„6 Below: Miracle on the Mountain“, USA, 2017
Regie: Scott Waugh; DrehbuchMadison Turner; Vorlage: Eric LeMarque; Musik: Nathan Furst
Darsteller: Josh Hartnett, Mira Sorvino

6 Below

„6 Below – Verschollen im Schnee“ ist seit 5. Januar 2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Seine Zeit als Eishockeyspieler liegt bei Eric LeMarque (Josh Hartnett) zwar schon eine Weile zurück, seine Liebe für den Wintersport hat er jedoch nicht verloren. Ebenso wenig seine Liebe für hohe Geschwindigkeiten. Die Sierra Nevada hat er sich ausgesucht, um ungestört Snowboard zu fahren und seinem Rausch nachzugeben – fernab der Menschen. Als er dabei jedoch von einem Schneesturm überrascht wird und komplett von der Zivilisation abgeschnitten wird, bedeutet das auch, dass er nun auf sich allein gestellt ist. Während er verzweifelt gegen die Natur und wilde Tiere ankämpft, kehren seine Gedanken immer wieder zurück in seine Vergangenheit. Zu seiner Karriere. Zu den schwierigen familiären Verhältnissen, in denen er aufwuchs.

Menschen neigen ja ganz gern mal dazu, sich selbst als die Herrscher über die Natur anzusehen. Bis sie in der Situation sind, ganz alleine in ihr zu sein. Wie schlimm das sein kann, das beweisen uns Filme immer mal wieder. Der Dschungel ist für gefährliche Survival Trips immer wieder ein dankbarer Ort, siehe etwa Jungle oder Die versunkene Stadt Z. Als schönes Kontrastprogramm dürfen Protagonisten auch gerne mal in Bergen ums Überleben kämpfen, beispielsweise im Oscar-Preisträger The Revenant – Der Rückkehrer oder kürzlich in Drei Zinnen.

Eine Welt, zu schön für Menschen
Auch 6 Below hat sich für luftige Höhen entschieden, um den Menschen in eine tiefe Existenzkrise zu stürzen. Und wie so oft darf auch hier ein reales Schicksal als Vorbild dienen: Eric LeMarque, der acht Nächte allein in der frostigen Wildnis überstehen musste. Letztere ist dann auch – der prominenten Besetzung zum Trotz – der eigentliche Star des Films. Zu Beginn majestätisch und atemberaubend wandelt sie sich bald in einen bedrohlichen Ort, an dem Menschen so gar keinen Platz haben. Kleine Schönheitsflecke, die schnell unter der nächsten Schneeschicht begraben werden.

So weit, so gut. Schwierig ist jedoch, dass Regisseur Scott Waugh sehr viel mehr Interesse eben an diesen Schönheitsflecken hat. Während Eric um sein Leben kämpft, zieht dieses vor seinem inneren Auge vorbei. Und irgendwie war das kein gutes Leben. Ob es die Streitereien im Eishockey-Club waren, die Probleme in der Familie, Erics Hang zu Drogen – 6 Below ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie ein Mann, der eigentlich zu etwas Höherem berufen war, komplett abstürzen kann. Teils durch eigene Schuld. Teils durch Pech und ungünstige Umstände.

Für den Tod lernen wir
Als Kombination ist das nicht zwangsweise verkehrt. Todeskampf und Lebensresümee können durchaus Hand in Hand gehen. Auch dass Szenen miteinander verschmelzen, Erinnerungen und Gegenwart zu eins werden, lässt man sich gefallen. Die Entscheidung jedoch, aus der Geschichte gleichzeitig eine spirituell aufgeladene Läuterung machen zu wollen, die steht dem Film nicht besonders gut. Zum Ende hin drängt sich der Eindruck auf, 6 Below soll eigentlich eine Art Image Film sein, eine bewegte Werbebroschüre. Gott persönlich hat sich den kleinen Eric ausgesucht, um ihm eine zweite Chance zu geben.

Und das ist dann doch ein wenig ärgerlich. Josh Hartnett (Penny Dreadful) als drogenabhängiger Ex-Sportler erledigt seine Aufgabe gut. Mira Sorvino (Geliebte Aphrodite) ist als Mutter von Hartnett zwar ein bisschen jung, an der grundsätzlichen Leistung der Schauspielerin lässt sich jedoch wenig meckern. Waugh gelingt es jedoch nicht, aus einzelnen guten Szenen auch einen guten Gesamtfilm zu machen. Die Flashbacks tauchen einfach so auf, zu oft auch, ohne dass dies mit einer innerlichen Entwicklung von Eric einherginge. Der Film endet, der Pechvogel hat es irgendwie überlebt und wurde dadurch zu einem besseren Menschen. Das mag man dann unglaublich rührend finden, an Pathos wird schließlich nicht gespart. Geschichte und Darsteller hätten aber etwas Besseres verdient als ein ungelenk zusammengestelltes Familienalbum, das gern tiefgründig wäre, letztendlich aber nichts zu sagen hat.

6 Below – Verschollen im Schnee
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6 Below – Verschollen im Schnee
Die Geschichte um einen abgestürzten Ex-Sportler, der wie durch ein Wunder mehrere Nächte in den Bergen überlebt, ist es wert, erzählt zu werden. „6 Below“ findet aber nicht die richtigen Mittel dazu. Die Aufnahmen sind toll, die Besetzung prominent. Die zusammenhanglosen Flashblacks und das zum Pathos neigende Ende verderben jedoch die guten Zutaten.
4von 10

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