationspartnern Janusz Kamiński und John Williams, welche die Atmosphäre maßgeblich mitbestimmen. Catch Me If You Can hat tatsächlich etwas von dem bei Kindern beliebten Fangenspielen, wenn der eine vor dem anderen davonläuft. Das größte Vergnügen haben normalerweise die Leute, die an dem Spiel beteiligt sind. Der Film beweist aber, dass auch das bloße Zuschauen ein solches bereiten kann: Die mitunter ebenfalls etwas geflunkerte Biografie des Betrügers ist kurzweilig, dramaturgisch geschickt und lässt einen bei all den Verbrechen trotzdem an das Gute im Menschen glauben.

Credits

OT: „Catch Me If You Can“
Land: USA
Jahr: 2002
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Jeff Nathanson
Musik: John Williams
Kamera: Janusz Kamiński
Besetzung: Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Nathalie Baye, Amy Adams, Martin Sheen

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2003 Bester Nebendarsteller Christopher Walken Nominierung
Beste Musik John Williams Nominierung
BAFTA Awards 2003 Bestes adaptiertes Drehbuch Jeff Nathanson Nominierung
Beste Musik John Williams Nominierung
Bester Nebendarsteller Christopher Walken Sieg
Beste Kostüme Mary Zophres Nominierung
Golden Globe Awards 2003 Bester Hauptdarsteller – Drama Leonardo DiCaprio Nominierung

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Catch Me If You Can
4.06 (81.18%) 17 Artikel bewerten

Catch Me If You Can
„Catch Me If You Can“ erzählt die (fast) wahre Geschichte eines Gauners, der sich viel Geld und diverse Identitäten erschwindelt hat. Der Ton ist dabei überraschend humorvoll, der Verbrecher wird als sympathischer Halunke dargestellt, dem man trotz allem nicht wirklich böse sein kann. Das darf man moralisch fragwürdig finden oder sich einfach zurücklehnen und die tollen Schauspieler sowie die unbekümmerte, nostalgische Atmosphäre genießen.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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