Kritik

Jurassic Park

„Jurassic Park“ // Deutschland-Start: 2. September 1993 (Kino) // 31. Mai 2018 (DVD/Blu-ray)

Als das Forscherpaar Dr. Alan Grant (Sam Neill) und Dr. Ellie Sattler (Laura Dern) von John Hammond (Richard Attenborough) auf dessen Insel eingeladen werden, ahnen sie noch nicht, worauf sie sich einlassen. Der schwerreiche Unternehmer hat einen Freizeitpark gebaut, dessen Clou echte Dinosaurier sind – geklont aus Millionen Jahre alter DNA. Zusammen mit dem Mathematiker Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum) und dem Anwalt Donald Gennaro (Martin Ferrero) sollen sie die Insel inspizieren und die Sicherheit feststellen. Mit dabei sind zudem Hammonds Enkel Tim (Joseph Mazzello) und Lex (Ariana Richards). Doch was als gemütlicher Ausflug beginnt, entwickelt sich bald zu einem absoluten Albtraum, denn der Computer-Spezialist Dennis Nedry (Dennis Nedry) verfolgt einen ganz eigenen Plan …

Auch wenn die Dinosaurier schon vor 66 Millionen Jahren ausgestorben sind und wir sie nur von versteinerten Fossilien kennen, die Faszination an den Riesenechsen lebt unbeirrt fort. Noch immer wird kräftig an der einst über die Erde herrschenden Reptilien geforscht, regen sie die Fantasie an. Schließlich ist die Vorstellung, dass es früher solche gigantischen, teils bizarren Wesen gegeben hat, ausgesprochen spannend. Insofern traf Jurassic Park 1993 einen Nerv, als es zumindest ein paar dieser Giganten wieder zum Leben erweckte. Das hatten Filme schon vorher manchmal getan. Damals ging es jedoch um Exemplare, die an versteckten, unzugänglichen Orten überlebt hatten. Da solche Orte heutzutage rar geworden sind, mussten eben Wissenschaftler ran und anderweitig den Traum wahr werden lassen.

Erfolgreiche Jagd
Genau genommen war es Michael Crichton, der diesem Traum neuen Auftrieb verlieh. Der Autor war im Filmbereich kein Unbekannter. An diversen Titeln hatte er selbst mitgearbeitet, meistens als Verfasser des Drehbuchs. Und natürlich dienten seine Romane des Öfteren als Vorlage, so etwa bei Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All. Doch keines dieser Werke war auch nur ansatzweise so populär wie Jurassic Park, das seinerzeit einen neuen Rekord aufstellte und einige Jahre die Krone als erfolgreichster Film aller Zeiten tragen durfte. Möglich gemacht hatte dies Steven Spielberg, der immer für den Blockbuster-Thron gut war und aus der literarischen Vorlage ein spannendes, ausgesprochen düsteres Abenteuer machte.

Damit hatte Spielberg natürlich Erfahrung. Auch wenn er gerne mal mit Familienunterhaltung gleichgesetzt wird, so konnten seine Filme teils doch richtig zur Sache gehen. Mit Der weiße Hai feierte er schließlich seinen Durchbruch, Jäger des verlorenen Schatzes ging teilweise als Horrorfilm durch. Das gilt auch für Jurassic Park, wenn die Menschen irgendwann zu einer (fast) hilflosen Beute diverser hochgefährlicher Jäger werden. Und sehr unterschiedlicher. Während der Tyrannosaurus Rex auf brachiale Gewalt setzt, sind die im Film gezeigten Velociraptoren ausgesprochen intelligent, nutzen die Umgebung der Insel zu ihrem Vorteil, um ihre Beute zu erlegen. Verschiedene Gegner mit unterschiedlichen Jagdmethoden auf einem Fleck, ohne Möglichkeit, ihnen zu entkommen – das ist schon ein ausgesprochen fieses Szenario.

Die Freiheit der Spannung
Wissenschaftlich akkurat ist das eher weniger. Spielberg und Crichton, der an der Drehbuchadaption mitarbeitete, nahmen sich schon recht viele Freiheiten heraus. Große Dinofreunde werden sich deshalb damit abfinden müssen, dass die Wesen im Film sich teilweise arg von den Vorlagen unterscheiden, soweit bekannt. Außerdem ist die Bandbreite an Dinos nicht besonders hoch. Im Mittelpunkt stehen die beiden oben genannten Arten, die anderen haben nur kleine Gastauftritte. Die Absicht ist klar: Es geht bei Jurassic Park weniger um das Gefühl des Wunders, wenn wir eine fremde Welt betreten. Das ist nur der Auftakt, um anschließend so richtig das Nervenkostüm anzugreifen. Es ist sogar fast schon egal, dass es sich hier um Dinosaurier handelt – Außerirdische, irre Killer oder Monster hätten den Zweck auch erfüllt.

Die menschlichen Figuren sind ebenso zweckmäßig, sind teilweise Klischee, wenn nicht gar Karikatur. Aber sie machen ebenso viel Spaß wie die Klondinos, auch weil die Darsteller und Darstellerinnen in ihren Rollen aufgehen. Ob nun Jeff Goldblum als zynischer Spielverderber, Wayne Knight als überzogener Nerd oder Richard Attenborough als naiver Freizeitpark-Betreuer, das funktioniert heute noch so gut wie damals. Allgemein hat sich Jurassic Park erstaunlich gut gehalten. Natürlich darf man an die Computereffekte nicht mit den heutigen Maßstäben rangehen, einigen Szenen sieht man ihr Alter an. Andere sind dafür zeitlos. Die Überlegungen zum Klonen als Eingriff in die Natur, die Spitze gegen Marketingstrategien und eine herrliche Szene zum Thema Sexismus sind sogar ausgesprochen zeitgemäß – da nimmt man dafür die eine oder andere überholte Konvention nicht so tragisch.

Credits

OT: „Jurassic Park“
Land: USA
Jahr: 1993
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Michael Crichton, David Koepp
Vorlage: Michael Crichton
Musik: John Williams
Kamera: Dean Cundey
Besetzung: Sam Neill, Laura Dern, Jeff Goldblum, Richard Attenborough, Bob Peck, Martin Ferrero, Wayne Knight, Joseph Mazzello, Ariana Richards

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1994 Bester Tonschnitt Gary Rydstrom, Richard Hymns Sieg
Bester Ton Gary Summers, Gary Rydstrom, Shawn Murphy, Ron Judkins Sieg
Beste Spezialeffekte Dennis Muren, Stan Winston, Phil Tippett, Michael Lantieri Sieg
BAFTA Awards 1994 Beste Spezialeffekte Dennis Muren, Stan Winston, Phil Tippett, Michael Lantieri Sieg
Bester Ton Gary Summers, Gary Rydstrom, Shawn Murphy, Ron Judkins Nominierung
Japanese Academy Awards 1994 Bester fremdsprachiger Film Sieg

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Jurassic Park
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Jurassic Park
„Jurassic Park“ brach 1993 alle Rekorde. Die Geschichte um eine Insel, auf der gezüchtete Dinos als Attraktion gehalten werden, macht aber auch heute noch Spaß. Der Kampf gegen einen übermächtigen Feind ist spannend, teils düster, das Ensemble gut aufgelegt, die Aussagen des Films trotz pseudowissenschaftlicher Freiflüge noch immer aktuell.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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