Bros
© Universal Pictures

Bros

„Bros“ // Deutschland-Start: 27. Oktober 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Beruflich läuft es gut bei Bobby Lieber (Billy Eichner). Mit seiner Radiosendung „The Eleventh Brick at Stonewall“ hat er sein Publikum gefunden, er erhält einen begehrten Preis bei einer LGBTQ Awards Ceremony und darf zudem die Ausstellung in einem LGBTQ Museum in Manhattan mitkonzipieren, das erste seiner Art weltweit. Privat siegt es hingegen eher mau aus bei dem homosexuellen Aktivisten. Das ist kein Problem für ihn, wie er immer wieder betont. Er ist sogar stolz darauf, dass er Single ist. Bis er eines Tages in einem Nachtclub Aaron Shepard (Luke Macfarlane) über den Weg läuft. Dass der durchtrainierte Supermann optisch eine ganz andere Liga ist, das ist Bobby bewusst, weshalb er sich auch schwer damit tut, ihm näherzukommen. Außerdem stammen sie aus völlig unterschiedlichen Welten. Dennoch beginnen sie, sich regelmäßig zu treffen und entwickeln dabei Gefühle füreinander …

Ein partieller Meilenstein

Es gibt Meilensteine, die eigentlich keine sein sollten. Siehe Bros. Da wird doch 2022 tatsächlich damit geworben, dass es sich um die erste homosexuelle Liebeskomödie eines großen Hollywoodstudios handelt. Klar, im Hintergrund gab es immer mal solche. Vor ein paar Jahren entzückte auch die Coming-out-Tragikomödie Love, Simon. Und natürlich gibt es im Fernsehen oder auf Streamingdiensten einiges in die Richtung. Der Versuch, außerhalb von schweren Dramen wie Brokeback Mountain mit Homosexuellen ein Massenpublikum zu erreichen, ist aber tatsächlich ein Novum. Der Versuch ist zumindest in den USA fehlgeschlagen, die Einspielergebnisse waren erbärmlich. Und das obwohl mit Nicholas Stoller ein Regisseur am Projekt beteiligt war, der zuvor mit Filmen wie Nie wieder Sex mit der Ex und Bad Neighbors bewiesen hat, dass er für pralle Kinokassen gut ist.

Ob das nun wirklich auf Homophobie zurückzuführen ist, wie Hauptdarsteller Billy Eichner behauptet, der gemeinsam mit Stoller das Drehbuch geschrieben hat, darüber lässt sich streiten. Es mag auch daran liegen, dass weder er noch Macfarlane Filmstars sind. Große Namen, mit denen die breite Masse etwas anfangen kann, tauchen in Bros zwar durchaus auf. Aber es handelt sich dann doch mehr um Gastauftritte, die so kurz sind, dass man sie verpassen würde, wenn man zur falschen Zeit auf Toilette geht. In einer Zeit, in der Komödien im Kino nicht besonders gut laufen und selbst Ticket ins Paradies mit George Clooney und Julia Roberts Probleme hat, die Kosten wiedereinzuspielen, ist das vielleicht doch zu wenig. Hinzu kommt, dass Bobby nicht unbedingt die Figur ist, die einen dahinschmelzen lässt – für viele ein wichtiges Kriterium in dem Genre.

Eine der besten Liebeskomödien der beste Jahre

Dennoch ist der Misserfolg schade. Nicht alleine, dass er damit das Signal sendet, dass niemand Homosexuelle auf der Leinwand sehen will. Der Film ist auch viel zu gut, um dieses Schicksal zu verdienen. Tatsächlich handelt es sich bei Bros um eine der besten Liebeskomödien der letzten Jahre und erinnert einen daran, dass diese Filme tatsächlich komisch sein können, anstatt nur so zu tun. Stoller und Eichner gehen dabei offensiv mit dem LGBTQ-Kontext um. Auch wenn man hier angesichts des allgegenwärtigen Aktivismus davon ausgehen konnte, dass es sich um einen besonders moralinsauren Film handelt, ist das Gegenteil der Fall. Hier dürfen alle durch den Kakao gezogen werden, inklusive der Community selbst. Szene für Szene werden Klischees ausgepackt und sich darüber lustig gemacht. Ob es Grindr-Dates sind, die Selbstbezogenheit der Museumsaktivist*innen oder der Auftritt einer Schwulenikone: Der Film spart nicht an Spott.

Eine Dekonstruktion des Genres ist Bros dabei aber nicht. So sehr sich die Komödie, die auf dem Toronto International Film Festival 2022 Premiere feierte, über Konventionen lustig macht, so sehr bestätigt sie diese auch. Wie Stationen der Geschichte kommen einem unheimlich bekannt vor, von den holprigen Anfängen über die diversen Unsicherheiten bis hin zur obligatorischen dramatischen Zuspitzung, welche das junge Glück vorzeitig zu beenden droht: Da wird nichts ausgelassen, was im Handbuch „RomCom für Dummys“ zu finden ist. Wer sich also einen wirklich neuen oder mutigen Film erhofft, der ist hier dann doch eher falsch. Aber es macht Spaß mitanzusehen, wie hier mehrere Leute durchs Leben stolpern, sich selbst oder anderen das Leben zur Hölle machen, nur damit am Ende die Welt doch ein bisschen bunter und schöner erscheint.

Credits

OT: „Bros“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Nicholas Stoller
Drehbuch: Nicholas Stoller, Billy Eichner
Musik: Marc Shaiman
Kamera: Brandon Trost
Besetzung: Billy Eichner, Luke Macfarlane, Ts Madison, Monica Raymund, Guillermo Díaz, Guy Branum, Amanda Bearse

Bilder

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Bros
fazit
Groß als erste homosexuelle Liebeskomödie eines großen Studios angekündigt, nimmt „Bros“ automatisch für sich einen Pionierstatus in Anspruch. Den erfüllt der Film aber nur bedingt, da er zwar zahlreiche Klischees aufs Korn nimmt, selbst aber genügend folgt. Dennoch ist die Geschichte um zwei beziehungsunfähige Männer, die sich und das Glück finden, einer der besten Genrevertreter der letzten Jahre und erinnert einen daran, dass Liebeskomödien tatsächlich komisch sein können.
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