Kritik

Alien

„Alien – Die Wiedergeburt“ // Deutschland-Start: 27. November 1997 (Kino) // 7. September 2017 (DVD/Blu-ray)

Im Jahr 2379 ist es Wissenschaftlern gelungen, die vor zweihundert Jahren gestorbene Ellen Ripley (Sigourney Weaver) mithilfe einer noch vorhandenen Blutprobe neu zu klonen. Dabei geht es ihnen gar nicht um die frühere Offizierin, die im Kampf gegen monströse Außerirdische ums Leben kam. Vielmehr wollen Dr. Mason Wren (J. E. Freeman) und sein Team das Alien selbst klonen, um es zu zähmen und sich seiner Fähigkeiten zu bedienen. Doch die aggressive und intelligente Lebensform kommt ihnen zuvor und kann aus seinem vermeintlich sicheren Gefängnis fliehen, um seinerseits Jagd auf die Menschen zu machen. Nun liegt es an Ripley, der Schiffbesatzung sowie einigen Weltraumsöldern – darunter Annalee Call (Winona Ryder), Ron Johner (Ron Perlman), Gary Dourdan (Gary Christie) und Dom Vriess (Dominique Pinon ) – die Katastrophe noch zu verhindern …

Eigentlich hätte die Reihe um die zähnefletschenden, ätzenden Außerirdischen mit Alien 3 ihr Ende finden sollen. Man hatte an dessen Ende sogar Ellen Ripley getötet, die neben den Aliens selbst immer das Aushängeschild der Filme gewesen war, als eine der ersten Action-Heldinnen Hollywoods. Doch wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und wo vorher rund 160 Millionen Dollar eingespielt wurden, da warten bestimmt noch weitere. Also holte man Ripley und damit Sigourney Weaver aus dem Vorruhestand zurück, nutzte einfach das Mittel des Klonens, um verlorene Figuren wiederzubeleben. Warum auch nicht? Was bei Jurassic Park mit Dinos funktioniert hat, das geht sicherlich auch mit Menschen und anderen bestialischen Lebensformen.

Ein unpassendes Team
Das kann man nun faul und wenig kreativ finden. Interessant war aber vor allem, welche Leute man an Bord holte: Das Drehbuch stammte von Joss Whedon, die Regie übernahm Jean-Pierre Jeunet. Beide hatten zu dem Zeitpunkt bereits von sich reden gemacht, ihre größten Erfolge sollten aber später noch kommen. Und wer die Filmografien der beiden vergleicht, würde heute vermutlich nie auf die Idee kommen, beide in einem Projekt zusammenzuführen. Auf der einen Seite der US-Amerikaner Whedon, der mit eher geradlinigen Werken wie der Serie Buffy – Im Bann der Dämonen und Avengers eine große Fangemeinde hat, auf der anderen der Franzose Jeunet, der in Delicatessen oder Die fabelhafte Welt der Amélie eine Vorliebe für skurrilen bis grotesken Humor zeigte. Wie passt das zusammen?

Antwort: gar nicht. Tatsächlich distanzierte sich Whedon später deutlich von Alien – Die Wiedergeburt, das seiner Meinung nach völlig falsch umgesetzt wurde. Zum Teil ist die DNA der früheren Teile noch gut zu erkennen: Wieder einmal ist eine Gruppe von Menschen mit dem Alien in einem in sich geschlossenen Schauplatz gefangen und muss nun ums Überleben kämpfen, wieder einmal setzt sich diese Gruppe aus Wissenschaftlern und Kämpfern zusammen. Das ist als Szenario beim vierten Anlauf nichts Besonderes mehr, zumal die meisten Figuren wieder Wegwerfware sind. Diese Mischung aus Kämpfen und Flüchten wird hier aber mit Humor verbunden und Jeunets Neigung zum Exzentrisch-grotesken, so als würde er das alles gar nicht sonderlich ernst nehmen.

Eigenwilliger Verzicht auf Horror
Richtig spannend ist Alien – Die Wiedergeburt dann auch nicht. Der Film hat weder die ruhige Angst vor der Dunkelheit, wie sie in Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt gezeigt wurde, noch kommt sie an den zweiten Teil Aliens – Die Rückkehr heran, der mit schweißtreibendem Dauerfeuer die Nerven attackierte. Actionszenen gibt es hier, sie sind teilweise tatsächlich auch gelungen. Sie finden sich jedoch kaum mit den anderen Elementen zusammen, die Jeunet zusammenrührt. Seine Interpretation des Klassikers ist gleichzeitig bekannt und fremd, visionär und repetitiv, bleibt aufgrund verblüffender Entscheidungen und eigenwilliger Umsetzung insgesamt unter ihren Möglichkeiten.

Interessanter als Alien 3 ist der Film aber auf alle Fälle, hat im Vergleich zwei entscheidende Vorteile. Zum einen ist Alien – Die Wiedergeburt, wie praktisch alle Filme von Jeunet, ein Fest fürs Auge, sofern man sich an dessen etwas manierierten Bildern erfreuen kann. Und auch der Einfalls Whedons, Ripley und das Alien durch das Klonen jeweils Teile der anderen Lebensform in sich aufzunehmen, bringt diverse Vorteile mit sich. Die werden zwar nicht immer genutzt, manches ist auch da eher komisch als spannend. Aber es gibt Sigourney Weaver die Möglichkeit, ihrer zuvor eher direkten Figur mehr Ambivalenz zu verleihen. Ist Ripley auf der Seite der Menschen oder der Aliens? Kann man ihr trauen? Die Schauspielerin nimmt diese Vorgabe auch dankbar auf, legt ihre Rolle undurchsichtig und etwas sarkastisch an – und lässt einen mit ihrem intensiven Spiel vergessen, dass an Bord ja noch Monster frei umherlaufen, die eigentlich ein bisschen Aufmerksamkeit verdienten.

Credits

OT: „Alien Resurrection“
Land: USA
Jahr: 1997
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Drehbuch: Joss Whedon
Musik: John Frizzell
Kamera: Darius Khondji
Besetzung: Sigourney Weaver, Winona Ryder, Ron Perlman, Dan Hedaya, J. E. Freeman, Brad Dourif, Gary Dourdan, Kim Flowers, Raymond Cruz, Dominique Pinon

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Saturn Awards 1998 Bester Science-Fiction-Film Nominierung
Beste Regie Jean-Pierre Jeunet Nominierung
Beste Hauptdarstellerin Sigourney Weaver Nominierung
Beste Nebendarstellerin Winona Ryder Nominierung
Beste Kostüme Rob Ringwood Nominierung
Beste Spezialeffekte Pitof, Eric Henry, Alec Gillis, Tom Woodruff Jr. Nominierung

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Alien – Die Wiedergeburt
3.95 (78.95%) 19 Artikel bewerten

Alien – Die Wiedergeburt
Versuchen wir es doch noch mal: „Alien – Die Wiedergeburt“ macht das Ende des Vorgängers rückgängig, indem auf das Mittel des Klonens zurückgegriffen wird. Der Film hat dabei einige interessante Einfälle und zudem fantastische Bilder, kann sich aber nicht so recht entscheiden, ob er lieber geradlinig oder skurril sein will. Die Mischung funktioniert nicht ganz, auch die Spannung ist weniger hoch als bei den Anfängen.
6von 10

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