(„Welp“ directed by Jonas Govaerts, 2014)

Camp Evil

„Camp Evil“ ist seit 24. April auf DVD und Blu-ray erhältlich

So ein bisschen Grusel gehört zu einem Pfadfinderlager einfach dazu, dieser Auffassung sind zumindest die beiden Leiter Chris (Titus de Voogdt) und Peter (Stef Aerts). Und so erzählen sie munter Horrorgeschichten über einen Jungen Kai, der in der Gegend umherstreifen soll. Eine pure Erfindung natürlich, die der 12-jährige Sam (Maurice Luijten) jedoch für bare Münze nimmt. Mehr noch: Er hat ihn sogar gesehen, jenen Jungen, der nur grunzt und knurrt und sein Gesicht hinter einer Holzmaske verbirgt. Und der schweigsame Wilde ist nicht der einzige, der unbemerkt von der Öffentlichkeit im abgelegenen Wald lebt, in dem die Pfadfinder ihr Lager aufgeschlagen haben.

Alle Macht dem Zuschauer! Immer mehr Filme setzen auf gängige Crowdfunding-Plattformen, sei es um mehr Unabhängigkeit von den großen Studios zu erlangen oder auch, um kleine Liebhaberprojekte ohne große finanzielle Gewinnaussichten umsetzen zu können. Auch Camp Evil ließ das Publikum schon vorab an dem Projekt teilhaben, machte dies aber auf eine ganz eigene Weise: Nicht um den Film als Ganzes ging es, sondern um einzelne Fallen, die währenddessen auf die ahnungslosen Opfer warten und in die kräftig Geld investiert werden durfte.

Die sind dann auch der unbestrittene Höhepunkt des Ganzen: Als wäre es ihm nie um etwas anderes gegangen, präsentiert uns Regisseur und Ko-Autor Jonas Govaerts eine Vielzahl der unterschiedlichsten Apparate und Vorrichtungen, eine kreativer als die anderen. Während andere Slasherfilme beim Abmurksen der Protagonisten oft etwas eintönig sind, das ewig gleiche Arsenal von Messern bis zu Äxten verwenden, darf hier ungläubig gestaunt, anerkennend bewundert und auch ein bisschen gelacht werden – denn manchmal wird es schon arg absurd.

Der Rest von Camp Evil ist nicht ganz so erwähnenswert. Kompetent ja, streckenweise atmosphärisch, lässt der belgische Horrorstreifen beim Drumherum die Brillanz seiner Todesszenen vermissen. Besonders schade ist, dass bei der Geschichte und den Hintergründen so gespart wurde: Govaerts beschränkt sich auf Andeutungen, bringt etwa eine Missbrauchsvergangenheit ins Spiel und eine geschlossene Busfabrik, ohne aber großartig darauf einzugehen. Vieles bleibt hier deshalb rudimentär und unterentwickelt, das Ende kommt plötzlich, ohne dass man wirklich aus dem Ganzen schlau geworden wäre und alles hätte nachvollziehen können.

Dennoch ist der Beitrag von den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights nicht nur für Genrefans einen Blick wert: Abgelegene Wälder sind tagsüber wie auch nachts ein immer gern gesehener Schauplatz für kleine Meuchelrunden, vor allem wenn sie mit einigen äußerst verstörenden Elementen aufgewertet werden. Dazu gibt es einige Charaktere, die wir dafür gemacht sind, einem mörderischen Waldschrat geopfert zu werden, Anhänger blutiger Szenen werden ebenfalls bedient. Und zu guter Letzt macht Camp Evil im Originalton gleich doppelt Spaß, wenn sich die überwiegend Flämisch sprechenden Protagonisten kleine Wortgefechte mit den Französisch-Belgiern liefern. Für ein Debüt ist das Pfadfindermassaker also durchaus gelungen, beim nächsten Mal darf es aber ruhig noch etwas mehr Feinschliff sein, damit aus den gelungenen Einzelszenen auch ein tatsächlicher Film entsteht.

Camp Evil
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Camp Evil
Im Wald, da sind die Mörder: Der Ausflug einer Pfadfindergruppe nimmt in „Camp Evil“ eine blutige Wendung, was vor allem dank der ausgefeilten Fallen streckenweise sehr unterhaltsam ist. Inhaltlich hätte hier einiges aber noch mehr ausgearbeitet werden dürfen, die teils brillanten, mitunter verstörenden Einzelszenen fügen sich nicht zu einem Ganzen zusammen.
6von 10

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