(„Murder, She Said“ directed by George Pollock, 1961)

16 Uhr 50 ab PaddingtonHerr Inspektor, Sie könnten mich wohl mit einigem Recht eine alte Jungfer nennen, aber trotzdem kenne ich doch den Unterschied zwischen einer Umarmung und einem Mord!

Miss Marple, wer kennt sie nicht? Miss Marple, die von Margaret Rutherford verkörperte Romanfigur von Agatha Christie? Der Name der ersten von vier Verfilmungen mit der rüstigen Amateurdetektivin dürfte den meisten Menschen bekannt sein, selbst wenn man die konkrete Handlung nicht kennt. Und so genehmigte ich mir vor wenigen Tagen einen gemütlichen Abend mit dem Streifen 16 Uhr 50 ab Paddington von 1961.

Nichts ahnend besteigt Miss Marple einen Zug und macht es sich in einem Abteil bequem. Während der Fahrt wird sie durch das Fenster jedoch Zeugin eines Mordes, welcher im sie überholenden Zug stattfindet. Der benachrichtigte Schaffner schenkt den Ausführungen der alten Dame jedoch wenig Beachtung, ebenso wenig wie Inspektor Craddock (Charles Tingwell), der weder eine Leiche noch weitere Zeugen für den Vorfall ausfindig machen kann. Wer jedoch denkt, dass sich die einzige Zeugin des Mordes damit abfindet, kennt Miss Marple schlecht. Kurzerhand sucht sie mit Hilfe des Bibliothekars Mr. Stringer (Stringer Davis) die Gleise ab und findet tatsächlich eine Spur, die zu einem Landsitz führt. Um darin ihre Recherchen weiter voran treiben zu können, bewirbt sie sich soglich als Hausdame bei der Familie Ackenthorpe. Mit anfänglichen Schwierigkeiten und Rätseln konfrontiert, schafft es Miss Marple letztlich jedoch den Mörder auf clevere Art und Weise zu überlisten.

Miss Marple ist im Schwarz-Weiß-Film 16 Uhr 50 ab Paddington aktueller denn je. In einer TV- und Kinowelt, in der ballistische Flugbahnen berechnet, Fingerabdrücke genommen und DNA-Untersuchungen durchgeführt werden, ist es einfach nur entspannend und unterhaltsam in die Welt von vor fast 50 Jahren einzutauchen. Da führen abgerissen Stofffetzen zum nächsten Hinweis; da kommen Zigarettenschachtel direkt in die Plastiktüte des Inspektors; und nicht zuletzt taucht diese mysteriöse und fast vergessene Gestalt des Trenchcoat und Hut tragenden Inspektors auf. Hier sind es noch einfache Fragen, Grübeleien, ans Licht kommende Verwandtschaftsverhältnisse und mancher Zufall, die schließlich zum Täter führen. Vom verschrobenen Gärtner, der natürlich nicht fehlen darf, ganz zu schweigen.

Und dann ist da natürlich noch Margaret Rutherford, die in ihrer unvergesslichen, noch heute amüsanten Art und Weise mit ihrer Cleverness, ihrem Witz und ihrer unvergleichlichen Spitzzüngigkeit, eine Miss Marple mimt, welche einfach köstlich anzusehen ist. Obwohl der 83 Minuten dauernde Film wohl nicht ganz der Romanvorlage entsprichen soll, kann ich mich den derzeit 83% bei Rotten Tomatoes nur anschließen. Wer genug hat von CSI und Entspannung sowie Unterhaltung bei ein paar Minuten Detektivgeschichte sucht, sollte zu 16 Uhr 50 ab Paddington von Regisseur George Pollock greifen.

16 Uhr 50 ab Paddington (1961)
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