Kritik

A Costume for Nicolas

„A Costume for Nicolas“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Es war eine schöne Tradition im Leben von Nicolas: Jedes Jahr erhielt er von seiner Mutter zum Geburtstag ein besonderes Kostüm, welches ihm Kraft und Mut verleihen sollte. Doch nun ist sie tot und der 10-Jährige mit dem Downsyndrom muss ein neues Leben anfangen. Seine Großeltern Mia und Thomas sind auch überaus bemüht, sogar ein neues Kostüm soll er am Ende bekommen. Aber Nicolas tut sich schwer in der neuen Umgebung, zumal sein Cousin David, mit dem er sich das Zimmer teilt, nichts von ihm wissen will. Der hat dafür ganz eigene Probleme, wird er doch jede Nacht von Albträumen geplagt – und einem unheimlichen Monster, das aus der Kiste mit den Kostümen kommt. Und das ist nur der Anfang eines großen Abenteuers, in dem sich Nicolas den anderen endlich beweisen kann …

In den letzten Jahren hat sich Lateinamerika als durchaus interessante Gegend für etwas andersartige Animationsfilme etabliert. Da war Virus Tropical, eine kunstvolle Schwarzweiß-Adaption einer Graphic Novel aus Kolumbien, der surreale Stop-Motion-Albtraum The Wolf House aus Chile erinnert an die berüchtigte Colonia Dignidad, auch das brasilianische Fantasyabenteuer Tito and the Birds war sehr sehenswert und lief auf einer ganzen Reihe von Festivals. Große Hits waren zwar bislang nicht dabei. Animationsfans, die mal etwas Abwechslung von dem CGI-Einerlei der Majors brauchen, hatten aber einiges zu tun.

Schlichte Bilder mit Inhalt
Ob A Costume for Nicolas vergleichbar von Festival zu Festival weitergereicht wird, wird sich noch zeigen. Zumindest deutsche Zuschauer und Zuschauerinnen haben aber schon mal die Möglichkeit ihn zu sehen, da er als Europapremiere Teil der Online-Ausgabe vom Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart 2020 ist. Und auch dieser zunächst etwas unscheinbare Film ist ein gutes Argument, den lateinamerikanischen Raum etwas im Auge zu behalten – selbst wenn visuell sicher noch ein bisschen mehr möglich gewesen wäre.

Das Regiedebüt von Eduardo Rivero, der zuvor auch schon an The Angel in the Clock gearbeitet hat, nutzt hier eine Optik, die zwar am Computer erstellt wurde, sich dabei jedoch an den Zeichentrickfilmen von früher orientiert. Der Stil ist teils eher gewöhnlich, so richtig deutlich wird das Down-Syndrom von Nicolas nicht. Auch bei den Animationen sollte man keine Wunderwerke erwarten, dafür war das Budget auch einfach nicht groß genug. Besser wird es, wenn sich A Costume for Nicolas stärker auf die fantasievollen Abenteuer konzentriert, groteske Kreaturen beschwört und auch ein agiles Domizil vorstellt, welches an Das wandelnde Schloss erinnert.

Nur keine Angst haben!
Während einem die Verpackung teilweise bekannt vorkommt, geht A Costume for Nicolas inhaltlich teils andere Wege. Sicher, dass Nicolas am Ende alle retten wird, das steht von vornherein fest, ebenso dass aus ihm und seinem Cousin David nach anfänglichen Schwierigkeiten ein echtes Team wird. Doch bei der Ausgestaltung des Abenteuers brachte Drehbuchautor Miguel Ángel Uriegas auch eigene, teils surreale Ideen mit ein. Schön ist beispielsweise der Einfall, den verschiedenen Kostümen des Jungen ein Eigenleben zu verleihen. Auch der Umgang mit Albträumen, die besiegt werden müssen, ist ein reizvolles Element, welches der Zielgruppe ein bisschen was auf den Weg mitgibt.

Die ist hier natürlich eindeutig jünger, was sich nicht nur am Alter des Protagonisten, sondern auch an diversen Vereinfachungen zeigt. Die Kinder sollen schließlich aufgemuntert werden. Und eben das gelingt A Costume for Nicolas ganz gut: Der Film macht Mut, sich den eigenen Problemen zu stellen und keine Angst vor dem zu haben, was da draußen ist. Gleichzeitig soll die Geschichte auch ein Plädoyer dafür sein, Menschen, die anders sind, einzuschließen, anstatt sie zu diskriminieren. Das ist grundsätzlich immer ein wichtiges Thema, mit Inklusion kann man gar nicht früh genug anfangen. Man kann sich natürlich darüber streiten, ob der Aspekt im Rahmen des Fantasy-Abenteuers nicht etwas untergeht. Sympathisch ist es aber, teilweise auch rührend.

Credits

OT: „Un Disfraz para Nicolas“
Land: Mexiko
Jahr: 2019
Regie: Eduardo Rivero
Drehbuch: Miguel Ángel Uriegas
Musik: Manuel Vázquez
Animation: Fotosintesis Media

Trailer

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A Costume for Nicolas
„A Costume for Nicolas“ erzählt von einem Jungen mit Down-Syndrom, der mithilfe seiner magischen Kostüme eine fremde Welt rettet. Der mexikanische Animationsfilm ist dabei visuell und inhaltlich eher einfach und auf eine junge Zielgruppe ausgerichtet. Teilweise ist er aber auch sehr fantasievoll und sammelt als Plädoyer für Inklusion Sympathiepunkte.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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